Wald – das zürcherische Manchester

Das Gebiet der Zürcher Gemeinde Wald ist wahrscheinlich seit dem 11. oder 12. Jahrhundert besiedelt. 1621 erhielt Wald das Recht, einen Frühlings- und einen Herbstmarkt abzuhalten. Das führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Märkte finden heute noch statt.

Martin Knoepfel
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Farbrikanlage in der an der Grenze zum Kanton St. Gallen gelegenen Aussenwacht Laupen. (Bild: Wiget Foto, Wald)

Farbrikanlage in der an der Grenze zum Kanton St. Gallen gelegenen Aussenwacht Laupen. (Bild: Wiget Foto, Wald)

Das Gebiet der Zürcher Gemeinde Wald ist wahrscheinlich seit dem 11. oder 12. Jahrhundert besiedelt. 1621 erhielt Wald das Recht, einen Frühlings- und einen Herbstmarkt abzuhalten. Das führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Märkte finden heute noch statt.

Wie andernorts im Zürcher Oberland breitete sich in Wald die Textilindustrie in Form von Heimarbeit früh aus. Die Heimarbeiter – meist Baumwollspinner – konnten sich aber gegen die im 19. Jahrhundert entstehenden mechanischen Spinnereien nicht behaupten und mussten sich aufs Weben verlegen. Das kann man dem Historischen Lexikon der Schweiz entnehmen. Später wurde auch die Handweberei durch mechanische Webereien verdrängt.

Bäche als Standortvorteil

Von 1830 bis 1868 nahmen die Industriearbeiter in Wald von 170 auf rund 1500 Personen zu. Wasserreiche Bäche begünstigten den Bau von Fabriken. 1822 entstand in Wald die erste mechanische Spinnerei. 1846 folgte die erste mechanische Weberei. 1873 entstand die Fabrik Bleiche, die damals grösste Weberei der Schweiz. Wald hiess denn auch das «Manchester des Kantons Zürich», nach der Textilmetropole in Mittelengland. Mehr als ein Dutzend Fabriken prägen bis heute im Dorf Wald und in den Aussendörfern das Ortsbild. Stattliche Villen zeugen vom Wohlstand der Fabrikanten. Unübersehbar sind die teils turmartigen Kosthäuser für Textilarbeiter, die sozial denkende Arbeitgeber erbauen liessen. Einige Fabrikanten gründeten zudem soziale Einrichtungen, etwa Betriebskrankenkassen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrumpfte die Schweizer Textilindustrie stark. Wald blieb nicht verschont. 2011 schloss die letzte Weberei. Heu-te gibt es noch zwei Betriebe der Textilindustrie in der Gemeinde. Ein Teil der alten Fabriken wurde renoviert und umgenutzt, als Gewerbegebäude oder Lofts. Andere wirken unansehnlich.

In einigen Jahren eine Stadt

Heute zählt Wald über 2400 Weg- und gut 1000 Zupendler. Wo die Wegpendler arbeiten, ist nicht erfasst. Winterthur, Rapperswil und Zürich liegen für Autofahrer und Nutzer des öffentlichen Verkehrs in der Pendlerdistanz. Die Zupendler arbeiten teils im Gesundheitswesen, aber auch im Industrie- und Dienstleistungssektor.

Stärkste Partei in Wald ist die SVP mit einem Wähleranteil von je rund 38 Prozent bei den Kantons- und den Nationalratswahlen von 2015. Im Gemeinderat sitzen drei Vertreter der SVP, unter ihnen der Gemeindepräsident, zwei Freisinnige und ein Grüner. Ein Sitz ist vakant.

Wald hat zwar hohe Soziallasten, was aber laut Vize-Gemeindeschreiber Johannes Haller höchstens indirekt mit dem Niedergang der Textilindustrie zu tun hat. Mit dem Steuerfuss von 120 Prozent (ohne Kirchen) ist Wald nicht steuergünstig.

Wald (Kirchberg SG) ist ein Weiler. Wenn sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt, dürfte Wald ZH die Marke von 10 000 Einwohnern in einigen Jahren übertreffen. Gemeindefusionen unter Einbezug Walds sind keine geplant. Das war von Johannes Haller zu erfahren. Direkte Beziehungen der Gemeinde zum Toggenburg gebe es nicht, aber dieses sei für Walder ein beliebtes Ausflugsziel.

Neubauten nehmen die Architektursprache der alten Kosthäuser auf. (Bild: Martin Knoepfel)

Neubauten nehmen die Architektursprache der alten Kosthäuser auf. (Bild: Martin Knoepfel)

Ein Ausschnitt des Bleiche-Areals in Wald. (Bild: Martin Knoepfel)

Ein Ausschnitt des Bleiche-Areals in Wald. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Höhenklinik auf dem Faltigberg bei Wald. (Bild: Wiget Foto, Wald)

Die Höhenklinik auf dem Faltigberg bei Wald. (Bild: Wiget Foto, Wald)

Ortseingangstafel an der Bachtelstrasse. (Bild: Martin Knoepfel)

Ortseingangstafel an der Bachtelstrasse. (Bild: Martin Knoepfel)

Bild: Martin Knoepfel

Bild: Martin Knoepfel