Vorsicht vor Kommissar Facebook

Vor zwei Tagen behauptete ein Facebook-Nutzer, er habe in Herisau einen Pädophilen enttarnt. Die Meldung hat bei vielen für Angst gesorgt. Die Polizei warnt davor, bei Verdächtigungen den Weg über die sozialen Medien zu wählen.

Roger Fuchs
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Über die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Herisau, wenn . . .» hat ein User die Meldung bezüglich eines Pädophilen in Herisau gestreut. (Bild: Stephanie Sonderegger)

Über die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Herisau, wenn . . .» hat ein User die Meldung bezüglich eines Pädophilen in Herisau gestreut. (Bild: Stephanie Sonderegger)

HERISAU. Verschiedene Medien hatten vorgestern den Facebook-Eintrag eines Users aufgegriffen, wonach dieser eine pädophile Person in Herisau enttarnt haben will. Gestreut wurde die Meldung über die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Herisau, wenn…». Abends war besagter Post gelöscht. Die Polizei konnte die Gefahr vor einem Pädophilen nicht bestätigen, weshalb die Appenzeller Zeitung die Geschichte bislang nicht aufgriff.

Gestern doppelte der Schreiber nach: «Obwohl ich bei der Polizei war und eine Anzeige machte, läuft der Pädophile noch frei herum.» Zudem habe man seine gepostete Warnung löschen lassen.

Polizei hat einen Namen

Marcel Wehrlin, Leiter Mediendienst der Ausserrhoder Kantonspolizei, bestätigt, dass eine Sachbearbeiterin Kontakt mit dem Verfasser der Facebook-Einträge hatte. «Der Polizei liegt auch der Name des Angeschuldigten vor. Von der Schilderung her ist aber alles sehr vage und die Verdächtigung hat sich nicht erhärtet.»

Gemäss Marcel Wehrlin wurde der Schreiber darauf aufmerksam gemacht, dass es heikel sei, solche Meldungen in den sozialen Medien zu streuen. Man habe ihn gebeten, diese wieder zu löschen. Die Polizei selbst habe aber nicht für die Löschung des Eintrags gesorgt. Unabhängig von diesem Fall führt der Mediensprecher aus, dass bei einem konkreten Verdacht auf eine strafbare Handlung die erste Anlaufstelle immer die Polizei sein sollte – dies telefonisch oder direkt auf dem Polizeiposten. Meldungen einfach im öffentlichen Raum zu streuen, könne eine ungewollte Dynamik und vor allem auch Ängste auslösen. «Und womöglich sind diese am Schluss gar nicht gerechtfertigt», so Marcel Wehrlin. Letztlich gehe durch einen verfrühten öffentlichen Austausch auch die Objektivität verloren. Hätte der Verfasser der Meldung im Internet noch den Namen des Verdächtigten genannt, so hätte sich der Schreiber selbst strafbar gemacht und der Beschuldigte hätte wegen falscher Anschuldigungen Anzeige erstatten können.

Plötzlich wird alles hinterfragt

Aufgrund des Facebook-Eintrages sind bei der Polizei weitere Meldungen eingegangen. Selbst natürliche Sachen, wie wenn beispielsweise ein Vater mit seinem Kind unterwegs sei, würden auf einmal als Gefahr betrachtet. «Für die Kinder in Herisau herrscht aber kein grösseres Risiko als vorher», sagt Marcel Wehrlin. Sicher werde die Polizei auch in Bezug auf die genannte Person noch genauer hinschauen und Abklärungen tätigen.

Der Facebook-Schreiber hat zwischenzeitlich auch seinen gestrigen Nachtrag vom Netz entfernt.

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