Vorstand wieder komplett

HEMBERG/BÄCHLI. An der vierten Mitgliederversammlung des Vereins Kultur Toggenburg mussten zwei Vakanzen im Vorstand neu besetzt werden. Nach dem Rücktritt zweier Vertreter aus dem Bereich Kultur konnten diese ebenfalls durch Kulturschaffende aus der Region ersetzt werden.

Urs M. Hemm
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Der neue und alte Vorstand (von links): Vreni Wild (Gemeindepräsidentin Neckertal), Katrin Meier (Amt für Kultur St. Gallen, i. V. von Ursula Badrutt), Christian Spoerlé (Gemeindepräsident Ebnat-Kappel, Präsident) Rea Brändle (Autorin), Nicolas Sourvinos (alt), Maura Kressig (Studentin, neu), Martin Winiger (alt), Simon Winiger (Musiklehrer, neu). Ferner: Max Gmür (Gemeinderat Mosnang) und Martin Sailer (Veranstalter). (Bild: Urs M. Hemm)

Der neue und alte Vorstand (von links): Vreni Wild (Gemeindepräsidentin Neckertal), Katrin Meier (Amt für Kultur St. Gallen, i. V. von Ursula Badrutt), Christian Spoerlé (Gemeindepräsident Ebnat-Kappel, Präsident) Rea Brändle (Autorin), Nicolas Sourvinos (alt), Maura Kressig (Studentin, neu), Martin Winiger (alt), Simon Winiger (Musiklehrer, neu). Ferner: Max Gmür (Gemeinderat Mosnang) und Martin Sailer (Veranstalter). (Bild: Urs M. Hemm)

Die gestrige Mitgliederversammlung des Vereins Kultur Toggenburg im Restaurant Frohwies, Bächli, stand ganz im Zeichen von Erneuerungswahlen – notabene die erste seit der Gründung des Vereins vor vier Jahren. Ihren Rücktritt aus dem Vorstand gaben Martin Winiger, Musiklehrer, sowie Nicolas Sourvinos, der als Grafikdesigner unter anderem das Vereinslogo kreiert hatte. Neu in den Vorstand gewählt wurde die Wattwilerin Maura Kressig, zurzeit Studentin für Sozialarbeit mit Schwerpunkt Zusammenleben und Kultur in Luzern und Gründungsmitglied des Vereins Arthur Junior. Ebenso gewählt wurde Simon Winiger (nicht verwandt mit Martin) aus Dietschwil, der unter anderem als Musiklehrer für E-Bass an der Kantonsschule Wattwil tätig ist. Vorstandspräsident Christian Spoerlé betonte nach der Wahl, wie wichtig die Mischung im Vorstand zwischen Kulturschaffenden und Politikern sei, um einzelne Entscheide gut begründet fällen zu können und um das Verständnis füreinander zu stärken. Der Jahresbericht, die Rechnung 2014 sowie das Budget 2015 wurden vorab bereits einstimmig genehmigt.

Verein hat sich etabliert

Im vergangenen Jahr wurden einzelne Projekte mit insgesamt rund 91 600 Franken unterstützt. Aufgrund von Leistungsvereinbarungen wurden in Form von Jahresbeiträgen 75 900 Franken ausbezahlt (siehe Kasten). Insbesondere die Praxis der Leistungsvereinbarungen habe sich bestens bewährt. «Solche Abkommen haben wir erstmals vor zwei Jahren für die Dauer von jeweils zwei Jahren getroffen. Dies vor allem mit Institutionen und Vereinen, die sich wiederholende Veranstaltungen durchführen oder ein festes Jahresprogramm vorweisen können», erläuterte Christian Spoerlé. Da diese Leistungsvereinbarungen abgelaufen waren und neu verhandelt werden mussten, habe der Vorstand den Zeitpunkt genutzt und entschieden, die Vereinbarungen künftig für die Dauer von drei Jahren zu treffen. «Dies mindert zum einen den Aufwand für den Vorstand, der die teilweise umfangreichen Anträge prüfen muss. Zum anderen bringen wir so eine gewisse Kontinuität in die Abläufe.» Anträge für einmalige Veranstaltungen werden nach wie vor einzeln geprüft. Total wurden im vergangenen Jahr 61 Gesuche überprüft.

Allgemein sei zu bemerken, dass sich Kultur Toggenburg etabliert habe, dass der Verein von den Kulturschaffenden in der Region wahrgenommen und geschätzt werde. «Zurückzuführen ist das nicht zuletzt darauf, dass die Vorstandsmitglieder viele Anlässe persönlich besuchen. Dies einerseits, um Kontakte pflegen, andererseits, um Anträge besser beurteilen zu können», sagte Spoerlé.

Die positive Entwicklung und stete Professionalisierung von Kultur Toggenburg bestätigte auch Katrin Meier, Leiterin des kantonalen Amts für Kultur, auch wenn die finanziellen Mittel des Vereins noch beschränkt seien. Sie hob zudem die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Kultur Toggenburg hervor.

Verleihung Wanderpreis

2014 wurde zum ersten Mal der Wanderpreis von Kultur Toggenburg verliehen. Gewinnerin war die Wattwiler Tanzpädagogin Evelyn Rigotti. Die Idee des Wanderpreises ist, dass der – oder in diesem Fall – die Preisträgerin ihre Nachfolge selbst bestimmt. Die einzigen Voraussetzungen sind, dass der Künstler oder die Künstlerin in einer anderen Kunstsparte tätig ist und aus einer anderen Gemeinde kommt. Wer es in diesem Jahr wird, hält Evelyn Rigotti bis zur Verleihung am 25. April in der Webstube Bühl, Nesslau, jedoch noch geheim. Als weiterer Höhepunkt des vergangenen Jahres wurde das Kulturforum genannt, an welchem auf die Entwicklung des kulturellen Schaffens und auf 35 Jahre Kulturförderung im Toggenburg Rückschau gehalten wurde.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung hielt die Autorin Rea Brändle ein Kurzreferat zum Thema Kulturpolitische Haltungen. Sie beschrieb darin die Entwicklung von der alleinigen Förderung von Denkmälern und städtischen Institutionen bis weit ins 20. Jahrhundert über die Erweiterung des Kulturbegriffs Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre, als im Toggenburg Institutionen wie das Chössi-Theater oder das «Passerelle» entstanden, bis hin zur Kulturpolitik aus dem Bauchgefühl (Leidenschaft) oder als Instrument der Standortförderung in der heutigen Zeit. Rea Brändle überliess es den Anwesenden, sich zu hinterfragen, welche Haltung sie in der Kulturpolitik vertreten.

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