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WALDSTATT: Auf dem Sprung in die Zukunft

Neue Technologien bewirken einen Umbruch in der Holzbearbeitungsbranche. Der Visionär und Macher Hermann Blumer ist massgeblich am automatisierten Aufschwung beteiligt.
Andy Lehmann
Hermann Blumer stellte diese Holzschraube bereits im Jahr 1990 maschinell her. (Bild: Andy Lehmann)

Hermann Blumer stellte diese Holzschraube bereits im Jahr 1990 maschinell her. (Bild: Andy Lehmann)

WALDSTATT. Es sind wohlproportionierte, aus Holz geformte Bauten wie der Säntispark, die Davoser Eishalle oder das Centre Pompidou in Metz, welche seine Handschrift tragen. Wenn es um grosse und spektakuläre Holzbauwerke geht, ist der Waldstätter Hermann Blumer in aller Munde. Er erkannte schon früh die Wichtigkeit von Computertechnologie und Automatisierungen in der Holzbearbeitungsbranche und setzte diese erfolgreich um.

Hermann Blumer ist in Waldstatt aufgewachsen und seit seiner Kindheit dem Werkstoff Holz verbunden. Er absolvierte zunächst eine Lehre als Zimmermann. Nach der Weiterbildung zum Bauingenieur an der ETH zog es ihn an die Universität in Karlsruhe. Dort war er zwei Jahre wissenschaftlicher Assistent am Holzbaulehrstuhl. Im Jahr 1971 wurde er Geschäftsleitungsmitglied im väterlichen Betrieb, der Blumer AG in Waldstatt. «Schon damals war ich von der Computertechnologie begeistert und nutzte deren Möglichkeiten», sagt Hermann Blumer. Er stellte sich vor, irgendwann nur noch den Knopf drücken zu müssen, und die Arbeit würde die Maschine von selbst erledigen. «Bis Anfang der 90er-Jahre war der Holzbau handwerklich geprägt. Grosse Werkhallen mit Krananlagen und Holzverarbeitungsmaschinen wie man sie heute kennt, gab es kaum», sagt der 73-Jährige.

Von handmade bis Robotertechnik

Die Holzbaubranche in den 70er-Jahren steuerte auf eine Krise zu. Immer weniger Schulabgänger wollten den Beruf der Zimmerleute erlernen. Im Häuserbau wurde zunehmend auf Stahl und Beton gesetzt. Blumer erkannte bald, dass die Holzbaubranche mit neuen technischen Möglichkeiten unterstützt werden muss, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Er entwickelte für seine Firma eine Abbundmaschine. Diese erlaubte es Holzbalken zuzuschneiden, was gegenüber der herkömmlichen Handarbeit erheblich Zeit einsparte und präziser war. In Zusammenarbeit mit der Krüsi AG in Schönengrund konzipierte Hermann Blumer CNC-Systeme. Mit diesen Systemen werden Werkzeugmaschinen digital angesteuert. Sie sind in der Lage komplexe Formen schnell und in hoher Präzision anzufertigen. Die Maschinen sind gegenüber mechanisch gesteuerten Anlagen klar im Vorteil. Das erste Grossprojekt, welches mit maschinell gefertigten Teilen erstellt wurde, war der Abtwiler Säntispark.

«Die Holzbaubranche ist auf dem Sprung in die Automatisierung und nutzt zunehmend die digitalen Möglichkeiten», sagt Blumer und zieht einen Vergleich zur Druckbranche, als vom Bleisatz zum Offsetdruckverfahren umgestellt wurde. Heute sind Holzbaubetriebe auf die Unterstützung von Maschinen und Robotern angewiesen, um auf dem Markt bestehen zu können. Dass sich die zunehmende Automatisierung negativ auf die Arbeitsplätze auswirkt, glaubt Blumer nicht. «Handwerkliches Geschick ist nach wie vor wichtig. Man sagt, dass alles, was die Maschine fertigt, auch von Hand gehen muss. Handwerk und Robotertechnik sollen künftig nahtlos ineinander übergehen.» Das traditionelle Handwerk werde aber trotz digitale Zeitalters nicht verschwinden. «Die Handwerker werden sich auf bestimmte Arbeiten und Produkte spezialisieren. Sie unterstützen mit ihren Fertigkeiten auch andere Betriebe», ist Hermann Blumer überzeugt. Für den angehenden Zimmermann entstehe mit der Digitalisierung ein neues und faszinierendes Zukunftsbild.

Vom Appenzellerland hinaus in die Welt

Im Appenzellerland sei die Holzbauweise weniger verbreitet als im Vorarlberg. «Es sollte ein Gesetz im Appenzellerland geben, welches festlegt, dass alles was einen Meter über dem Boden ist, mit Holz gebaut werden muss», sagt Blumer und lacht.

Derzeit herrscht Aufbruchstimmung in der Holzindustrie. Die Verwendung von Holz steigt beim Häuserbau stetig an. «Besonders in Städten werden wieder vermehrt sechs- bis achtgeschossige Mehrfamilienhäuser gebaut», sagt Blumer. Er ist selber noch aktiv in die Planung von speziellen Holzbauten involviert. Zusammen mit Heinz Jucker leitet er die Firma Création Holz. Ziel der Firma ist es den Holzbau ganzheitlich weiterzubringen. «Heute sind wir vor allem Anlaufstelle für spezielle Holzbauprojekte weltweit. Gebäude wie der Swatch Firmensitz in Biel, das Besucherzentrum im japanischen Fuji oder das grosse Medienzentrum für die Ski-WM sind in Arbeit.»

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