Während der Coronakrise: Die Ausserrhoder Gemeindebehörden leisten unterschiedlich viel für ihre Bürger

Für Senioren gelten während der Corona-Krise besondere Einschränkungen. Speicher zeigt sich besonders hilfsbereit.

Astrid Zysset
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Die Gemeinde Speicher hat auf politischer Ebene schnelle Hilfestellung bei der Umsorgung der über 65-Jährigen geboten.

Die Gemeinde Speicher hat auf politischer Ebene schnelle Hilfestellung bei der Umsorgung der über 65-Jährigen geboten.

Bild: APZ

Während der Corona-Krise ist es für die Risikogruppe, die über 65-Jährigen, ratsam, zu Hause zu bleiben. Denn das Virus ist für diese Personen besonders gefährlich. Das Abgeschottetsein in den eigenen vier Wänden will jedoch organisiert sein. Die tägliche Versorgung muss sichergestellt werden. Aber wie? In den Ausserrhoder Gemeinden springt die öffentliche Hand hier kaum in die Bresche. Sie überlässt diese Aufgabe den Freiwilligen. Doch es gibt Ausnahmen.

Eine Gemeinde, die sich besonders engagiert zeigt, ist Speicher. Dort wird die Umsorgung der über 65-Jährigen auf politischer Ebene koordiniert. Für Gemeinderätin Natalia Bezzola Rausch, Ressort Kultur, Gesundheit, Generationen, lag das auf der Hand: «Das ist eine massgeschneiderte Aufgabe für die Generationenkommission.» Gesagt, getan. Der Entscheid, helfen zu wollen, fiel noch vor der ausserordentlichen Gemeinderatssitzung am Samstag, an der das verwaltungsinterne Vorgehen im Zusammenhang mit der Corona-Krise besprochen wurde. Bezzola traf sich mit Vertretern der Generationen- und Jugendkommission sowie den Pfarrämtern der reformierten und katholischen Kirchen. Es entstand ein Schreiben, das an alle über 65-Jährige in der Gemeinde versandt wurde. Dessen Inhalt: Wenn jemand Hilfe bei den Einkäufen, eine Mitfahrgelegenheit zum Arzt, Gesellschaft beim Spazieren gehen oder einfach ein offenes Ohr braucht, kann sich diese Person über eine Hotline oder über einen der «Forum»-Briefkästen melden. Freiwillige stünden zur Unterstützung bereit. «Auch fragen wir regelmässig bei unseren älteren Mitbürgern nach, wie es ihnen geht», so die Gemeinderätin. An 700 Haushalte wurde der Brief geschickt, über 50 Personen haben bislang darauf geantwortet. Tendenz steigend. «Ja, die Hotline läuft heiss», sagt Bezzola. Sechs Frauen nehmen abwechselnd das Telefon zu sich und leiten die Anfragen weiter.

Das Netzwerk der Kommissionen und Kirchen in Speicher ist gross. So konnte auch schon Ersatz geschaffen werden für den Mahlzeitendienst der Spitex. Die Essen wurden bislang überwiegend von Seniorinnen und Senioren verteilt. Das erledigen nun zum Teil Freiwillige. Jene sind auch im Rot-Kreuz-Fahrdienst aktiv. Weitere möchten die Schülerinnen und Schüler bei der Erledigung der Hausaufgaben unterstützen. Angesichts dieser Solidaritätswelle zeigt sich Bezzola gerührt: «Ich dachte, dass es länger dauert, bis unsere Hotline auf Interesse stossen würde. Aber seit ein paar Tagen läutet das Telefon beinahe ununterbrochen.»

Solidarität innerhalb der Bevölkerung ist gross

Speicher bildet jedoch im intrakantonalen Vergleich die Ausnahme. Die Hilfestellung für die über 65-Jährigen auf politischer Ebene ist in den anderen Gemeinden gering. In Trogen hat sich eine private Gruppe zusammengefunden, die einen kostenlosen Hauslieferservice für die ältere Generation anbietet. Die Gemeinde bot Hand und hat den entsprechenden Flyer an diese Bevölkerungsgruppe in einem Gemeindecouvert adressiert versandt. In Reute prüfen derzeit die Gemeinde und die Kirchgemeinde mit der Konsumgenossenschaft sowie den Pflegeheimen allfällige Angebote. So wird zum Beispiel die Machbarkeit von Hauslieferungen durch die Konsumgenossenschaft ins Auge gefasst. Und Bühler baut aktuell eine Anlaufstelle auf, welche Anliegen und Angebote koordinieren will. Andere Gemeinden warten noch ab. So sagt Erika Weiss, Gemeindeschreiberin in Urnäsch: «Aufgrund der bestehenden Strukturen werden die älteren Personen häufig bereits familienintern oder von Nachbarn betreut. Die Lage wird aber regelmässig beurteilt und mit den verschiedenen Institutionen möglicher Handlungsbedarf ermittelt.» Und auch Sarah Niederer, Gemeindeschreiberin aus Wolfhalden, sagt: Wir spüren eine grosse Solidarität innerhalb der Bevölkerung. In den Nachbarschaften werden Hilfe und Unterstützung angeboten.»

Die meisten Gemeinden haben ihr Corona-Krisenmanagement auf die Abläufe innerhalb der Verwaltung beschränkt. So wurden teilweise die Öffnungszeiten eingeschränkt. In Herisau sind die Amtsstellen nur noch morgens von 8 bis 11.30 Uhr geöffnet. Wer ausserhalb dieser Öffnungszeiten einen Termin wünscht, muss sich vorgängig anmelden. Auch Reute reduziert die Schalteröffnungszeiten. Andere Gemeinden behalten ihre gewohnten Zeiten bei, halten jedoch fest, dass die Verwaltung nur per E-Mail oder Telefon zur Verfügung steht. So teilt Walzenhausen mit, dass persönliche Termine nur nach Vereinbarung und in Ausnahmefällen möglich sind. Dasselbe gilt unter anderem in Trogen, Schwellbrunn, Urnäsch, Grub, Heiden, Wolfhalden und Walzenhausen. In Bühler hält man gar fest, dass ein spontanes Vorbeikommenh im Gemeindehaus untersagt ist. Wurde ein Besuch vereinbart, müssten die Hygienevorschriften eingehalten werden. Waldstatt hat hier weitreichendere Massnahmen getroffen: In den öffentlichen Gebäuden stehen Desinfektionsmittel bereit. Ebenso sind die Hauswarte angehalten, die Klinken öfters zu reinigen.

Weitere Hilfestellung

Bühler richtet Anlaufstelle ein

Die Gemeinde Bühler ist gemäss einer Mitteilung daran, Strukturen aufzubauen, um zu erfassen, wer während der Corona-Krise Unterstützung benötigt und wer solche anbieten kann. Die Themen können vom Einkauf über Fahrdienste, Take-Away-Angebote, Kinderhüten bis zum Einspringen bei Betreuung und Pflege reichen. Dazu installiert die Gemeinde ab sofort eine Anlaufstelle, die Anliegen und Angebote koordiniert. Die Anlaufstelle wird vorerst betreut durch den Zivildienstleistenden der Schule und ist für konkrete Anliegen und Angebote in der Gemeinde Bühler erreichbar. Allenfalls würde diese Anlaufstelle auch mit Freiwilligen unterstützt werden, teilt die Gemeinde weiter mit. Zu erreichen ist die Anlaufstelle telefonisch: 079 210 87 97 (Bürozeiten) oder per Email: unterstuetzung@buehler.ar.ch (gk)

Und noch eine Gemeinde will helfen:

Reute sucht Fahrerinnen und Fahrer

Der Gemeinderat Reute prüft aufgrund der Corona-Pandemie die Einführung eines Hauslieferdienstes für Nahrungsmittel. Das lässt sich einer Mitteilung entnehmen, die gestern verschickt wurde. Wer Bedarf an einem solchen Hauslieferdienst hat oder sich als Fahrerin oder Fahrer engagieren möchten, meldet dies der Gemeindekanzlei: gemeindekanzlei@reute.ar.ch Telefon 071 898 82 60