Wachstum durch die «Wolke»

Die Inhaber der Wattwiler Start-up-Firma iBrows haben auf den Trend des Internets gesetzt. Begonnen haben sie zu dritt, heute arbeiten bereits acht Personen an komplexen Internetprojekten und der Weiterentwicklung des eigenen Software-Produkts – und das Wachstum geht weiter.

Barbara Anderegg
Drucken
Teilen

Wattwil. Ihr jugendliches Alter sei inzwischen mehr Vorteil als Nachteil, sagen die drei Partner und Geschäftsleitungsmitglieder von iBrows. Denn die 2006 gegründete Firma, welche Stefan Brunner, Oliver Kofler und Jeremias Meier leiten, ist auch in einem jungen Bereich tätig: Sie setzt auf den Trend, Daten nicht mehr lokal auf dem Server zu speichern, sondern über das Internet von einem zentralen Server aus zugänglich zu machen. In Fachkreisen nennt man dies «Arbeiten in der Cloud», also in der Wolke.

Komplexe Websites nach Mass

Begonnen habe das Ganze eher per Zufall. Während Stefan Brunner eine Lehre als Kaufmann absolvierte, wollte sein Lehrbetrieb ein komplexes Webshop-Projekt realisieren. Oliver Kofler, den Stefan Brunner vom Unihockey kannte, war zur selben Zeit in der Ausbildung zum Mediamatiker. So kam es, dass die beiden gemeinsam dieses Projekt umzusetzen. Während dieser Zeit seien bereits weitere Anfragen und Aufträge für die Realisation von Websites und anderen Internet-Applikationen. «Da haben wir die Chance gepackt und einen Business-Plan ausgearbeitet», erinnert sich Stefan Brunner. Zusammen mit einem älteren Partner, der vor allem beratend tätig ist, gründeten die beiden damals knapp 20-Jährigen die Firma iBrows. Beide arbeiteten noch Teilzeit in ihren angestammten Berufen, um sich die Selbständigkeit finanzieren zu können. Nach kurzer Zeit aber konnten sie bereits einen Praktikanten einstellen und ihre Firma ausbauen.

Inzwischen beschäftigt iBrows acht Festangestellte und vier Freelancer im In- und Ausland. Sie programmieren komplexe Internet-Applikationen, wie Online-shops, Newsletter-Systeme oder Websites, die genau auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind. Dabei sind sie nicht für das Aussehen der Seiten zuständig – dafür arbeiten sie mit Kommunikationsagenturen zusammen – sondern für die Programmierung. So zum Beispiel haben sie den Online-Shop für einen Holzhändler aufgebaut, welcher direkt an dessen Warenwirtschaftssystem angeschlossen ist. Das Programmieren von individuellen Lösungen ist ein Standbein von iBrows. Das andere ist eine Business-Software, welche die Administration in kleinen Betrieben erleichtert. Mit dem Wachstum der Firma seien sie immer wieder mit Fragestellungen konfrontiert gewesen, denen sie sich davor noch nie hatten stellen müssen, so zum Beispiel bei der Einstellung des ersten Mitarbeiters. Mit dem Wachstum ist auch der Administrationsaufwand gestiegen.

Zweites Standbein Software

Um diesen zu minimieren haben die beiden kurzerhand eine eigene Software entwickelt, die ihnen diesen erleichtert – ihrer Philosophie entsprechend vollständig internetbasiert, so dass die Benutzer von überall her auf die Daten zugreifen können. Weil die Daten dafür eben nicht mehr auf einem lokalen Server abgespeichert sind, sondern in einem zentralen Rechenzentrum in Zürich, entstand die Idee, diese Software auch anderen zur Verfügung zu stellen. Damit war das zweite Standbein von iBrows entstanden, die Administrationssoftware easysys, mit welcher vom Emailaccount über die Kundendatenbank bis zur Debitorenverwaltung alles in einem Programm abgewickelt werden kann. «Gerade kleinere Firmen können es sich nicht leisten, eine Menge Geld in Software und einen eigenen Server zu investieren», erklärt Oliver Kofler. «Unser Produkt ist eigentlich eher ein Service als eine Software, denn die Benutzer kaufen das Produkt nicht, sondern mieten es. Das heisst mehrere Benutzer teilen sich die Software und den Server und können dadurch an Kosten sparen», führt Stefan Brunner aus. Um das Produkt weiter zu optimieren wurde ein Entwickler angestellt. Gleichzeitig kam Jeremias Meier, der ein Bachelor-Studium in Betriebswirtschaft an der Hochschule St. Gallen abgeschlossen hatte, als Partner zu iBrows. Auch ein Marketingassistent wurde eingestellt, damit das Produkt vermarktet und die Firma aktiver positioniert werden konnte.

Heute arbeiten rund 200 Unternehmen mit dieser Business Software, und iBrows kann ihren Kunden auch einen kombinierten Service aus Webshop und Software anbieten. Das haben sie beispielsweise für eine Druckerei getan. Auf der von iBrows programmierten Website kann der Kunde unter anderem Visitenkarten bestellen. Er kann dabei die Anzahl wählen und sogleich die Vorlage heraufladen. In der Druckerei wird die Bestellung in die Software easysys eingespiesen. Automatisch wird der Druckauftrag generiert und in die Druckerei geleitet. Ebenfalls automatisch wird der Lieferschein erstellt und die Rechnung ausgestellt. «Unser Ziel ist es, alle Prozesse möglichst zu automatisieren, damit sich der Kunde auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann», sagt Stefan Brunner.

Weltweites Wissen nutzen

Die Software-Bausteine, welche iBrows für ihre speziell auf den Kunden zugeschnittenen Projekte einsetzt, müssen fortlaufend weiterentwickelt werden. Die Inhaber von iBrows setzen dabei auf das Prinzip des offenen Quellcodes, dem so genannten Open Source. Oliver Kofler erklärt das Open- Source-Prinzip folgendermassen: «Man kann sich vorstellen, dass jemand eine Maschine gebaut hat. Diese stellt er anderen zur Verfügung, das heisst, sie dürfen Bauteile davon kopieren. Wenn ich nun ein Bauteil weiterentwickle, dann stelle ich allen anderen die weiterentwickelte Komponente wiederum als <Kopiervorlage> zur Verfügung.» So profitieren alle vom Wissen und der Arbeit anderer. «Man muss das Rad ja nicht neu erfinden», sagt Stefan Brunner.

Vom Toggenburg in die Welt

Durch diesen Austausch von Weiterentwicklungen können auch kleinere Firmen mit geringem finanziellen Aufwand immer auf dem neusten Stand sein. Kostensparend ist auch der Vertrieb von easysys, denn da auch dieser internetbasiert ist, braucht es keine physische Distribution. «Wenn ein Problem auftaucht, dann muss nicht einer von uns ins Auto sitzen und zum Kunden fahren, um dort am Server zu arbeiten, sondern das können wir von unseren Büros in Wattwil aus tun», sagt Jeremias Meier. Dadurch kann auch der Kundenkreis grösser werden. iBrows arbeitet inzwischen für Kunden aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, aber auch aus Grossbritannien. In Fachkreisen gelten die jungen Schweizer bereits als Experten in Sachen «Cloud Computing».

Dass sie mit dem «Arbeiten in der Wolke» einen Trend frühzeitig erkannt haben, zeigt das Wachstum der Firma. Bis spätestens im Sommer wollen sie weitere zwei bis drei Mitarbeiter einstellen. Für die Jung-Unternehmer ist das eine Bestätigung, dass sie an das Richtige geglaubt haben. Aber mit dem Wachstum steige auch der Druck, sagt Jeremias Meier. Je mehr Mitarbeitende, desto mehr Aufträge müsse man einholen. Das «von heute auf morgen»-Prinzip funktioniere nicht mehr, vielmehr müsse man nun auf zwei bis drei Jahre planen. «Wir investieren noch immer, aber wir sind nach wie vor von unserer Idee überzeugt», sagt Oliver Kofler.

Aktuelle Nachrichten