Warme Töne, kühle Tropfen

Rund 100 Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber genossen am Samstag das Open-Ear-Festival in Brunnadern. Direkt am Necker spielten Bands aus der Region vor heimischem Publikum. Aus Bern angereist kam der legendäre deutsche Liedermacher Götz Widmann.

Mario Fuchs
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Musik in der Idylle: Das Open-Ear-Festival findet direkt am Necker auf dem Gelände des Jugendtreffs Rondo statt. Mit Strand und Feuerstelle. (Bilder: Mario Fuchs)

Musik in der Idylle: Das Open-Ear-Festival findet direkt am Necker auf dem Gelände des Jugendtreffs Rondo statt. Mit Strand und Feuerstelle. (Bilder: Mario Fuchs)

BRUNNADERN. Das Open Ear ist Familiensache. Erstens: Das OK besteht zu zwei Dritteln aus der gleichen Familie. Initiant Kevin Jaggi ist für Marketing, Booking und Geschäftsführung verantwortlich. Seine Schwester Sabrina kümmert sich um die Gastronomie und die Helfer. Für Bau und Technik ist Alwin Büchler besorgt. Und, hier folgt bereits zweitens: Alwin ist Mitglied der St. Galler Band Bright. Und gab als solcher ein Beispiel dafür, wie schön es für Musiker wie ihn ist, vor heimischem Publikum zu spielen. Eben vor der eigenen Familie quasi. Die Band nennt ihre Fans beim Vornamen, kennt teils gar die gegenseitigen Heimwege, wie Bright-Sänger Stefan Eberhard bei einem Stück verriet. Ihr wie immer ruhiges und berührendes Konzert bildete den perfekten Abschluss des Open Ear 2013.

Mehrstimmig wie die Fab Four

Zuvor spielten am Nachmittag andere in der Region Bekannte an diesem heissen Sommertag an diesem kleinen, aber feinen Festival direkt am Necker. Das St. Kitts Royal Orchestra aus Wil etwa. Das Set mit verspieltem Indierock machte Lust auf das demnächst erscheinende Début-Album. Oder The Fools aus Trogen. Das Trio sieht nicht nur aus wie frisch aus den Sechzigern, es spielt auch die Musik jener Jahre. Es beherrscht den Rock 'n' Roll und Beat im Stile der Beatles oder Beach Boys, spielt eigene Stücke und einzelne Covers, singt perfekt mehrstimmig wie die Fab Four. Währenddessen brannte die Sonne. Wer die Badehose vergessen hatte, kühlte seine Füsse im Necker.

Kollektiver Lachanfall

Dann folgte ein Stilwechsel, und mit ihm ein Wetterwechsel: Die Hip-Hop-Crew BDC aus St. Gallen öffnete die Kanäle ihrer Mikrophone und Petrus seine Schleusen des Regens. Den Open-Ear-Besuchern war's egal, sie tanzten barfuss in Plastikpelerinen über den Rasen vor dem Jugendtreff Rondo. Sonnenschirme wurden zu Regenschirmen. So schnell wie CRF und Flip rappten, so schnell war die Sonne plötzlich wieder da.

Ganz zur Freude des «Godfathers of Liedermaching», Götz Widmann. Der legendäre deutsche Liedermacher ist dank seiner cannabisfreundlichen und gerne auch anzüglichen Texten bei Studenten hier wie dort bestens bekannt. Heute lebt Widmann im bernischen Biglen, wo er sich, wie er erzählte, engagiert zu integrieren versucht. «Doch mein Berndeutsch ist für die Einheimischen wie serbokroatisch.» Die teils bitterbösen, teils herzigen Lieder sorgten beim Open-Ear-Publikum für einen kollektiven, langanhaltenden Lachanfall. Und für einen magischen Moment, in dem sich jeder Anwesende eine nächste Ausgabe 2014 wünschte.

Bright: Ruhig und berührend. (Bild: Mario Fuchs)

Bright: Ruhig und berührend. (Bild: Mario Fuchs)

Götz Widmann: Wortwitzig und ansteckend. (Bild: Mario Fuchs)

Götz Widmann: Wortwitzig und ansteckend. (Bild: Mario Fuchs)

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