Kommentar

Wahlkampf um Gemeindepräsidium Herisau: Ein Warnschuss für Renzo Andreani

Die Kandidatur eines Verwaltungsangestellten der Gemeinde Herisau für das Gemeindepräsidium kommt aus heiterem Himmel. Auch wenn der neue Kandidat chancenlos sein dürfte, für den amtierenden Renzo Andreani ist der Angriff durchaus ein kleiner Denkzettel. 

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Roger Fuchs. Bild: PD

Roger Fuchs. Bild: PD

So begrüssenswert ein lebendiger Wahlkampf ist, so chancenlos dürfte der Herisauer Quereinsteiger Kurt Geser (parteilos) sein. Auf Umwegen wurde am Donnerstag bekannt, dass er in einem Sololauf den seit 2013 amtierenden Gemeindepräsidenten Renzo Andreani (SVP) aus dem Amt drängen möchte. Am 11. Februar hat der Rechtsagent seine Kandidatur auf der Gemeindekanzlei eingereicht. Das ist sein gutes Recht. Doch Geser verfügt über keinerlei politische Erfahrung und strebt direkt an die Spitze. Dass ihm bislang jede Unterstützung fehlt, weckt Zweifel. Und wer sich als Gemeindepräsident zur Verfügung stellt, sollte dies offen und offensiv kommunizieren. Umso mehr, als dieser Kandidat ein Unbekannter ist. In einem solchen Fall muss er auch benennen können, was er an der aktuellen Führung kritisiert. Sich beim ersten medialen Kontakt hinter Floskeln zu verstecken und zu Protokoll zu geben, dass man in die Zukunft schauen wolle, ist nicht nachvollziehbar. Denn Stimmbürger wollen in der Regel nicht die «Katze im Sack» kaufen, sondern Beweggründe und Absichten von ernsthaft Kandidierenden kennen.

Ein kleiner Denkzettel dürfte dieser Angriff für den Gemeinderat mit Präsident Renzo Andreani aber alleweil sein. Mit Blick auf die jüngsten zwei Abstimmungen (30 Minuten Gratisparkieren und Parkierungsreglement) muss sich dieser fragen, wie nahe er bei den Bürgerinnen und Bürgern ist. Gleichzeitig wäre eine Abwahl Andreanis aber eine Überraschung. Mit dem Ja zum Migros-Neubau oder dem im zweiten Anlauf doch noch vom Bund priorisierten Bahnhofsprojekt kann Herisau auch zukunftsgerichtete Vorhaben ausweisen. Langfädigkeit bei politischen Prozessen ist kaum allein dem Gemeinderat geschuldet.

Vier Wochen dauert es noch bis zum 17. März. Kandidierende können sich bis zum Wahlsonntag in Stellung bringen. Aber bitte nicht durch die Hintertür.