WAHLEN
Jakob Egli will Gemeindepräsident von Wald werden: «Wenn meine Gegner sich nicht ärgern, habe ich nicht ordentlich gespielt»

In Wald finden am 11. April die Wahlen für das Gemeindepräsidium statt. Neben GPK-Mitglied Marlis Hörler Böhi stellt sich auch Jakob Egli als Kandidat zur Verfügung. Grosse Chancen auf den Sieg rechnet er sich aber nicht aus. Er nutzt die Wahl lieber zur Abrechnung.

Astrid Zysset
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Jakob Egli ist leidenschaftlicher Schachspieler. Zur Politik sieht er viele Parallelen.

Jakob Egli ist leidenschaftlicher Schachspieler. Zur Politik sieht er viele Parallelen.

Bild: Astrid Zysset

Auf die Frage hin, warum er sich den Kampf ums Gemeindepräsidium nochmals «antun» will, beginnt Jakob Egli zu lächeln. «Das werde ich oft gefragt.» Aber von «antun» könne keine Rede sein. «Ich mache es aus Lust und Freude – genauso wie Jassen, Fussball oder Schach spielen.» Egli war 14 Jahre lang Gemeindepräsident von Wald. Seine Amtszeit endete 2015, als er gegen seine Herausforderin Edith Beeler unterlag. Jene wurde von der Opposition portiert. Das Dorf war damals aufgrund der Frage der Zentrumsgestaltung gespalten. Vergangenes Jahr dann Eglis überraschendes Comeback: Er wurde zum Gemeinderat gewählt. Ein knappes halbes Jahr später reichte wiederum Beeler ihren Rücktritt ein. Als Begründung gab sie unter anderem an, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat schwierig geworden sei.

In diese verworrene Situation möchte Egli nun zurück, obwohl er, wie er offen zugibt, eher geringe Chancen sieht, dass es mit der Wiederwahl klappen könnte. «Mir ist bewusst, das Marlis Hörler Böhi als Favoritin gilt.» Kampflos ihr das Feld überlassen, will der 73-Jährige jedoch nicht. Die «knuddelige Nähe zur GPK», welche Hörli Böhi seiner Ansicht nach in das Amt bringen würde, erachtet Egli als «demokratisch bedenklich». Denn der GPK schreibt er ein Totalversagen zu. «Sie müsste sich politisch zurückhalten und eine Schiedsrichterfunktion inne haben. Aber davon ist sie in Wald weit entfernt.»

Unsachgemässes Vorgehen innerhalb des Gemeinderates

Egli spricht unverblümt von Mauscheleien, welche sich innerhalb des Gemeinderates zutragen würden. So hätten beispielsweise 2017 bei der Abstimmung über den AVA-Anschluss bereits alle Fakten vorgelegen, die einen massiven Anstieg der Abwassergebühren begründen. Doch kommuniziert hätte man damals das Gegenteil. Beeler wurde mit diesen Vorwürfen konfrontiert, hat sich aber bis Redaktionsschluss nicht dazu geäussert. Und Egli lässt noch mehr vom Stapel: Die zeitaufwendige Technische Kommission, welcher der 73-Jährige vorsteht, sei ihm aufs Auge gedrückt worden. Eine verordnungskonforme Schlegelwahl habe es nie gegeben. Und der Ärger um die angeblich unkorrekt erteilte Bewilligung für eine 24-Stunden-Party als 1.-August-Feier? Der sei bis heute nicht aufgearbeitet worden. «Aber die GPK interessiert das alles nicht.»

Hat er sich wegen all dieser strittigen Punkte mit Beeler überworfen? «Nein, wir hatten keinen Streit», winkt Egli ab. Nie hätten sie unterschiedliche Auffassungen in Sachfragen vertreten. Allerdings habe er unermüdlich auf die strikte Einhaltung der Reglemente und Verordnungen gepocht. «Dass sie mir die Mitschuld an ihrem Rücktritt gibt, habe ich schliesslich der Zeitung entnommen.»

Sucht die politischen Auseinandersetzungen

Egli ist stolz auf seine Vergangenheit in der Kommunalpolitik. In seiner Zeit als Gemeindepräsident konnte der Steuerfuss von 4,9 auf 4,2 Punkte gesenkt und die Verschuldung in ein Eigenkapital umgewandelt werden. In all diesen Jahren hat sich Egli aber auch einen streitbaren Ruf erarbeitet. Für ihn sind Auseinandersetzungen Teil der politischen Arbeit. «Das ist wie im Fussball: Wenn mein Gegner sich über mich anfängt zu ärgern, habe ich wohl nicht schlecht gespielt.» Er finde es spannend, wenn er angegriffen werde. Besonders von einem Gegner, der «Pfupf, Leben wie auch Format besitzt». Genüsslich verfolgt Egli deshalb die Anschuldigungen gegen ihn in Leserbriefen und innerhalb des Gemeinderates. Zumindest, solange sie nicht aus den eigenen Reihen kommen. Gibt es Kritik von Personen, die ihm eigentlich nahe stehen, lässt dies Egli nicht kalt. Ganz im Gegenteil: Dann ist die Kampfeslust in dem 73-Jährigen plötzlich verschwunden.

Dass Egli auch eine sanftere Seite hat, wird ersichtlich, wenn er über seine Familie spricht. Neben seiner Frau zählen zu dieser drei Kinder und neun Enkel. Der Wäldler erachtet es als Privileg, dass sich alle so nahe stehen. Das geniesse er sehr. Stolz zückt er eine Flasche vom «Räbagässler Fründawy». Ein Blauburgunder, der aus dem familieneigenen Rebberg in Balgach stammt.

Die soziale Seite früh entdeckt

Jakob Egli ist eigentlich gelernter Primarschullehrer. Gewöhnlicher Frontalunterricht mit vielen Schülern war ihm aber von Anfang an zuwider. Darum übernahm er im Toggenburg eine Gesamtschule mit acht unterschiedlichen Jahrgängen. Später studierte er Psychologie und Sozialpädagogik – allerdings ohne offiziellen Abschluss, da Egli als Alt-68er auf Bescheinigungen keinen Wert legte – und engagierte sich für Menschen mit Beeinträchtigungen. Er leitete mehrere Heime wie auch Sonderschulen und baute die schweizerische Fachstelle «Lebensräume für Menschen mit geistiger Behinderung» auf. Noch heute ist ihm dies eine Herzensangelegenheit. In seinem Wohnhaus im Unterdorf in Wald ist eine Wohngemeinschaft des Vereins Chupferhammer untergebracht, welchem Egli jahrelang vorstand.

Die politischen Herausforderungen

Doch zurück zu Politik: Egli will auf Missstände, die in seinen Augen in der Wäldler Kommunalpolitik herrschen, aufmerksam machen. Dafür nutzt er seine Kandidatur. Der Wunsch, dass es mit der Wiederwahl klappt, ist aber trotzdem da. Seine Pläne für die Zukunft Walds sind klar umrissen: Mittels einer günstigen Fremdfinanzierung soll sich die Zahlung der Abwassergebühren während der nächsten 40 Jahre im Rahmen halten, eine Strategie für die Zukunft des Altersheims Obergaden gelte es umgehend zu entwickeln, und die Kommunikation des Gemeinderates will Egli nach innen und aussen nachhaltig verbessern. Und wie sieht es mit dem Dorfzentrum aus? «Dort sind jetzt Private am Drücker. Der Gemeinderat kann hier im Moment nichts tun.» Das Baugesuch sei eingegangen, die Vorprüfung am Laufen.

Sollte es mit der Wiederwahl nicht klappen, will sich Egli als fairer Verlierer zeigen und als Erster Marlis Hörler Böhi gratulieren. Er seinerseits wäre dann wiederum frei zu entscheiden, wie er seine politischen Interessen weiter vertreten will.