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VORTRAGSABEND: Ohne Putin kein Russland

Professor Ulrich Schmid erklärte in Wattwil, wie sehr Präsident Vladimir Putin die Russländische Föderation prägt und warum dieser am 18. März wohl wiedergewählt wird.
Sabine Schmid
Die Karikatur zeigt die Abfolge der russischen Staatschefs seit Lenin, überschrieben mit «mit Haaren» und «kahlköpfig». Am Ende wechseln sich nur noch Vladimir Putin und Dmitrij Medvedev ab. (Bild: Sabine Schmid)

Die Karikatur zeigt die Abfolge der russischen Staatschefs seit Lenin, überschrieben mit «mit Haaren» und «kahlköpfig». Am Ende wechseln sich nur noch Vladimir Putin und Dmitrij Medvedev ab. (Bild: Sabine Schmid)

Präsident Vladimir Putin sitzt fest im Sattel. Dies zumindest vermuten Beobachter im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in der Russländischen Föderation vom 18. März dieses Jahres. Das glaubt auch Ulrich Schmid, Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an der Universität St. Gallen. Er sprach am Mittwochabend auf Einladung des SGW Kulturforums in der voll besetzten Aula des BWZT in Wattwil. Bevor er aber auf die aktuelle politische Situation des Landes zu sprechen kam, erklärte er dem Publikum, was seit dem Zerfall der UdSSR passiert ist.

Wie aus dem Spion ein Präsident wurde

«Für das Land hat im Jahr 2000 eine neue Epoche begonnen», hielt Ulrich Schmid fest. Der damalige Ministerpräsident Vladimir Putin löste den zuletzt alkoholkranken Präsidenten Boris Jelzin ab und wurde Staatschef. Zuvor war Putin – der als Spion in der DDR stationiert war und als Vizebürgermeister von St. Petersburg gearbeitet hatte – unbekannt. «Die Erwartungen an Vladimir Putin waren nach dem Ende der Präsidentschaft Jelzins nicht sehr hoch», sagte Ulrich Schmid.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die USA und Russland einander näher gebracht. Beide Staaten sahen sich als Terrorbekämpfer. Putin trat kurze Zeit später in Berlin im Bundestag auf und schlug – in perfektem Deutsch – versöhnliche Worte an. Er sprach von einem «Aufbau eines gemeinsamen europäischen Hauses». Doch 2004 änderte Russland seinen Kurs. Mit dem Beitritt von Estland, Lettland und Litauen, die zur UdSSR gehört haben, zur Nato sei für Russland eine «rote Linie» überschritten worden, sagte Ulrich Schmid. «Seither steht Russland für seine eigenen Interessen ein.»

Gemäss Umfragen stehen 85 Prozent der Bevölkerung der Russländischen Föderation hinter Präsident Vladimir Putin. Ulrich Schmid nannte als Gründe drei Machtressourcen: Das wirtschaftliche Wachstum, die politische Stabilität und den Patriotismus. Die Wirtschaft in den ersten Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion sei wegen steigenden Rohstoffpreisen gewachsen, führte der Referent aus. 2008 gab es eine grosse Wirtschaftskrise, von der sich das Land wieder erholt hat. Aktuell sei der Euro aufgrund der Sanktionen teuer und dies habe Einfluss auf das Konsumverhalten und treffe die Leute im Alltagsleben.

Aus politischer Sicht ist Russland ein stabiles Land. Vladimir Putin ist seit 2000 an der Macht, ausser zwischen 2008 und 2012. Da tauschte er mit dem früheren und heutigen Ministerpräsident Dmitrji Medvedev das Amt, weil die Verfassung eine Amtszeitbeschränkung vorsah. Lange Zeit strebte das Volk nach Ordnung, auch wenn diese die Demokratie und die persönliche Freiheit einschränkt. In den letzten Jahren habe sich diesbezüglich aber einiges verändert.

Demgegenüber werde in Russland der Patriotismus gefördert. «Russland sieht sich als eine eigene Kultur, die Grosses zustande gebracht hat», sagte Ulrich Schmid. Konservative Werte werden propagiert und das komme beim Volk nach wie vor an. Auf die Frage, was Vladimir Putin antreibe, sagte Ulrich Schmid, dass die Russländische Föderation hinter der Machterhaltung stehe. Denn nach Ansicht des Kremls sei die russische Kultur innerhalb der Russländischen Föderation zu stärken.

«Krimkrieg war nicht im Sinne des Kremls»

Der Referent sprach auch die Annexion der Krim an. Putin, so Ulrich Schmid, möchte aus der eurasischen Wirtschaftsunion eine politische Union machen, ähnlich der EU. Weil aber einige der Russischen Föderationen sich nach Westen orientieren, und in Moskau die Angst vor einem erneuten Auseinanderbruch der Russländischen Föderation herrsche, werde jede Art von Separatismus unterbunden. Moskau schickte darum eine russische Spezialeinheit auf die Krim, die «im Sinne der Friedenserhaltung agiere». Um von der Krim abzulenken, die inzwischen de facto russisches Territorium ist, hat Russland das Augenmerk auf die Region Donezk gelenkt. «Mit diesen Aktionen in der Ukraine hat Russland fast alle Prinzipien verletzt, die die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE im Abkommen von Helsinki im Jahre 1975 festgelegt hat».

Ulrich Schmid machte zum Schluss klar, dass es ohne Putin kein Russland von heute gäbe und ohne dieses Russland Putin nicht so gross geworden wäre. Er sei der «Garant für Stabilität» der Russländischen Föderation.

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