Wachsen mit den Kindern

WATTWIL. Vor 20 Jahren öffnete die Kindertagesstätte Kita Bärehuus in Wattwil ihre Türen. Unterdessen ist die Fremdbetreuung von Kindern etabliert und ein gesellschaftliches Bedürfnis.

Kathrin Burri
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Nach dem Umzug an die Büelstrasse 18 ist die Kita auf zwei Gruppen pro Tag gewachsen.

Nach dem Umzug an die Büelstrasse 18 ist die Kita auf zwei Gruppen pro Tag gewachsen.

Es ist Freitagnachmittag, kurz nach halb zwei Uhr. Eine Gruppe Kinder sitzt im Kreis im Spielzimmer am Boden. Zwei gehen hintereinander rundum. Die Leiterin singt mit feiner Stimme das Tausendfüsslerlied: «Bums, da fällt er um.» Mit Gelächter lassen sich die zwei Kinder zu Boden plumpsen, stehen wieder auf, dann wählt das hinterste Kind ein weiteres Kind aus dem Kreis aus, das mitgeht. Bald wird ein Tausendfüssler rundum tappen.

Jubiläumsfest am Abend

Diesen Freitagnachmittag sind beide Kindergruppen auf demselben Stock im Haus an der Büelstrasse zusammengelegt. Denn einige der Mitarbeiterinnen sind mit Cony Leuzinger, die seit 17 Jahren in der Kita tätig ist und im Jahr 2000 die Leitung übernahm, mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigt. Die Gästezahl ist gross. Behörden- mitglieder der Nachbargemeinden, Gründerinnen und ehemalige Vorstandsmitglieder, Passivmitglieder und natürlich viele der Kitafamilien sind eingetroffen. Cony Leuzinger überreicht Susanne Voser, Präsidentin des Vorstandes der Kita, nach ihrer Begrüssungsrede einen Blumenstrauss und dankt für ihr grosses Engagement. Kinder wuseln herum und drängen sich um Käpt'n Ahoi, den Clown. Einfühlsam und lustig spielt er mit den Kindern, zaubert Glühlämpchen aus ihren Schuhen und unendlich viele Tiere aus Ballonen. Lang ist die Schlange vor den Crèpes und den Würsten vom Grill. Nach einem kurzen Wolkenbruch wird der Kuchen wieder aufgetischt. Der Abend zieht sich gemütlich in die Dämmerung hinein.

Stetig gewachsen

Im Oktober 1993 wurde die Kita Bärehuus von den ersten Vorstandsfrauen gegründet. Im Januar 1995 öffnete sie für vier Kinder ihre Türe. Bereits 1999 zügelte sie an die Rickenstrasse und konnte zwölf Plätze anbieten. Nach dem Umzug 2011 an die Büelstrasse 18 ist die Kita auf zwei Gruppen à 12 Plätze pro Tag gewachsen. Pro Gruppe können zwei Babies ab drei Monaten aufgenommen werden. Cony Leuzinger erklärt, dass die Belegungsanzahl vom Amt für Soziales des Kantons festgelegt wird. Einbezogen werden darin die Platzverhältnisse, die Anzahl ausgebildeter Fachfrauen und Nichtausgebildete, seien es Praktikantinnen oder Lernende, sowie die Sicherheitsvorschriften. Am Dienstagnachmittag wird im Bärehuus eine Waldspielgruppe angeboten. Der heutige Standort mit der Nähe zum Alters- und Pflegeheim Risi erlaubt gemeinsame Aktivitäten wie Besuche bei den Betagten, gemeinsam backen in der Weihnachtszeit oder Fasnacht feiern. Auf die Wochentage verteilt gehen im Moment rund 60 Kinder ein und aus. «Eine Warteliste von Kindern lässt an eine Erweiterung denken, eventuell eine dritte Gruppe», so lautet ein Zukunftswunsch von Cony Leuzinger. «Die Kita zeigt das Bedürfnis der Eltern nach professioneller Fremdbetreuung ihrer Kinder auf», sagt Susanne Voser, Präsidentin des Vorstandes. Denn in vielen Familien gehen beide Eltern der Lohnarbeit nach und wollen ihre Kinder in fachlicher Obhut wissen. Sie erinnert sich an die «harte finanzielle» Zeit zu Beginn, als die erste Lehrfrau noch durch Sponsoring finanziert wurde. Die umliegenden Gemeinden wurden motiviert, die Kosten pro Kind auszugleichen. Der Beitragsschlüssel der Eltern richtet sich nach deren Einkommen. «Dies wurde zu einer sinnvollen Lösung für uns, bis heute», erläutert Voser.

Traumberuf seit jeher

«Mein Lehrer bestand darauf, dass ich in andern Berufen schnupperte», erzählt Marina Raymann, stellvertretende Krippenleiterin in der Kita Bärehuus. «Für mich war seit jeher klar, dass ich Kleinkindererzieherin werden will.» Das Bärehuus war denn auch ihr Schnupperpraktikums- und ihr Lehrbetrieb. Marina Raymann hat einige Ideen, die in ihrem Traumberuf Raum hätten. Zum Beispiel der einer Bauernhofkita, wo die Kinder in die Abläufe der Natur eingebunden würden. Vorerst hat die junge Fachfrau Reisepläne. Sie will irgendwann in einem Kinderhilfswerk mitwirken. Diesen Herbst wird sie die Kita Bärehuus verlassen. «Der Abschied fällt mir nach sieben Jahren sehr schwer», so Raymann, «doch meine Arbeit wird sich immer um kleine Kinder drehen.»

Die Präsidentin des Vorstandes Susanne Voser erhält von der Leiterin der Kita, Cony Leuzinger, einen Blumenstrauss.

Die Präsidentin des Vorstandes Susanne Voser erhält von der Leiterin der Kita, Cony Leuzinger, einen Blumenstrauss.

Die Kinder können sich nicht satt sehen an den Spässen des Clowns Capitano. (Bilder: Sara Oesch)

Die Kinder können sich nicht satt sehen an den Spässen des Clowns Capitano. (Bilder: Sara Oesch)

Marina Raymann Stellvertretende Krippenleiterin in der Kita Bärehuus

Marina Raymann Stellvertretende Krippenleiterin in der Kita Bärehuus