WALZENHAUSEN: Ein Hotel im Dornröschenschlaf

Seit einem Jahr ist das zu den grössten Beherbergungsbetrieben der Region Ostschweiz gehörende Hotel Walzenhausen geschlossen. Die Zukunft des einst renommierten Hauses ist ungewiss.

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An Traumlage hoch über dem Bodensee wurde 1870 das Hotel Kurhaus Walzenhausen erbaut. Nach Kriegs- und Krisenjahren mit vielen Eigentümer- und Direktionswechseln erwarb 1952 Just-Gründer Ulrich Jüstrich mit seiner Neuen Kurhaus-Bad-Aktiengesellschaft das Hotel. Der Betrieb erlebte unter der Direktion des Ehepaars Arthur und Hélène Brunner-Savoy von 1980 bis 1997 eine eigentliche Blütezeit mit einer Auslastung von 90 Prozent und 30000 Logiernächten pro Jahr. Zu Beginn der 1980er- Jahre wurde dem Stammgebäude unter anderem ein grosszügiger Hotelneubau mit Arztpraxis, Therapieräumen, Hallenbad, Bar, neuer Rezeption und weiteren Einrichtungen angegliedert.

Das neue Krankenkassengesetz, die Abkehr vom konventionellen Kurbetrieb, das schwieriger gewordene Umfeld mit erstarkter Konkurrenz und hohem Franken führten zu stetig sinkenden Frequenzen. 2004 trennte sich die Just Schweiz AG vom mittlerweile in Hotel Walzenhausen umbenannten Betrieb. Heute gehört die Liegenschaft der von der indischstämmigen Familie Kumar kontrollierten Hotel Walzenhausen AG, die sich vor Jahresfrist für die Schliessung von Hotel und Restaurant entschied.

Logiernächte fehlen dem AR-Tourismus

Die geschlossenen Türen des einstigen Flaggschiffs des Appenzeller Tourismus werden nicht nur von der regionalen Bevölkerung, sondern auch von den Ausserrhoder Tourismusverantwortlichen bedauert. Geschäftsführer Urs Berger, Heiden: «In den letzten Jahren realisierte das Hotel Walzenhausen noch gegen 20000 Logiernächte jährlich. Die entsprechenden, aus Kurtaxen resultierenden Einnahmen fehlen der Appenzellerland Tourismus AR, und überdies hat die Schliessung des Grossbetriebs vor allem im Bereich der Gruppenreisen negative Konsequenzen.» Ein Haus von der Grösse des Hotels Walzenhausen ist eine ständige Herausforderung. Im Jahre 2007 investierte die heutige Eigentümerschaft rund drei Millionen Franken in die Erneuerung von Hotelzimmern und die Auffrischung des Restaurants. Sanierungen in diversen Bereichen wären auch jetzt wieder nötig, über die aber erst entschieden wird, wenn punkto Zukunft des Hauses Klarheit herrscht. «Wir sind keineswegs untätig, und auch die Eigentümerschaft ist an einer guten Zukunft des traditionsreichen Hauses interessiert. Die Abklärung verschiedenster Optionen wie die Weiterführung des Hotels mit neuer Ausrichtung, eine Zusammenarbeit mit Partnern oder ein allfälliger Verkauf sind allerdings zeitaufwendig. Mehr kann derzeit nicht gesagt werden, und wir möchten erst im Falle einer konkreten Lösung über das weitere Vorgehen informieren» , ist seitens des Verwaltungsrats zu vernehmen.

Peter Eggenberger

redaktion@appenzellerzeitung.ch