Parkplätze am Fusse des Alpsteins: Wo Wanderer bezahlen müssen und wo es noch keine Gebühren gibt

In Wasserauen müssen Autofahrer neu fürs Parkieren zahlen. Auch am Fusse des Kronbergs wird die Einführung einer Gebühr geprüft.

Mea McGhee
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Die neuen Verkehrstafeln weisen den Autofahrern in Wasserauen den Weg zu den zentralen Parkuhren. (Bild: Mea McGhee)

Die neuen Verkehrstafeln weisen den Autofahrern in Wasserauen den Weg zu den zentralen Parkuhren. (Bild: Mea McGhee)

Das goldene Früherbstwetter lockt dieser Tage zahlreiche Ausflügler in den Alpstein. In Wasserauen rollen morgens viele Autos zur gleichen Zeit an. Mit Handzeichen werden die Gäste von Parkplatzanweisern zu freien Parkplätzen gelotst und auf die neuen zentralen Parkuhren hingewiesen. Denn seit Freitag muss in Wasserauen zahlen, wer auf einem der rund 250 Parkplätze sein Auto parkieren möchte. Bezirkshauptmann Sepp Manser sagt:

«Wir haben eine verursachergerechte Regelung gewählt.»

Man wolle nicht länger Gelder der öffentlichen Hand aufwenden für den Unterhalt von Parkplätzen, die mehrheitlich von Gästen genutzt werden. Mit den Einnahmen werden zudem die Parkplatzeinweiser finanziert. Diese leisten wichtige Arbeit, wie ein Augenschein zeigt.

Wasserauen: Ab 90 Minuten kostenpflichtig

Im Juli war bekannt worden, dass die Standeskommission auf Ersuchen des Bezirks Schwende und der Luftseilbahn Wasserauen-Ebenalp AG die Einführung der Parkgebühren bewilligt hat. Angst, dass die kostenpflichtigen Parkplätze Gäste fernhalten, hat Sepp Manser nicht. «Viele Reaktionen waren verständnisvoll und positiv. Nur vereinzelte Stimmen meinten, diese Regelung sei für einen Tourismuskanton nicht gut.» Je 45000 Franken investierten der Bezirk und die Bergbahn in die Signalisation und die Parksäulen.

Die Gebührenpflicht gilt von Anfang Mai bis Ende November, täglich zwischen 8 und 18 Uhr. Bezahlt werden kann mit Bargeld, Karten und über zwei Apps. Es besteht eine Gratiszeit von 90 Minuten. Eine Registration im System (App) oder an einer Parkuhr ist aber immer nötig. Für eine Parkzeit bis drei Stunden bezahlt man drei Franken. Die maximale Parkdauer sind sieben Tage à fünf Franken pro Tag. Mit der Saisonkarte für 140 Franken können fünf Autonummern registriert werden, wobei jeweils nur ein Fahrzeug abgestellt werden darf. Angestellte des Bezirks werden Kontrollen durchführen und bei Zuwiderhandlungen Bussen ausstellen. Die Wiese beim Bahnhof Wasserauen ist Privateigentum. Wer hier parkiert, zahlt wie bis anhin drei Franken für den ganzen Tag.

Gonten: Einheitliche Regelung angestrebt

Auch bei der Kronberg Luftseilbahn AG sind Parkgebühren ein Thema. Ein Ausschuss mit Vertretern des Unternehmens und des Bezirks Gonten sucht nach einer Regelung. Dabei orientiere man sich an Wasserauen, sagt Markus Wetter, Verwaltungsratspräsident der Bergbahn. Er sagt: «Wir wollen eine einheitliche Parkplatzbewirtschaftung in Gonten.» Er stelle fest, dass Gäste im Vergleich zu früher eher bereit seien, für einen Parkplatz zu zahlen.

«Manche fragen gar an der Kasse der Talstation, wo sie die Parkgebühr zahlen können.»

Brülisau: Nur Parkplätze auf privatem Grund kosten

400 bis 450 kostenlose Parkplätze stellt die Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG den Gästen in Brülisau zur Verfügung. Zu einem Achtel beteiligen sich Bergwirte, Kirche, Bezirk und Schule an den Kosten, den Rest übernimmt laut Geschäftsleiter Martin Ebneter das Unternehmen. Er sagt: «An rund 20 Tagen pro Jahr weichen wir zusätzlich auf die Wiese oberhalb der Kirche aus.» Diese gehört einem Bauern, der bei den Autofahrern drei Franken pro Tag einzieht. Auf dem privaten Parkplatz beim Pfannenstil am Ausgangspunkt des Brüeltobels zahlt man vier Franken pro angebrochenen Tag. Wenn im Winter die Parkplätze auf der Wiese nicht zur Verfügung stehen, können Fahrzeuge entlang der Strasse parkiert werden, dies sei mit der Kantonspolizei abgesprochen, so Ebneter.

Schwägalp: Gegen Parkgebühren entschieden

Auf der Schwägalp wurde das Thema der Parkplatzbewirtschaftung vor einigen Jahren letztmals analysiert. Nach detaillierten Untersuchungen, unter anderem einer Verkehrszählung, habe man sich gegen kostenpflichtige Parkplätze entschieden, so Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn AG. Als Hauptargument nennt er die rund 180 Schlechtwettertage pro Jahr, an denen man um jeden Gast froh sei. «Eine Lenkung durch Gebühren wäre nur an rund 60 Tagen im Jahr sinnvoll», so Bruno Vattioni. Als Tourismusunternehmen wolle man zudem nicht Kontrollorgan eines Parkplatzregimes sein. Das Parkieren auf der Schwägalp bleibt also weiter gratis. An Spitzentagen wird Personal eingesetzt, um die Gäste bei der Parkplatzsuche zu unterstützen.

Die Sockel für das Leuchtturmprojekt stehen

In Sachen Parkplätzen tut sich auch am Fusse des Kronbergs einiges. Gegen Ende des Jahres soll in Jakobsbad auf dem östlichen Parkfeld der Kronberg Luftseilbahn AG ein Solarfaltdach fertiggestellt werden. Es wird nach Angaben des Herstellers die weltweit erste derartige Konstruktion über einem Parkplatz sein. Das Solarfaltdach wird künftig das Bergbahnunternehmen mit Strom versorgen und den Gästen einen gedeckten Parkplatz bieten. Seit Ende Mai laufen die Vorbereitungsarbeiten für das «Leuchtturmprojekt», so Markus Wetter, Verwaltungsratspräsident der Kronberg Luftseilbahn AG. Auf dem ehemaligen Kiesplatz sind befestigte Parkfelder entstanden, Pfeile auf den asphaltierten Fahrbahnen zeigen, wie der Verkehr dereinst über den Parkplatz geleitet wird. Die Sockel, die das Solarfaltdach des Typs «Horizon» tragen werden, sind bereits betoniert. Auf eingegossene Gewindestangen werden nach der Wandersaison die Stützen des Daches montiert. Geplant wurde die Anlage von der Firma dhp technology AG in Zizers. Das Unternehmen hat das System des Faltmechanismus entwickelt und patentieren lassen.

Das im Jakobsbad geplante Solarfaltdach weist eine Nutzfläche von 2640 Quadratmetern auf. Es besteht aus 1320 Modulen in 33 Bahnen. Bei Sonnenschein entfaltet sich die Anlage und produziert Elektrizität. Bei Dunkelheit, Niederschlägen oder Wind fährt das Dach in zwei «Kästen» ein. Dank der Höhe der Stützen können auch hohe Fahrzeuge unter dem Dach fahren. Die Anlage verfügt über eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Ein vergleichbares System besteht über den Becken der Abwasserreinigungsanlage in Chur. Dieses Solarfaltdach produziert laut Angaben der Hersteller auf etwa 5500 Quadratmetern mit einer Leistung von 643 kWp pro Jahr circa 550'000 kWh Solarstrom, dies entspricht dem Verbrauch von 120 Haushalten.