Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

VORTRAG: «Dieser Teufelskreis muss weg»

Der Welthunger hat für den Agronomen Hans Rudolf Herren mehrere Gründe. Als Lösung fordert er einen Kurswechsel in der Landwirtschaft. Am Dienstag ist der alternative Nobelpreisträger in Heiden zu Gast.
Jesko Calderara
Mit seiner Stiftung Biovision ist Hans Rudolf Herren vor allem in Afrika tätig.Bild: PD

Mit seiner Stiftung Biovision ist Hans Rudolf Herren vor allem in Afrika tätig.Bild: PD

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Der Landwirtschafts- und Entwicklungsexperte Hans Rudolf Herren gilt als Pionier auf dem Gebiet der biologischen Schädlingsbekämpfung. Als erster Schweizer erhielt er den Welternährungspreis und wurde 2013 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Am kommenden Dienstag spricht der Gründer der Stiftung Biovision um 19 Uhr im Kursaal Heiden zum Thema «So ernähren wir die Welt».

Hans Rudolf Herren, nach einer Hochrechnung der UNO wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen ansteigen. Kann unser Planet überhaupt so viele Menschen ernähren?

Ja, ganz sicher. Wir könnten heute schon über zehn Milliarden Menschen ernähren, da wir weltweit im Überschuss produzieren. Die Mengen an Nahrungsmitteln, die wir wegwerfen, sind ja auch ein Zeichen dafür. Ein anderer Aspekt sind die tiefen Nahrungsmittelpreise, die es natürlich auch erlauben, so viel Nahrung zu ­verschwenden. In den Entwicklungsländern ist der Markt stark verzerrt, da die Industriestaaten subventionierte Überschüsse in diese Länder exportieren und die lokalen Bauern somit kaum wettbewerbsfähig sein können. Die Lösung ist die Lokalisierung der Nahrungssysteme, vor allem auch der Produktion. Damit gewinnen alle.

Warum gibt es heute einerseits Produktionsüberschüsse bei Lebensmitteln und anderseits in einigen Teilen der Welt Hunger?

Die erwähnten Subventionen spielen eine wichtige Rolle. Hinzu kommt noch der Mangel an Investitionen in eine nachhaltige, resiliente und wirtschaftlich erfolgreiche Landwirtschaft. Ohne gezielte Investitionen, vor allem in die Ausbildung und Forschung, sind die Bauern in den Entwicklungsländern nicht konkurrenzfähig. Der globale Handel, obwohl er an der Armutsbekämpfung mitgeholfen hat, muss zudem fairer werden.

Wie müssten die Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme auf dem Weg zu einer ökologischeren Entwicklung umgestellt werden?

Wir wissen eigentlich schon seit sehr langem, dass eine nachhaltige Landwirtschaft nicht auf externe Inputs, wie beispielsweise Kunstdünger und chemische Pestizide, angewiesen ist. Diese Mittel führen nur zu sehr hohen Umwelt- sowie Gesundheitskosten und können nicht die Lösung sein. Warum sollen die kostenlosen Leistungen der Natur mit teuren Kunstprodukten ersetzt werden, um dann weniger gesunde Überschüsse zu produzieren, die wiederum den Preis nach unten drücken? Dieser Teufelskreis muss weg.

Ist die kleinräumige, biologische Produktion wirklich in der Lage, den gewaltigen Nahrungsmittelbedarf der Menschheit zu decken?

Ja, unter den Umständen, die ich oben beschrieben habe. Das kann man heute schon – und morgen noch besser. Niemand spricht aber nur von kleinräumiger Landwirtschaft. Mechanisierung ist sicher auch ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Produktion. Ich spreche daher lieber von Agrarökologie, weil es um weit mehr geht als nur den Biolandbau im engeren Sinn. Was ist kurz erklärt die Idee hinter der Stiftung Biovision? Mit drei Kollegen habe ich diese Stiftung 1998 mit dem Ziel gegründet, die Lebenssituation der Menschen in Afrika nachhaltig zu verbessern und die Natur als Grundlage allen Lebens zu erhalten. «Biovision» sollte dazu beitragen, die Erkenntnisse aus der Forschung, die ich auch selbst über Jahre durchgeführt habe, in die anspruchsvolle Realität der lokalen Bauern einzubringen.

Sie sind ein Pionier in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Warum nehmen Insekten in Ihrer Arbeit einen so hohen Stellenwert ein?

Meine wissenschaftlichen Arbeiten konzentrierten sich stark, aber nicht ausschliesslich auf den Bereich der biologischen Schädlingsbekämpfung. Mir war der Aufbau von resistenten Anbausystemen für eine nachhaltige Produktion sehr wichtig. Als in Afrika die Maniok-Schmierlaus Ende der 1970er-Jahre auftrat, griff man ohne Erfolg sofort zur Chemie. Trotzdem erlebte ich starken Gegenwind mit meiner biologischen Lösung.

Sie setzen mehr auf Wissensvermittlung und Hilfe zur Selbsthilfe. Ist Entwicklungspolitik also keine Frage des Geldes?

Ohne Geld passiert nichts, aber nur mit Geld auch nicht, zumindest nichts Nachhaltiges. Deshalb haben wir uns bei «Biovision» mit dem «Farmer Communication Programme» etwas anderes einfallen lassen. Wir bringen die Akteure des Nahrungssystems zusammen.

Hinweis

30 Jahre Naturladen Heiden, Vortrag mit Hans Rudolf Herren, Dienstag 14. März um 19 Uhr im Kursaal Heiden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.