«WAM» – Ein Gebrauchsgegenstand

Für seine Vita reicht eine Bildschirmseite nicht. Ebenso wenig ist «WAM» in fünf Minuten Sprechzeit vorgestellt. Marcel Grunder, stellvertretender Geschäftsleiter der Clientis Bank Thur versuchte es trotzdem und er vermutete richtig: Walter Andreas Müller kennt man.

Merken
Drucken
Teilen

Für seine Vita reicht eine Bildschirmseite nicht. Ebenso wenig ist «WAM» in fünf Minuten Sprechzeit vorgestellt. Marcel Grunder, stellvertretender Geschäftsleiter der Clientis Bank Thur versuchte es trotzdem und er vermutete richtig: Walter Andreas Müller kennt man. Doch kennt man ihn wirklich? Walter Andreas Müller alias «WAM», bekannt von Radio, Fernsehen, Theater und neuerdings auch von der TV-Werbung. Er hat viele Gesichter und doch nur ein einziges.

Der Mann der aktive, zurückgetretene und wohl auch bald die soeben neu gewählten Schweizer Bundesräte parodiert, die Stimme die seit 25 Jahren am Radio zu hören ist, der als Kabarettist und Schauspieler soeben sein 40-Jahre-Bühnenjubiläum feierte, der in Musicals spielt und seit kurzem für Selbstbestimmung im Tod wirbt, diesen Mann kennt man nur von seiner öffentlichen Seite.

Der Privatmann «WAM»

Dem Privatmann ein wenig auf den Zahn zu fühlen, hat sich Moderator Stephan Haller anlässlich des jährlichen Kundenanlasses der Bank am Donnerstagabend im Kapplerhof zur Aufgabe gemacht. Dabei erfuhr man in der Tat einiges mehr, als man von «WAM» bisher wusste. Dass er gerne Opernsänger geworden wäre, aber als zu klein (einmeterzweiundsechzigeinhalb) abgewiesen wurde. Dass er mangels vielversprechender Alternativen erst mal Verlagskaufmann gelernt habe. «Ich glaube an die Bestimmung», verriet Müller, «für jeden ist ein Weg vorgezeichnet.

» Sein Weg führte ihn an die Schauspielschule in Zürich, dann auf deutsche Bühnen, bevor er 1972 seine Karriere am Zürcher Theater an der Winkelwiese neugestaltete. «Ich bin ein Gebrauchsgegenstand», gestand «WAM» dem aufmerksamen Publikum, «ein Regisseur kann mit mir machen, was er will». Über seine Talente sei er sich jeweils erst bewusst geworden, wenn das Publikum positiv reagiert hat. Nach Einstiegen ins Radio- und TV-Unterhaltungsmetier wusste er: «Mein Plus ist die Vielseitigkeit.

» Geplant habe er seine berufliche Karriere nicht. Er habe gespielt, was er für richtig befunden habe und was ihm Spass gemacht hätte. Anfangs viele Bubenrollen, Komiker und später Vater- sowie Grossvaterrollen: «Nur leider konnte ich nie einen Liebhaber mimen!» Seine Popularität habe sich von selbst ergeben, «wie ein Schneeballeffekt». Am allerliebsten hätte er in «Fascht e Familie» gespielt, die Rolle als Kellner Hans sei ihm sozusagen auf den Leib geschrieben worden.

Gezittert während der Wahlen

«WAM» wusste auch viele Anekdoten zu erzählen: Dass seine Stimme in den Globi-Hörspielen nicht technisch frisiert sei, sondern echt und er führte dies auch gleich vor. Dass er seine Parodierollen auch ad hoc beherrscht, zeigte Müller dem überraschten Publikum, indem er unvermittelt in die Rolle von Christoph Blocher wechselte, in die Rollen von Samuel Schmid oder Moritz Leuenberger schlüpfte.

Leider habe er durch die Rücktritte Merz und Leuenbergers zwei Paraderollen verloren, die nur zur Hälfte neu besetzt wurden. «Ich habe schon gezittert während der Wahlen», verriet er, denn es hätten auch zwei Frauen gewählt werden können. Immerhin könne er sich nun mit Johann Schneider-Ammann auseinandersetzen, er habe bereits dessen Habitus, seine Kleidung und seine Sprechweise studiert.

Schliesslich verriet Walter Andreas Müller, dass er keine Woche ohne Albträume schlafe, dass er in einem Erdhaus am Zürichsee wohnt und einst von Christoph Blocher ein Duplikat seiner neuen Brille erhielt.

Michael Hug