Wandernd von Bad zu Bad

Die Appenzeller Zeitung besucht während dreier Wochen schöne Plätze im Appenzellerland. Heute führt eine Wanderung von Weissbad über Kaubad nach Jakobsbad. Unterwegs gibt es einen Zwischenstop im wohl kleinsten Museum des Appenzellerlandes.

Mea Mc Ghee
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Im Kaubad wurden drei künstliche Weiher angelegt. 1980 wurden sie der Stiftung Landammann Dr. Albert Broger übertragen. (Bilder: mc)

Im Kaubad wurden drei künstliche Weiher angelegt. 1980 wurden sie der Stiftung Landammann Dr. Albert Broger übertragen. (Bilder: mc)

WEISSBAD. Die Blütezeit der Kurbäder im Appenzellerland ist wohl Geschichte, dennoch sind es Bäder, welche den Ausschlag für die Streckenführung dieser Wanderroute gaben: Startpunkt ist Weissbad mit seinem Aushängeschild «Hof Weissbad». Eine Gelegenheit zur Stärkung bietet sich im Hotel Kaubad, und das Ziel liegt im Jakobsbad am Fusse des Kronbergs. Die fast 13 Kilometer haben es vor allem zu Beginn in sich. Nachdem der Wissbach überquert ist, steigt der Weg über Rechböhl und Chlispitz bis zum Chlosterspitz teils steil an. Gut 500 Höhenmeter gilt es bis zum höchsten Punkt der Wanderung zu überwinden. Die Aussicht auf den Alpstein, auf die Dörfer Appenzell und Gais und sogar ins Rheintal entschädigen jedoch für die Anstrengung.

Richtung Kronberg geht es nun vorbei an der Neuenalp zum idyllischen Hochmoor bei Helchen. Hier lädt nebst der Idylle eine Feuerstelle zur Rast ein. Einige Heidelbeeren, gepflückt von den zahlreichen Stauden, regen den Appetit so kurz vor Mittag an.

Drei Weiher im Kaubad

Bis zum «Kaubad» ist es zum Glück nicht mehr weit. Bei der Alp Vorderschaffen verlässt man den Pfad zum Kronberg, und von nun an geht es bergab. Es taucht – nach rund 2,5 Stunden Marschzeit – das markante Hotelgebäude des Kaubads hinter einem Wäldchen auf. Hier empfangen Monika und Fredy Reymond-Peier seit 1995 die Gäste. Der Hotelbetrieb umfasst ein Restaurant mit reichhaltiger Speisekarte, eine Sonnenterrasse, einen Spielplatz, ein Hallenbad samt Sauna sowie viel Natur und Ruhe. Auf der nahen Wiese grasen während der Mittagsrast zwei Rehe.

Eigentliches Kleinod im Kaubad aber sind die drei von einem Deutschen einst künstlich angelegten Weiher. 1980 kaufte der Kanton Appenzell Innerrhoden die Seelein und übertrug sie der Stiftung Landammann Dr. Albert Broger. Mit Hilfe des Fischereivereins Appenzell wurden die damals stark verschlammten Weiher geräumt. Zwei wurden fortan als Aufzuchtanlage für Forellen genutzt, einer als Biotop. Heute werden die Teiche nicht mehr bewirtschaftet. An ihren Ufern und in der Umgebung gedeiht eine vielfältige und bunte Flora. Kieswege führen um die Weiher, Enten schwadern zwischen Seerosen, Bänklein lassen müde Beine wieder munter werden. Ein erfrischendes Bad ist jedoch verboten, darauf weist ein leuchtend organes Schild hin.

Golfplatz und Barfussweg

Das nächste Wegstück führt vorbei an der im Frühling von der SP Innerrhoden gepflanzten Friedenslinde und an der Kapelle St. Georg hin zum Gontenmoos. Hier gilt es sich in Acht zu nehmen vor allfällig verirrten Golfbällen vom angrenzenden Golfplatz. Wer mag, zieht sein Schuhwerk aus und spürt so die Beschaffenheit des Bodens auf dem Barfussweg. Diesem folgt die Route bis zum Ziel. Besonders schlammig ist der Untergrund beim Toobeschopfe, der seit 2006 das Toobe-Museum beherbergt. Schopfe sind kleine Gebäude, in denen entweder Streue oder Geräte aufbewahrt wurden oder die der Trocknung und Lagerung von Torfziegeln dienten. In Gonten ist der Torfabbau ab Mitte des 18. Jahrhunderts belegt. Das Torfstechen war für die Bauern damals ein wichtiger Nebenerwerb. In grossem Stil und gar maschinell wurde Torf gegen Ende des Ersten Weltkrieges ausgebeutet. Und während des Zweiten Weltkrieges verarbeitete eine St. Galler Baufirma den Rohstoff mittels zweier Mostpressen zu Torfpulver, das der Braunkohle beigemischt wurde. Ab den 1950er-Jahren wurde kaum mehr Torf gestochen, und ab 1980 wurde der Abbau aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes eingestellt. Eine Spezialbewilligung hat die Brauerei Locher, die den Torf seit 2001 für ihre Whiskyproduktion nutzt. Einige Torfziegel sowie Gerätschaften und Maschinen sind im Toobe-Museum ausgestellt. Stellwände zeigen alte Fotos und Texte zur Geschichte des Torfabbaus im Gontenmoos.

Nach kurzer Rast geht es über Wiesen und Feldwege weiter, und nach rund vier Stunden Fussmarsch ist das Ziel im Jakobsbad erreicht.

Nur Enten dürfen in den Weihern beim Kaubad schwimmen.

Nur Enten dürfen in den Weihern beim Kaubad schwimmen.

Im Gontenmoos wurde einst Torf gestochen.

Im Gontenmoos wurde einst Torf gestochen.

Idyllisches Hochmoor bei Helchen.

Idyllisches Hochmoor bei Helchen.

Der «Toobeschopfe» vermittelt Wissenswertes über das Torfstechen.

Der «Toobeschopfe» vermittelt Wissenswertes über das Torfstechen.

Bild: MEA MC GHEE

Bild: MEA MC GHEE