WALDSTATT: «Kunst darf anstrengend sein»

Im Rahmen der Veranstaltung «5ünfstern» öffnen Ateliers ihre Türen. Viele Künstler aus dem Appenzellerland sind mit dabei. Einer davon ist Hanspeter Marschner.

Elias Eggenberger
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Hanspeter Marschner hat ein Atelier in Waldstatt. (Bild: Elias Eggenberger)

Hanspeter Marschner hat ein Atelier in Waldstatt. (Bild: Elias Eggenberger)

Elias Eggenberger

elias.eggenberger@ appenzellerzeitung.ch

In der ganzen Ostschweiz können dieses Wochenende Künstlerateliers besichtigt werden. Auch das Appenzellerland hat an Kunst etwas zu bieten: Über 20 Kunstschaffende stellen ihre Arbeiten am Wochenende aus. In Heris­- au kann beispielsweise Verena ­Kürsteiner besucht werden, in Waldstatt Joa Gugger und Hanspeter Marschner. Der 73-jährige Marschner ist schon lange kreativ unterwegs. Früher arbeitete er als Textilentwerfer. «Das war damals eine Möglichkeit, meine Kreativität auszuleben», sagt er. Seit nunmehr 20 Jahren ist er hauptberuflich als Künstler tätig. Sein Fach ist vor allem die Malerei, aber auch an Skulpturen hat er sich schon versucht. Aufgewachsen ist Marschner in Waldstatt. Danach war er lange nicht mehr in der Ostschweiz. Doch es hat ihn zurückgezogen: «Ich stellte 2014 im Zeughaus Herisau aus, seither blieb ich in der Ostschweiz.» Sein Atelier eröffnete er in einem Industriegebäude in Arbon. «Dort hatte ich sehr viel Platz», sagt Marschner. Seit kurzem arbeitet er wieder auf engerem Raum in seinem Elternhaus in Waldstatt.

Über Kunst redet er sichtlich gerne, doch das Wort «Kunst» mag er nicht. «Ich habe Mühe mit diesem Begriff und bezeichne mich selber auch nicht gerne als Künstler.» Kunst sei schwer zu definieren, es sei ein weites Feld. Wichtig bei Kunstwerken sei, dass sie nicht nur gefallen. «Es muss mehr sein. Kunst kann irritieren, Kunst darf Witz enthalten, Kunst soll mehrschichtig sein.» Ein Bild müsse hintergründig sein. Der Betrachter sollte nicht mit einem Blick alles darin entdecken. Durch die moderne Schnelllebigkeit habe die Welt ein neues Kunstverständnis bekommen. Es gäbe keine klaren Kunstrichtungen mehr, wie es früher der Fall war. Die Entwicklung sei bekannt. «Bereits während der Industrialisierung hat sich eine völlig neue Kunstvielfalt entwickelt. Das ist noch extremer geworden», findet Marschner. Auch sein Stil habe sich verändert über all die Jahre. Anfangs sei er mehr auf Formen fixiert gewesen, nun male er freier. Seine eigenen Werke seien hauptsächlich Gedankenspiele. In seinen Bildern setzt er sich mit Kommunikation und Schrift auseinander. Ein Mittel ist seine Handschrift, die oft Einzug in seine Werke findet. «Es gibt nichts Persönlicheres als eine Handschrift, die begleitet mich schon beinahe mein ganzes Leben», sagt er. Auch philosophische Fragen thematisiert Marschner. Als Beispiel nennt er ein Bild, dass er nur mit Grautönen gemalt hat. «Alles ist bipolar, alles ist schwarz-weiss. Die Politik beispielsweise: links und rechts, schwarz und weiss. Mischt man das, erhält man Grau.» Es gelte, einen gesunden Mittelweg zu finden. Dass der Betrachter nicht dasselbe in einem Bild sieht wie er, ist ihm bewusst: «Kunst ist sehr individuell und wirkt auf jeden anders.» Inspiration findet er beispielsweise beim Spazieren, beim Zeitungslesen oder im Gespräch.

Nicht immer würden seine Bilder gelingen, die Zeit und das Umfeld müssten stimmen. «Auch für den Betrachter muss das Befinden und das Klima passend sein», sagt er.

Hinweis

Weitere Infos auf folgender Website: www.fuenfstern.com