Walzenhausen: 6 + 1 + 1 Kandidaten

Am Mittwoch präsentierten sich die sechs offiziellen Gemeinderatskandidaten der IG Walzenhausen der Bevölkerung. Am Abend wurden zwei weitere Kandidaturen öffentlich: Rita Kellenberger-Bösch von der SVP und als Wilder Stefan Zwygart.

David Scarano
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Walzenhausen. Bis am Mittwochabend waren in Walzenhausen sechs Gemeinderatskandidaten für die sieben zu besetzenden Sitze bekannt: Thomas Baselgia, Peter Gut, Roger Rüesch, Marcel Stillhard, Urs Züst sowie Hansruedi Bänziger, der sich ebenfalls als Gemeindepräsident zur Verfügung stellt. Sie alle gingen aus einem Auswahlverfahren der Interessengemeinschaft Pro Walzenhausen hervor. Die sechs Männer stellten sich am Mittwochabend an einer gutbesuchten Orientierungsversammlung der Bevölkerung vor. Während des Abends sind eher überraschend zwei weitere Kandidaturen hinzugekommen. Von der SVP steigt Rita Kellenberger-Bösch ins Rennen. Ihren Namen hatte an der Versammlung Peter Hohl ins Spiel gebracht. Gegenüber der Appenzeller Zeitung hat die Landwirtin ihre Kandidatur gestern telefonisch bestätigt. «Ich will helfen, in der Gemeinde funktionierende Strukturen aufzubauen», sagte sie. An der Versammlung hatte sie wegen Proben gefehlt.

Rita Kellenberger hatte noch in den Tagen zuvor nicht vorgehabt, sich zur Wahl zu stellen. Die Auswahl der vorwiegend unternehmerisch tätigen Personen der IG hatte sie abgeschreckt. Doch als sie immer wieder auf eine mögliche Kandidatur von diversen Personen angesprochen wurde, überlegte sie es sich anders. Sie wird nun auch von der IG unterstützt. «Sie haben mir auch vorgeschlagen, meinen Namen auf ihre Liste zu nehmen. Doch ich kandidiere unabhängig», so Rita Kellenberger.

«Ja, ich will»

Wer auf die IG-Liste wollte, es aber nicht geschafft hat, ist Stefan Zwygart. Er war einer von insgesamt rund einem Dutzend Kandidaten, die sich von den ursprünglich 40 vorgeschlagenen Personen dem Auswahlverfahren gestellt hatten. Der Elektroingenieur hat sich im Anschluss an die Orientierungsversammlung dem Schreiber dieses Textes vorgestellt und gesagt: «Ich stelle mich ebenfalls zur Wahl.»

Zwygarts Kandidatur dürfte im Dorf mit grosser Überraschung aufgenommen werden. Mit ihm hatte niemand gerechnet, auch die IG Pro Walzenhausen nicht. Trotzdem rechnen sich Stefan Zwygart wie auch Rita Kellenberger, die in der nächsten Woche von der SVP nominiert werden dürfte, Chancen auf eine Wahl aus. Ob weitere Personen ins Rennen steigen, lässt sich nicht sagen. Wie Gemeindeschreiber Remo Ritter auf Anfrage erklärt, müssen sich Kandidierende nicht offiziell zum ersten Wahlgang anmelden. Nur wer auf den amtlichen Wahlzettel will, müsse dies mitteilen. Doch dafür ist es zu spät.

«Lachnummer»

An der Versammlung zeichnete Hans Schläpfer, Leiter der IG Pro Walzenhausen, vor der Kandidatenpräsentation den Weg auf, wie und warum es zu dieser Auswahl gekommen ist. Zunächst blickte er auf die wenig ruhmvolle jüngere Vergangenheit Walzenhausens zurück, bei der die Gemeinde nach den vielen Querelen und dem sukzessiven Rücktritt des Gesamtgemeinderats zur «Lachnummer» wurde.

In seinen Voten ging er zudem auf die im Vorfeld der Orientierung in einem Leserbrief geäusserten Fragen der Ortsparteien ein. Unter anderem wollten diese wissen, wieso es zu keiner Auswahl, sondern zu einer geschlossenen Liste gekommen sei. Hans Schläpfer sagte, man könne unterschiedlicher Meinung sein, aber die IG habe sich von Beginn weg für dieses Vorgehen entschieden und dies auch den Parteipräsidenten so mitgeteilt. Ziel sei es gewesen, eine Person für das Präsidium sowie sechs weitere Gemeinderatskandidaten zu finden. Eine wichtige Voraussetzung für die Nomination war die Teamfähigkeit. Die IG fand sieben Männer, doch ein Kandidat sprang kurzfristig ab. Mit diversen Frauen hat die IG gemäss Schläpfer Gespräche geführt, jedoch ohne Erfolg.

Noch keine Ressortverteilung

Die sechs Kandidaten sprachen an der Veranstaltung unter anderem über ihre Motivation. Mehrmals wurde gesagt, man wolle helfen, die Gemeinde wieder vorwärts zu bringen. Ein Thema war die Ressortverteilung. Man habe zwar darüber gesprochen, aber die Aufteilung erfolge erst nach der Wahl, sagten die IG-Vertreter. Die Bereitschaft, alle Ressorts zu übernehmen, war eine der Anforderung an die Kandidaten. Dies darum, damit sich der vollständige neue Gemeinderat nicht schon bei der Ressortverteilung in die Haare komme.

Um einen reibungslosen Übergang zu schaffen, ist laut Hans Schläpfer denkbar, dass die derzeit noch amtierenden Gemeinderäte ihre Nachfolger bereits kurz nach der Wahl am 3. April in die Ämter einführen. Offizieller Amtsantritt ist am 1. Juni.

Auch die Zukunft und die Rolle der IG kam zur Sprache. Hans Schläpfer sagte, die Interessengemeinschaft bleibe auch nach den Wahlen aktiv und werde die Entwicklung mit einem wachsamen Auge verfolgen. Er wies den Vorwurf zurück, die IG fungiere als Schattengemeinderat.