VORTRAG: Schlafbedarf ist individuell

Kürzlich sprachen Dagmar Schmid, Leiterin, und Thomas Egger, Oberarzt, von der Klinik für Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen zum Thema «Schlaf».

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Nicht jede Mühe beim Schlaf ist gleich eine Störung, die medizinisch behandelt werden muss. (Bild: PD)

Nicht jede Mühe beim Schlaf ist gleich eine Störung, die medizinisch behandelt werden muss. (Bild: PD)

Die Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg VLT und der Toggenburger Ärzteverein hatten zwei Experten zum Thema «Schlaf» in die Aula des BWZT in Wattwil eingeladen.

Thomas Egger übernahm die Annäherung ans Thema: «Man kann nicht eindeutig sagen, weshalb der Mensch schläft. Es lässt sich nur feststellen, dass im Schlaf Verarbeitung von Erlebtem geschieht, auch Erholung und Entspannung. Und es werden im Gehirn neue Nervenzellverknüpfungen gebildet.» Die konsequente naturwissenschaftliche Erforschung des Schlafes setzt laut dem Experten erst in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Immer klarer stellte sich seither heraus, dass Schlafbedarf und Schlafdauer individuell sind und sich im Verlauf des Lebens auch verändern, wie Thomas Egger weiter ausführte.

Ursprung kann im Körper oder in der Psyche liegen

Nicht jede Mühe beim Schlaf ist gleich eine Störung, die medizinisch behandelt werden muss. Bei den Schlafstörungen werden ‹gestörter Schlaf› (Insomnie) und ‹vermehrter Schlaf› (Hypersomnie) von Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und von Parasomnie (Schlafwandel, Angstträume) unterschieden. Der Ursprung kann im Körperlichen liegen, aber auch mit psychologischen Belastungen (Stress, schwierige Lebensereignisse) zu tun haben; mit psychiatrischen Befunden wie Depression oder Mühen mit Substanzen wie Koffein und Alkohol.

Mentale oder körperliche Entspannungsmethoden

Die Beratung am Zentrum für Schlafmedizin erfolgt nach Thomas Egger meist auf Zuweisung durch den Hausarzt. Und sie besteht vor allem aus einem gründlichen Erst-Gespräch. Daraus leiten sich allenfalls weitere Analysen und therapeutische Massnahmen ab. Diese können beim Schlafrhythmus ansetzen und im Einüben von körperlichen und mentalen Entspannungsmethoden bestehen. Es gibt «Regeln für gesunden Schlaf» und gedankliche Techniken, die mit einem «Gedankenstopp» oder beim Umbau von hindernden Gedanken ansetzen.

Dagmar Schmid unterstrich in ihren Ausführungen zur Schlafforschung, dass es sich beim Schlaf um einen Bereich «individueller Medizin» handelt. Schlafmangel sei relativ zum persönlichen Schlafbedarf. Deshalb gelte ein Teil des Forschungsinteresses dem Erfassen von individuellen Parametern. «Ob jemand eine «Nachteule» oder eine «Lerche», also frühaufstehend ist, ist auch genetisch bedingt und nur beschränkt umpolbar. Licht ist der stärkste Taktgeber der inneren biologischen Uhr», sagte die Leiterin der Klinik für Psychosomatik.

Schlaf kann noch kranker machen

Gibt es Schlafmangel als Folge von Krankheiten, kann er umgekehrt auch verschiedene Krankheiten verursachen oder befördern. Er kann sich auswirken im Hormonhaushalt und zum Beispiel Diabetes (mit-)auslösen. Ist er mit der Ausschüttung von Stresshormonen verbunden, können sich Reizdarmprobleme einstellen. Er kann die Immunabwehr beeinträchtigen und Infekte begünstigen. Auswirkungen im Energiehaushalt können Appetit und Gewicht beeinflussen. Und Störungen in den Affekten können zu Depressionen, auch zu Pseudodemenz führen. Schon die Umstellung auf die Sommerzeit erhöht statistisch das Herzinfarktrisiko, wogegen die Rückkehr zur Normal-Sonnen-Zeit im Herbst es eher vermindert. Ein Mittagsschlaf senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Vorfällen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen nächtliche Atemstillstände wegen Schnarchens (Schlaf-Apnoe-Syndrom). Besondere Probleme bringt auch (Nacht-)Schicht-Arbeit mit sich; wobei schnell, vorwärts-rotierende tägliche Wechsel im 24 Stunden-Rahmen am besten verkraftet werden.

Beratung für Betroffene und auch für Angehörige

Schon im Verlauf ihrer Ausführungen liessen die beiden Fachpersonen Fragen und Bemerkungen zu. Und es gelang ihnen, sachlich differenziert und dabei allgemein verständlich zu sein. Die Klinik für Psychosomatik legt im Schlafbereich denn auch einen starken Akzent auf die Beratung von Betroffenen und ihrer Angehörigen und auf die Zusammenarbeit mit Hausärzten und Pflegepersonal. (pd)

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