Wald legte 2019 am stark an Steuerkraft zu, Bühler verliert kräftig ++ Teufen bleibt Spitzenreiter

Ein Vergleich der Steuerkraft aller Ausserrhoder Gemeinden zeigt einen klaren Sieger: Teufen. Zu den Gewinnern gehören auch Wald und Reute.

Jesko Calderara
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Die Gemeinde Wald profitierte 2019 vom Wegfall eines Sonderffekts.

Die Gemeinde Wald profitierte 2019 vom Wegfall eines Sonderffekts.

Bild: APZ

In den vergangenen Tagen haben der Kanton Appenzell Ausserrhoden und erste Gemeinden die Jahresrechnung 2019 präsentiert. Die Tendenz: Besserabschlüsse und sprudelnde Steuereinnahmen. Insgesamt ist die Steuerkraft um 2,2 Prozent gestiegen, wie eine Analyse der neusten Zahlen zeigt. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Steuereinnahmen eine Gemeinde insgesamt pro Einwohner und Einheit generiert. Dadurch lässt sich ein Vergleich innerhalb des Kantons anstellen. Die Pro-Kopf-Steuerkraft gibt Aufschluss über die Finanzkraft der Bürger.

Thomas Stahr, Gemeinderat Wald.

Thomas Stahr, Gemeinderat Wald.

Den grössten Zuwachs in diesem Bereich verzeichnete letztes Jahr nicht etwa das finanzstarke Teufen, sondern Wald. Die Vorderländer Gemeinde darf sich über ein Plus von annähernd 18 Prozent freuen. Auf den ersten Blick könnte man vermögende Neuzuzüger als Ursache dafür vermuten. Gemäss Gemeinderat Thomas Stahr ist das Wachstum jedoch auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Demnach konnten 2018 mehrere gute Steuerzahler hohe Abzüge tätigen, wodurch sich ihre Steuerbelastung reduzierte. Der Wegfall dieses Einmaleffekts habe im vergangenen Jahr zu einem starken Anstieg der Steuerkraft geführt, sagt Stahr. Er bezeichnet die Entwicklung bei den Steuererträgen abgesehen davon als «zufriedenstellend».

Rückgang wegen Steuersenkung

An Steuerkraft zugelegt haben 2019 auch Reute (+11 %); Rehetobel (+8,4%); Herisau (+7,8 %); Trogen (+6,2 %); Gais (+5,5 %); Wolfhalden (+5,4%); Stein (+2,6%); Waldstatt (+2,3%); Heiden (+1,4%); Urnäsch (+0,7%) und Teufen (+0,2 %).

Das Schlusslicht in dieser Tabelle bildet Bühler. Die Mittelländer Gemeinde verlor 2019 über elf Prozent an Steuerkraft. Gemeindepräsident Jürg Engler kann sich diese Entwicklung noch nicht erklären. Man werde die Finanzzahlen nun vertieft anschauen, sagt er.

Michael Litscher, Gemeindepräsident Walzenhausen.

Michael Litscher, Gemeindepräsident Walzenhausen.

Etwas weniger stark als in Bühler war der Rückgang in Walzenhausen. Die Vorderländer Gemeinde ist finanzstark, deshalb erfolgte das Minus von einem höheren Niveau aus. Der Einbruch bei der Steuerkraft beträgt knapp zehn Prozent. Gemeindepräsident Michael Litscher nennt zwei Gründe dafür. Einerseits konnten 2018 Mehreinnahmen bei den Steuern der natürlichen und juristischen Personen von rund einer Million Franken aus Vorjahren eingenommen werden. Andererseits hatte die Steuersenkung bei den natürlichen Personen um 0,2 auf 3,4 Einheiten per 1. Januar des letzten Jahres Mindereinnahmen von 300000 Franken zur Folge.

Auf der Verliererseite stehen noch weitere Gemeinden, darunter beispielsweise das steuergünstige Speicher (-4,7%) und Lutzenberg (-7,8%).  Der grosse Teil der Lutzenberger Einwohnerinnen und Einwohner sind natürliche Personen. In diesem Segment gebe es bei den Steuern von Jahr zu Jahr Schwankungen, sagt Gemeindepräsident Werner Meier. Als Beispiel nennt er eine Veränderungen bei der Wirtschaftslage. Bei 1300 Steuerpflichtigen wie in Lutzenberg ist dies gemäss Meier in gewissen Situationen deutlich spürbar – nach oben und nach unten.

Einen Rückgang bei der Steuerkraft mussten zudem Schönengrund (-2,5%); Hundwil (-2,4 %); Schwellbrunn (- 0,9 %) und Grub (- 0,3%) hinnehmen.

Finanzschwaches Appenzeller Hinterland

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn die Pro-Kopf-Steuerkraft verglichen wird. Die Unterschiede sind frappant, da die einkommensstarken und vermögenden Personen wie auch die Standorte der Unternehmen ungleichmässig über das Kantonsgebiet verteilt sind. Total haben die Gemeinden 2019 annähernd 168 Millionen Franken an Steuern eingenommen. Die Spannbreite der Steuerkraft pro Einwohner und Einheit reicht von 1671,30 Franken (Teufen) bis 483,25 Franken (Hundwil). Das kantonale Mittel liegt bei 915.30 Franken. Nicht weniger als 16 Gemeinden liegen darunter, so etwa Heiden. In der Vorderländer Gemeinde beläuft sich das Steueraufkommen pro Einwohner und Einheit auf 881.80 Franken. Dahinter folgen Herisau (863.75); Wolfhalden (837.65); Rehetobel (826.35); Lutzenberg (805.35); Stein (793,45); Waldstatt (781); Reute (775.85); Trogen (772.90); Grub (654.55); Wald (650.10) und Bühler (638.95).

Auffallend: Gute Steuerzahler fehlen vor allem im Appenzeller Hinterland. Am wenigsten gibt es solche in Hundwil, Urnäsch (549.45 Franken); Schönengrund (591.40) und Schwellbrunn (594.05). All diese Gemeinden beziehen aufgrund ihrer mangelnder Steuerkraft Gelder aus dem Finanzausgleich.

Vier Gemeinden mit hoher Steuerkraft

Überdurchschnittlich hoch ist die Steuerkraft nebst in Teufen, in Speicher (956.25 Franken); Walzenhausen (937.05) und Gais (929.40). Sie gehören deshalb zu den Gebergemeinden des kantonalen Finanzausgleichs.