Vorstoss in bizarre Klangwelten

Auf der unlängst erschienenen CD «Alpness» geht die Formation «Anderscht» mit dem Elektronik-Künstler Bigeneric eine spannende Beziehung ein.

Martin Hüsler
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Eigentlich beginnt es fast «normal»: Taler, die im Becki kreisen, ein sennischer Lockruf für das Vieh, ein sachte einsetzendes Hackbrett. Aber bei genauerem Hinhören bleibt die Normalität bald einmal aussen vor. Sie wird zunächst noch ganz subtil sozusagen unterlaufen, macht dann aber immer mehr dem Aussergewöhnlichen Platz. Bereits «Zytröseli», der erste Track auf der neuen CD «Alpness», lässt erkennen, welch faszinierende Verbindung die aus Andrea Kind, Fredy Zuberbühler und Baldur Stocker bestehende Formation «Anderscht» mit dem als Elektronikmusiker bekannt gewordenen Bigeneric – mit bürgerlichem Namen Marco Repetto – eingegangen ist.

Verzaubernd und berauschend

Das Aussergewöhnliche zieht sich durch alle acht der als Improvisation eingespielten Stücke. Sie tragen so verheissungsvolle Namen wie «Tollchrut» oder «Fabuwäse» oder «Höheruusch».

Was da nicht alles anklingt! Mal wähnt man sich in Sphären, in denen archaisch und urtümlich anmutende Töne ganz neue Perspektiven eröffnen. Mal fühlt man sich geradezu in den Orient versetzt, mal taucht man ein in eine wundersame Fabelwelt. Dann wieder gibt Geheimnisvolles den Klängen Kolorit. Es ist verzaubernde, berauschende und in jedem Fall betörende Musik von geradezu sinnlichem Gehalt.

«Von einem fremden Stern»

Bei «Anderscht» kommen nebst dem Hackbrett und dem Kontrabass – es ist dies die übliche instrumentale Zusammensetzung – auch das Sousaphon, der Santur, die menschliche Stimme und Tonwerkzeug aus dem Perkussionsbereich zum Einsatz. Das alles ergänzt Bigeneric mit seinem elektronischen Arsenal auf kongeniale Weise. Von einer Entführung in merkwürdig-wunderliche Klangräume zu sprechen, wäre nicht verfehlt.

Die CD ist beim Berner Label Inzec Records herausgekommen. Florian Kern von Sektor F, dem im thurgauischen Kesswil domizilierten «Raum für Aktionen aller Art», hatte die Idee, «Anderscht» und Bigeneric zusammenzubringen. In der Ankündigung der CD schreibt er zu Recht von «sensitiver, elegischer und äusserst kreativer musikalischer Virtuosität». Und gerne pflichtet man ihm bei, wenn er «verträumte, spielerische Leichtigkeit» ins Spiel bringt. «Hier entsteht neuartige Musik, voller Mystik, irgendwie Heimat und doch irgendwie von einem fremden Stern. Ein berührendes Werk, das unter die Haut geht.»

Dem ist nichts mehr beizufügen – ausser der Aufforderung, sich «Alpness» nicht vorzuenthalten.