Walzenhausen: Vereinbarungen zur Auszonung von 2,2 Hektaren Bauland getroffen ++ Thema sorgt an der öffentlichen Versammlung für Tumulte

An einer teilweise emotionalen Orientierungsversammlung stellt die Vorderländer Gemeinde den revidierten Zonenplan vor. 4,4 Hektaren Land muss Walzenhausen auszonen, ein Teil davon ist vertraglich bereits gesichert.

Jesko Calderara
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Walzenhausen muss seine Bauzonen um 4,4 Hektaren verkleinern. So viel wie keine andere Ausserrhoder Gemeinde.

Walzenhausen muss seine Bauzonen um 4,4 Hektaren verkleinern. So viel wie keine andere Ausserrhoder Gemeinde.

Bild: Benjamin Manser
Michael Litscher, Gemeindepräsident Walzenhausen

Michael Litscher, Gemeindepräsident Walzenhausen

Bild: APZ

Walzenhausen kann beim Thema Auszonungen erste Erfolge verbuchen. Nach intensiven Verhandlungen konnte der Gemeinderat 20 Vereinbarungen mit Grundeigentümern abschliessen. Davon betroffen ist eine Fläche von rund 2,2 Hektaren. Dies gab Gemeindepräsident Michael Litscher am Donnerstagabend in der Mehrzweckanlage bei der Vorstellung des teilrevidierten Zonenplans bekannt. Man strebe noch weitere Vereinbarungen an. Die Vorderländer Gemeinde dürfte allerdings einen steinigen Weg vor sich haben. «Wir werden nicht allen Grundeigentümern ein Angebot machen können», sagte Litscher. Sprich: Einsprachen, Streitfälle und Gerichtsverfahren werden sich kaum vermeiden lassen.

Bereits seit 2007 beschäftigt sich Walzenhausen mit der Revision der Ortsplanung. Nach einigen Rückschlägen änderte sich 2013 mit der Annahme des Raumplanungsgesetzes, das zu einem haushälterischen Umgang mit dem Boden verpflichtet, die Ausgangslage fundamental. Gemäss dem kantonalen Richtplan muss Walzenhausen seine Bauzonen um 4,4 Hektaren verringern. Darüber hinaus strebt die Gemeinde einen Puffer von ungefähr fünf Prozent oder 2200 Quadratmetern an, um «handlungsfähig zu bleiben», wie es Litscher ausdrückte. Keine der Ausserrhoder Gemeinden muss so viel auszonen wie Walzenhausen. Diese Herausforderung will der Gemeinderat nun zügig an die Hand nehmen. Litscher sagte:

«Wir wollen uns zeitnah aus dem Korsett Auszonung befreien.»

Gemeinderat will bauliche Entwicklung ermöglichen

Mit dem neuen Raumplanungsgesetz dürfen Bauzonen nur noch den voraussichtlichen Bedarf für 15 Jahre abdecken. Dieses Land muss zudem innerhalb dieses Zeitraums überbaut werden. Der überarbeitete Zonenplan zeigt, wo in Walzenhausen die Bauzonen konkret verkleinert werden sollen. Federn lassen müssen demnach die Ortsteile Lachen, Dorf und Platz gleichermassen. Der Gemeinderat strebt gleichzeitig aber auch eine bauliche Entwicklung an. In Lachen beispielsweise soll diese entlang der Hauptstrasse erfolgen, wo vier Mehrfamilienhäuser geplant sind. Darüber hinaus gibt es noch weitere Änderungen. So ist das Gebiet Almendsberg heute der Mischzone zugewiesen. Weil es dort kaum Gewerbe hat, werden die betroffenen Parzellen künftig in der Wohnzone liegen.

In ihren Ausführungen zeigten Alex Müller und Jonas Schuster vom Büro Strittmatter Partner AG auf, nach welchen Kriterien der Zonenplan erarbeitet wurde. Ausgezont wird demnach Bauland, das aufgrund der topografischen Lage zum Bebauen ungeeignet oder nicht verfügbar ist.

Vernehmlassung dauert bis zum 28. September

Gleich zu Beginn des Abends ging Michael Litscher auf ein Gerücht ein, das offenbar in der Gemeinde kursiert. Es treffe nicht zu, dass die BEG Bauland Erschliessungs AG Walzenhausen von Auszonungen verschont bleibe, sagte der Gemeindepräsident. Dieses Unternehmen besitzt im Zentrum bei der Holzkirche ein grösseres Grundstück. Gemäss Litscher muss die BEG nun rund 2200 Quadratmeter Bauland auszonen.

Während der Fragerunde kam es zu einem Eklat, nachdem Litscher einem Redner aufgrund der fortgeschrittenen Zeit das Wort abklemmte. In der Folge kam es für einige Minuten zu einem Wortgefecht und tumultartigen Szenen, bevor sich die Gemüter wieder beruhigten.

Planauflage soll im Früjahr 2021 erfolgen

Am kommenden Mittwoch startet die Vernehmlassung zum Zonenplan. Bis zum 28. September können zu diesem Planungsinstrument Stellungnahmen und Anregungen eingereicht werden. Danach wird der Gemeinderat den Zonenplan zuhanden der Regierung verabschieden. Im Frühjahr 2021 ist dann die Planauflage vorgesehen, bevor abschliessend noch allfällige Einsprachen bereinigt werden müssten. Zudem untersteht die Vorlage noch dem fakultativen Referendum.