Vorwürfe wegen Hausfriedensbruch und Tätlichkeiten: «Jetzt herrscht Klarheit» – Strafuntersuchung gegen Appenzeller Kantonstierarzt ist eingestellt

Die Strafuntersuchung gegen den Kantonstierarzt von Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, Sascha Quaile, wurde Ende Oktober 2019 in allen Punkten eingestellt. 

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Kantonstierarzt Sascha Quaile (links). (Archivbild: Ralph Ribi)

Kantonstierarzt Sascha Quaile (links). (Archivbild: Ralph Ribi)

(bro) Zur Beurteilung der Strafanzeigen wurde mit dem St.Galler Andreas Eigenmann ein ausserordentlicher Staatsanwalt eingesetzt, schreibt die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft am Dienstag in einem Communiqué. Eigenmann kam gemäss Mitteilung zum Schluss, dass der Kantonstierarzt beider Appenzell sein Amt nicht missbraucht hatte. Die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft schreibt:

«Entgegen der erhobenen Vorwürfe beging er im Zusammenhang mit Kontrollen in einer Tierarztklinik und bei privaten Züchtern sowie Tierhaltern weder einen Hausfriedensbruch noch Tätlichkeiten.»

Damit wurde gemäss Staatsanwaltschaft auch die Rechtmässigkeit des Zutrittsrechts gemäss Tierschutzgesetz beziehungsweise Tierarzneimittelverordnung bestätigt. Weiter heisst es:

«Somit sind alle Untersuchungen gegen den Kantonstierarzt beider Appenzell abgeschlossen. In keinem Verfahren konnten die erhobenen Vorwürfe bestätigt werden.»

Ebenfalls eingestellt wurden laut Staatsanwaltschaft die Strafverfahren gegen drei Ausserrhoder Kantonspolizisten, welche den Kantonstierarzt bei einer Kontrolle unterstützt hatten.

«Jetzt herrscht Klarheit»

Sascha Quaile nahm zum eingestellten Verfahren keine Stellung. Für den zuständigen Ausserrhoder Regierungsrat Yves Noël Balmer ist der «Entscheid eine Bestätigung, dass sich der Kantonstierarzt rechtskonform verhalten hat».

Als positiv wertet Balmer, dass eine unabhängige Instanz zu diesem Entscheid gekommen ist. «Jetzt herrscht Klarheit, auch bezüglich der Kompetenzen bei der Sicherstellung des Tierschutzes. Wir können zum Alltag zurückkehren», erklärte der Ausserrhoder Gesundheits- und Sozialdirektor.

Der ausserkantonale St.Galler Staatsanwalt wurde auf Antrag der Ausserrhoder Staatsanwaltschaft durch die Leitung des Departements Inneres und Sicherheit eingesetzt, heisst es weiter. Grund dafür war gemäss Mitteilung, dass die Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden auch Strafanzeigen zu beurteilen hatte, die der Kantonstierarzt gegen die Anzeigenerstatter eingereicht hatte.

Strafverfahren gegen Anzeigeerstatter pendent

Mehrere Strafverfahren, die vom Veterinäramt eingeleitet wurden, sind aktuell pendent, teilt die Staatsanwaltschaft weiter mit. Darunter sind auch Verfahren, welche gegen die Anzeigeerstatter geführt werden, die eine Strafanzeige gegen den Kantonstierarzt beider Appenzell eingereicht haben.

Amtsmissbrauch, Tätlichkeiten und Sachbeschädigungen

Im Februar dieses Jahres waren gegen Kantonstierarzt Sascha Quaile sowie die Kantonspolizei mehrere Strafanzeigen eingegangen. Grund waren Kontrollen des Veterinäramtes.

Kantonstierarzt des Hausfriedensbruchs beschuldigt

Der involvierte Tierarzt beschuldigt Quaile der einfachen Körperverletzung sowie des Hausfriedensbruchs. Gemäss eines Arztberichts soll die Haut des Tierarztes nach dem Vorfall mehrere Blutergüsse aufgewiesen haben. Die Staatsanwaltschaft hatte das untersucht - und findet nun, es stimmt nicht. 

Gegen den Kantonstierarzt hatte auch eine Hundehalterin aus Herisau Anzeige erstattet. Dort soll es im November des vergangenen Jahres bei einer unangemeldeten Kontrolle zu einer Auseinandersetzung beziehungsweise Rangelei gekommen sein. Die Vorwürfe gegen Quaile: Amtsmissbrauch, Tätlichkeiten und Sachbeschädigungen. 

Hofräumung in Wolfhalden sorgte für Schlagzeilen

In die Kritik geriet Quaile auch wegen der Räumung eines Bauernhofs in Wolfhalden am 1. September 2017. Damals liess das Veterinäramt 52 Schafe, acht Ziegen und gegen 200 Hühner abtransportieren. Mit der Räumung sollte ein Tierhalteverbot durchgesetzt werden, nachdem der Tierhalter dies mit juristischen Mitteln jahrelang hatte verhindern können.

In der Folge hatte der Anwalt des Landwirts schwere Vorwürfe gegen Quaile erhoben. Dieser sei für massive Rechtsverletzungen bei der Durchsetzung des Tierhalteverbots verantwortlich. Auch habe Quaile Protokolle nachträglich abgeändert. Der Appenzeller Kantonstierarzt wehrte sich gegen diese Anschuldigungen. Über Jahre hinweg seien bei Kontrollen auf dem Hof Missstände festgestellt worden.

WOLFHALDEN: Ärger über tote Hühner

Das Veterinäramt hat 70 Hühner schlachten lassen - sie wurden bei der Hofräumung beschlagnahmt. Dies kritisiert der Anwalt des Bauern scharf. Kantonstierarzt Sascha Quaile verteidigt die Vorgehensweise.
Jesko Calderara

WOLFHALDEN: Tierschutzkontrolle mit Folgen

«Amtsmissbrauch» und «Kompetenzüberschreitung»: Die Hundezüchterin Erika Fritsche kritisiert den Ausserrhoder Kantonstierarzt Sascha Quaile. Dabei spielt auch ein Möbelhändler eine Rolle.
Jesko Calderara