VORPREMIERE: Denkmal und Inspiration

«Die göttliche Ordnung» ist der erste Spielfilm über das Schweizer Frauenstimmrecht und teilweise im Appenzellerland gedreht worden. Er definiert sich nicht ausschliesslich als Rückblick.

Lukas Pfiffner
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Yves Noël Balmer, der Präsident des Vereins Cinetreff, begrüsst Regisseurin Petra Volpe. (Bild: Lukas Pfiffner)

Yves Noël Balmer, der Präsident des Vereins Cinetreff, begrüsst Regisseurin Petra Volpe. (Bild: Lukas Pfiffner)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Sie habe soeben den Jungbürgern eingeheizt, erzählte Regisseurin Petra Volpe. Abzustimmen sei ein hohes Gut. «Es gilt, dieses demokratische Recht unbedingt wahrzunehmen.» Die Gemeinde Herisau hatte die vorgestrige Vorpremiere des Films «Die göttliche Ordnung» mit einer Einladung der Jungbürgerinnen und Jungbürger verbunden: 36 junge Erwachsene sahen sich den Film an und durften der Regisseurin Fragen stellen. Anschliessend offerierte die Gemeinde den Jungbürgern und Jungbürgerinnen im Einwohnerratssaal einen Apéro riche. Auch Yves Noël Balmer, der Präsident des Vereins Cinetreff, befragte die Regisseurin, die in den letzten Tagen vor dem offiziellen Kinostart zahlreiche Auftritte und Medientermine wahrnimmt (siehe auch Ausgabe von vorgestern, Seiten 2 und 3). «Es geht um Zivilcourage. Wir wollen inspirieren und hoffen, viele Leute schauen den Film», meinte Volpe – und Balmer zeigte in den Saal. Der war voll, und im Nachbarraum lief der Film ebenfalls. Unter den Zuschauern befanden sich einige geladene Gäste aus Politik, Kultur und Stiftungen.

Der Frieden gerät ins Wanken

Nora ist eine Hausfrau und Mutter, die 1971 mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem Schweizer Dorf lebt (zu den Drehorten ­gehörten Trogen und Herisau). Der Dorf- und Familienfrieden kommt ins Wanken, als Nora beginnt, sich für das Frauenstimmrecht einzusetzen. «Die göttliche Ordnung» ist der erste Spielfilm über das Schweizer Frauenstimmrecht und dessen Einführung. Er soll den Menschen ein Denkmal setzen, die für gleiche politische Rechte gekämpft haben, wie jenen, die sich auch heute für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung engagieren. «Der Kampf geht weiter», meinte eine der Darstellerinnen, Rachel Braunschweig. «Das zeigt sich etwa darin, dass ich kämpfen muss, um den gleichen Lohn wie die männlichen Schauspielkollegen zu erhalten.» Entsprechend leicht sei es ihr gefallen, sich in die Rolle hineinzuversetzen.

Doppelte Verzweiflung ist spürbar

Die Mutter fordert von ihren Söhnen, sie sollen die Milch selber an den Tisch holen. «Aber wir sind Buben.» «Wenn ihr die Modelleisenbahn zusammenbauen könnt, werdet ihr auch abtrocknen können.» Der Spross will nicht mehr in die Schule gehen. «Die Kollegen sagen, du seiest eine Wanze.» Der Bruder korrigiert: «Emanze, du Hirni!» Als Komödie wird der Film offiziell bezeichnet. Ja, es kommen lustige, auch überzeichnete Momente und Dialoge vor. Die Verzweiflung der Protagonisten ist aber spürbar, die Szenen regen in erster Linie zum Nachdenken an. Politisch aktive Frauen sollen kein Widerspruch zur göttlichen Ordnung sein. Der Weg zur erfolgreichen Abstimmung wird dramatisch geschildert. «Das psychische Leid, die Verunsicherung werden deutlich. Nicht nur bei der Frau, auf beiden Seiten. Der Mann will doch ein guter Mann sein», meinte Marianne Kleiner, einst erste Frau Landammann in Ausserrhoden. Eine weitere Vorpremiere in Herisau ist auf den nächsten Mittwoch, 20 Uhr, angesetzt. Jener Abend wird durch ein Frauenpodium eingeleitet und von der ehemaligen SRF-Redaktorin Sara Hildebrand moderiert. Teilnehmerinnen sind Regierungsrätin Marianne Koller, Helene Aecherli (Redaktorin der Frauenzeitschrift «Annabelle»), Elisabeth Kunz (eine der ersten beiden Ausserrhoder Kantonsrätinnen) sowie die Kantonsrätin Judith Egger.

Rahmenprogramm auch in Heiden

Die Matinee von morgen Sonntag im Kino Rosental, Heiden, steht unter dem Motto: «Die Frauenzentrale Appenzell Ausserrhoden zu Gast». Um 10.30 Uhr begrüsst Co-Präsidentin Barbara Zeller zum Rahmenprogramm von «Die göttliche Ordnung». Eliane Kobler gibt Einblicke in die ­Maturaarbeit «Frau sein in der Schweiz in den 1970er-Jahren». Anschliessend vermitteln die Vorstandsmitglieder Katharina Kobler und Caterina Mancuso Eindrücke von der Arbeit als ­Statistin. Um 11 Uhr beginnt der Film. Dann äussert sich Re­gierungsratskandidatin Inge Schmid. Nach dem Schluss der Veranstaltung ist die Rosenbar geöffnet. Am Dienstag, 7. März, findet eine öffentliche Vorführung des Films im Kino Rosental statt. Zu Beginn (19 Uhr) unterhält sich Katharina Kobler mit der Regisseurin Petra Volpe.