Wald dient nicht nur der Erholung

Wälder haben einen vielfältigen Nutzen. Dies zeigt der neue kantonale Waldplan, der nächste Woche zweimal öffentlich vorgestellt wird. Der Plan soll fortan als eine Art Wegweiser für die künftige Waldentwicklung dienen.

Roger Fuchs
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AUSSERRHODEN. Es ist die Horrorvorstellung eines jeden am Fusse eines Berges wohnenden Liegenschaftsbesitzers: Gestein setzt sich in Bewegung und rollt auf das Tal zu. Wälder können in einer solchen Situation Schlimmes verhindern.

Ein neuer, vom kantonalen Waldgesetz vorgeschriebener Waldplan zeigt die öffentlichen Interessen am Wald auf und wo welcher Wald welche Funktion übernimmt. Wie Forstingenieur Beat Fritsche vom Ausserrhoder Oberforstamt erläutert, erbringt ein Wald immer mehrere Leistungen; er ist multifunktional. Je nach Lage könne ihm aber auch eine Vorrangfunktion zuteil werden. So gäbe es beispielsweise Wälder, deren wichtigste Funktion der Schutz vor Naturgefahren sei. Zu dieser Kategorie gehöre beispielsweise der Fluewald oberhalb der Schwägalpstrasse in Urnäsch. Einige Waldflächen hätten prioritär eine grosse Bedeutung für die Biodiversität, andere wiederum für die Erholung.

Vor allem Schutzwald

Je nachdem, welche Vorrangfunktion einem Wald zukommt, ist dieser auf der Karte des neuen kantonalen Waldplans andersfarbig eingefärbt. Auffallend ist, dass nahezu die Hälfte (47%) der gesamten Ausserrhoder Waldfläche vorab als Schutzwald dient und die Menschen und Infrastrukturen vor Murgängen, Steinschlag, Überflutungen, Lawinen oder Schneegleiten schützen soll. Wälder, deren Vorrangfunktion die «Biologische Vielfalt» ist und die auch teils seltene Arten und Lebensräume aufweisen, machen 19% aus.

4% der Wälder dienen primär der Erholung, die restlichen 30% der Waldfläche sind ohne besondere Vorrangfunktion. «In allen Wäldern ein Thema und deshalb in der Karte nicht speziell ausgeschieden, ist die Holznutzung», sagt Beat Fritsche.

Erarbeitet hat den neuen Waldplan das Oberforstamt unter Mitwirkung eines Ingenieurbüros und einer zwanzigköpfigen Begleitgruppe. Der Plan soll gemäss Fritsche vor allem dem Forstdienst bei der Beratung der Waldeigentümer und Behörden dienen. Auch könne dieser Plan zur Hand genommen werden, wenn es um Beitragszahlungen von Bund und Kanton gehe, zeige dieser doch die öffentlichen Interessen am Wald auf. «Der kantonale Waldplan ist ein Wegweiser für die künftige Waldentwicklung», so Beat Fritsche. Für die Behörden ist er als Planungsinstrument verbindlich.

Eine zweite Karte

Eine zweite Karte, über die bereits in dieser Zeitung berichtet wurde und die kurz vor dem Abschluss steht, ist die Waldstandortskarte. Diese zeigt gemäss Beat Fritsche im Unterschied zum kantonalen Waldplan die natürliche Baumartenzusammensetzung auf und ist explizit für Fachleute wie Förster gedacht. In der Waldstandortskarte wird zwischen siebzig sogenannten Waldgesellschaften unterschieden. Seit vier Jahren haben dazu mehrere Botaniker sämtliche Wälder in Appenzell Ausserrhoden kartiert.

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