Waldhang statt Schulzimmer

Ein- bis zweimal im Jahr leisten die Schülerinnen und Schüler der drei Berufsfindungsklassen des Johanneums Arbeitseinsätze im Wald. Diese Woche halfen sie beim Aufräumen und Freilegen des Vitaparcours in Nesslau mit.

Jesko Calderara
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NESSLAU. Für einmal aus ihrer gewohnten Umgebung des Schulzimmers ausgebrochen sind einige Schülerinnen und Schüler der Berufsfindungsklassen des Johanneums. Am Dienstag und Donnerstag arbeiteten sie stattdessen im Wald. Zusammen mit dem Nesslauer Revierförster Thomas Abderhalden und dessen Mitarbeiter halfen die 16- bis 18jährigen Jugendlichen mit, den Wald beim Vitaparcours Nesslau nach einem Holzschlag aufzuräumen. «Wir leisten je nach Bedarf ungefähr ein bis zwei solcher Einsätze pro Jahr», sagt Klassenlehrer Theo Mathis. Für die betroffenen Schüler sei dies eine ungewohnte Arbeit. Jedoch kämen sie dadurch in Kontakt zur Praxis, so Mathis. «Zudem erleben wir dabei gleichzeitig die Natur.» Solche gemeinnützige Arbeiten erachte er als eine sinnvolle Sache und keineswegs als Zeitverschwendung, betont Mathis.

Waldboden aufräumen

An den beiden Tagen arbeiteten die Klassen des Johanneums unter Anleitung der einheimischen Förster. Diese haben beim Vitaparcours, der in der Gegend Luteren verläuft, letzten Winter eine grössere Menge Holz geschlagen und anschliessend mit einer extra dafür installierten Seilbahn abtransportiert. Doch damit war es nicht getan. Nun galt es noch den Waldboden von den herumliegenden Ästen zu befreien und den Weg wieder freizulegen. Dies seien wichtige Aufgaben, sagt der Klassenlehrer. «Zum einen ist nun der Vitaparcours wieder begehbar und anderseits kann dadurch neues Leben entstehen.» Ansonsten würden die Brombeeren zu stark wuchern. Junge Bäume und andere Pflanzen dagegen hätten weniger Chancen, zu wachsen.

Den Wald pflegen bedeutet jedoch nicht, den Waldboden ganz vom herumliegenden Holz zu befreien. Zu grosse Ordnungsliebe schadet der Artenvielfalt. Alte oder abgestorbene Bäume sowie Asthaufen gehören zum biologischen Kreislauf und stellen wichtige Lebensräume und Nahrungsgrundlagen für Vögel, Insekten und Pilze dar. Beispielsweise ist ein Viertel der Käferarten auf totes oder faulendes Holz angewiesen. «Ein Haufen mit Ästen ist demnach ein Biotop für Kleintiere», sagt Theo Mathis. Solche Beobachtungen faszinierten seine Schüler.

Eine Lehrstelle als Ziel

Das Johanneum führt zurzeit drei Berufsfindungsklassen. Diese werden von 16- bis 18jährigen Jugendlichen mit einer leichten geistigen Behinderung besucht, welche die obligatorische Schulzeit vollendet haben, aber in der Berufswahl unsicher sind oder noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Der Lehrgang dauert ein bis zwei Jahre und ebnet ihnen den Weg zum späteren EBA (Eidgenössisches Berufsattest) – oder zur PrA-(Praktikerausbildung nach Insos)Berufslehre ausserhalb oder innerhalb des Johanneums. « Mehr als die Hälfte der aktuellen Absolventen haben für diesen Sommer bereits eine Lehrstelle gefunden», sagt Theo Mathis. Trotzdem hätten alle bei den Waldarbeiten motiviert mitgearbeitet. Wer noch auf der Suche nach einer Lösung sei, falle aber nicht einfach zwischen Stuhl und Bank, fügt er hinzu. «Sie bleiben einfach noch ein Jahr bei uns.» Die Ziele der Berufswahlklasse sind die Entwicklung von Arbeits-, Fach- und Sozialkompetenzen, berufliche Abklärungen sowie der Abschluss eines Ausbildungsvertrags.

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