Wachs in den Händen

In Elsy Signers «Cherze-Chochi» ist jedes Stück ein Unikat. Bei der Gestaltung der eigenen Kerze können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 20 Farbtönen auswählen. 300 Kilogramm Kerzenwachs werden so in jeder Saison «verkocht».

Johannes Wey
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Eine letzte Schicht klaren Wachses verleiht der Kerze den richtigen Glanz. (Bilder: Johannes Wey)

Eine letzte Schicht klaren Wachses verleiht der Kerze den richtigen Glanz. (Bilder: Johannes Wey)

HERISAU. Im kleinen Zimmer im Herisauer Schützenhaus riecht es am gestrigen Sonntag nach warmem Wachs. Der Geruch ist schwach, nur wenn Elsy Signer den Deckel von einem unbenutzten Topf hebt, breitet sich der Duft von Bienenwachs in der «Cherze- Chochi» aus. Barbara Brülisauer steht mit ihren Kindern Sepp, Ruedi und Regina in der Kerzenküche. Innerhalb einer halben Stunde sind bereits massive, bunte Kerzen entstanden.

Jährlich 300 kg Wachs

«Heute sind vier Gruppen angemeldet, und wir arbeiten bis am Abend», sagt Signer. Sie betreibt die «Cherze-Chochi» zusammen mit Katrin Signer-Roth, Manuela Lechthaler, Sandra Heeb und Ruth Löhrer. Die Frauen wechseln sich bei den zweistündigen Schichten ab. «In jedem Jahr verbrauchen wir gut 300 kg Wachs», sagt Signer. Die meisten Gruppen kommen am Wochenende und stellen zwischen drei und fünf Kerzen pro Person her. Meist sind es Stammgäste, die jedes Jahr kommen. «Die bisher älteste Teilnehmerin war 85 Jahre alt, die jüngsten sind ungefähr 4.»

Der 13jährige Sepp Brülisauer hat seine Kerze mittlerweile fertig gezogen und macht sich ans verzieren. Unter der Anleitung von Elsy Signer schneidet er Späne von der Kerze und biegt sie zurecht. Dort, wo Sepp das Messer ansetzt, kommen unzählige verschiedenfarbige Schichten von Wachs zum Vorschein.

Über 20 Farbtöne

Auch die Brülisauers sind Stammgäste. «Wir sind bereits das vierte Jahr in Folge hier», sagt Barbara Brülisauer. «Hier können wir etwas als Familie unternehmen, und es ist einfach entspannend», erklärt die Mutter. Dass die Familie am Sonntagmorgen als erste Gruppe bereits um 9 Uhr antreten muss, macht ihr nichts aus. «Wir sind eine Bauernfamilie, für uns ist diese Tageszeit nicht früh», sagt Barbara Brülisauer lachend.

Mittlerweile hat Sepp seine Kerze fertig verziert. Um die kunstvoll gebogenen Wachsspäne auf der Kerze zu fixieren und ihr den letzten Glanz zu verleihen, taucht er die Kerze nochmals kurz in das heisse Kunstwachs. Für den letzten Arbeitsgang wählt er allerdings keinen der über 20 Töpfe mit farbigem Wachs, sondern das durchsichtige Paraffin ohne Farbstoff. Nun braucht er die Kerze nur noch ein letztes Mal in kaltes Wasser zu halten, damit das Wachs den nötigen Glanz bekommt.

Die «Cherze-Chochi» hat noch bis am 18. Dezember geöffnet. Anmeldungen bei Elsy Signer unter Telefon 071 351 49 02 oder 079 751 95 56.

Die Musterkerzen sollen den Teilnehmenden aufzeigen, was alles möglich ist.

Die Musterkerzen sollen den Teilnehmenden aufzeigen, was alles möglich ist.

Barbara Brülisauer ist mit ihrer Familie zum vierten Mal hier.

Barbara Brülisauer ist mit ihrer Familie zum vierten Mal hier.