Wärmeverbund wird realisiert

WATTWIL. Die Thurwerke AG hat grünes Licht für den Wärmeverbund Wattwil gegeben, jedoch wird der Bereich Stromproduktion weggelassen. Ab Oktober 2016 sollen mehrere Gebäude mit Wärme und heissem Wasser versorgt werden.

Sabine Schmid
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Thomas Grob Verwaltungsratspräsident Thurwerke AG (Bild: tt)

Thomas Grob Verwaltungsratspräsident Thurwerke AG (Bild: tt)

In letzter Minute musste die Thurwerke AG das Projekt Wärmeverbund Wattwil ändern. «Anfang April haben wir erfahren, dass der Bund und die Kantone die Fördergelder für die Stromproduktion neu berechnen, so dass die möglichen Beiträge an den Wärmeverbund Wattwil merklich sinken würden und dieser Bereich nicht mehr wirtschaftlich wäre», erklärte Thomas Grob, Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG, am Dienstag vor den Medien. Dennoch halten die Thurwerke an ihrer Idee eines Wärmeverbundes in Wattwil fest, jedoch ohne die Stromproduktion. Thomas Grob bedauert dies, denn aus energiepolitischer Sicht wäre die gleichzeitige Nutzung des Holzes für Wärme und Strom sinnvoll. Eine spätere Nachrüstung sei nicht möglich, da nun ein anderer Prozess angewandt werde.

Wärme steht im Vordergrund

Im Vordergrund steht für die Thurwerke AG, die gemeinsam mit der Gemeinde Wattwil die Trägerschaft des Wärmeverbundes Wattwil bildet, aber die Wärmeproduktion. «Wir wollen unseren Kunden zuverlässig und langfristig Wärme zu konkurrenzfähigen Preisen liefern», betont Thomas Grob. Dass das Projekt nun um den Bereich Stromproduktion redimensioniert wurde, habe auf den Abnehmer der Wärme keinen Einfluss. Jedoch wird das Investitionsvolumen um rund vier Millionen Franken kleiner und der Holzbedarf für den Betrieb geringer. Produziert wird die Wärme in einer Heizzentrale, die auf dem Gelände der Schönenberger Recycling Toggenburg AG im Flooz gebaut wird. Von dort gelangt aufgeheiztes Wasser über ein Leitungsnetz innerhalb des bestimmten Versorgungsgebietes zu den angeschlossenen Liegenschaften und sorgt dort für Heizwärme und Warmwasser in Wohnungen, Büro- und Geschäftsräumen.

Bauarbeiten starten in Kürze

Einen Tag als offiziellen Baubeginn kann Thomas Grob nicht benennen. Bereits in Kürze aber beginne man damit, das rund 6,3 Kilometer lange Leitungsnetz zu realisieren. Dabei nutze man nach Möglichkeiten Synergien, beispielsweise werden die Leitungen während der laufenden Bauarbeiten in der Wilerstrasse verlegt. Das Ziel ist für Thomas Grob aber klar: Der Wärmeverbund soll im Oktober 2016 seinen Betrieb aufnehmen. Er sei sich bewusst, dass dieser Zeitplan eng gesteckt ist. Er betont aber, dass das Netz auch nach dem Betriebsbeginn noch wachsen könne. Bereits jetzt haben einige Körperschaften wie die Politische Gemeinde Wattwil, die Schulgemeinde Wattwil-Krinau oder der Kanton mit zugesagt, sich am Wärmeverbund zu beteiligen.

Schulratspräsident Norbert Stieger präzisierte an der Medieninformation jedoch, dass noch nicht alle Schulhäuser innerhalb des Versorgungsgebiets in diesem Sommer an den Verbund angeschlossen werden. Bei einigen Gebäuden sei die Heizung noch nicht amortisiert, dort werde gewartet, bis ein Ersatz anstehe. Thomas Grob ist überzeugt, dass die momentan geplante Energiemenge reichen wird, auch wenn sich später noch Hausbesitzer für einen Anschluss entscheiden. Er gehe davon aus, dass mit einer zeitgemässen Dämmung der Energieverbrauch pro Gebäude reduziert werden könne.

Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner ist seinerseits überzeugt, dass das Interesse am Wärmeverbund anhalten werde, wenn er erst einmal realisiert sei. Das Potenzial innerhalb des Versorgungsperimeters sei gross und punkto Energiepreis sei man, verglichen mit anderen Energieträgern, konkurrenzfähig. In der Heizzentrale im Flooz wird Holz in nachhaltig produzierte Wärme umgewandelt. Die derzeitigen Berechnungen ergeben, dass mit der Leistung rund 1,2 Millionen Liter Heizöl oder gleichwertiger Brennstoff ersetzt werden dann und der CO2-Ausstoss um jährlich 3,5 Tonnen reduziert werden kann.

Wertschöpfung bleibt im Tal

Durch die Redimensionierung sinkt der Holzbedarf von 25 000 auf 19 000 Kubikmeter pro Jahr. Dieses Holz will der Wärmeverbund Wattwil in der Waldregion 5 Toggenburg beziehen. Thomas Grob schätzt, dass damit eine jährliche Wertschöpfung von 650 000 Franken in der Region behalten werden kann. Bedenken, dass der Holzvorrat knapp werden könne, habe die Waldregion beiseite gewischt.