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Vorgaben bald auch für Operateure

Das Spital Bülach wehrt sich gegen Mindestfallzahlen für operierende Ärzte. Seine Klage wird letztinstanzlich abgewiesen. Ausserrhoden führt diese Änderung ein, Innerrhoden nicht.
Monika Egli
Schon bald sollen Operierende für spezialisierte Eingriffe eine gewisse Anzahl pro Jahr leisten, um «Gelegenheits-OPs» zu vermeiden. (Bild: Jil Lohse (Kantonsspital St. Gallen, 2017))

Schon bald sollen Operierende für spezialisierte Eingriffe eine gewisse Anzahl pro Jahr leisten, um «Gelegenheits-OPs» zu vermeiden. (Bild: Jil Lohse (Kantonsspital St. Gallen, 2017))

Appenzell Ausserrhoden hat von Anfang an, also bereits ab 2012, das sogenannte Konzept der Spitalplanungs-Leistungsgruppen für seine Spitalplanung übernommen (siehe unten: "Darum gehts"). Dieses vom Kanton Zürich entwickelte Instrument, das laufend weiterentwickelt wird, hat die Gesundheitsdirektorenkonferenz den Kantonen zur Übernahme empfohlen; fast alle wenden es an. Wegen Abwesenheit des Gesundheitsdirektors erklärt Georg Amstutz als Leiter des Kommunikationsdienstes dazu: «Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Fall Spital Bülach hat auf unseren Kanton keine unmittelbare Auswirkung.» Denn schon heute werden Anforderungen betreffend Mindestfallzahlen an die Spitäler gestellt. «Da Mindestfallzahlen vor allem bei spezialisierten medizinischen Eingriffen vorgesehen sind, sind die somatischen Spitäler im Kanton weniger betroffen.» Von den in der geltenden Ausserrhoder Spitalplanung aufgeführten 137 Leistungsgruppen werden schweizweit bei 28 Gruppen Mindestfallzahlen verlangt. Bei den Spitälern mit einem Standort im Kanton kommen 4 von diesen 28 Leistungsgruppen zur Anwendung. Sie betreffen einen Teilbereich der Gefässchirurgie und einen Teilbereich der Urologie. Die geltende Spitalliste setzt jeweils zehn Mindestfallzahlen für das Spital voraus. Mit der nächsten Spitalplanung wird auch Appenzell Ausserrhoden das weiterentwickelte Konzept anwenden; es sieht neu auch Mindestfallzahlen pro Operateur vor. Georg Amstutz sieht in der Bestimmung von Mindestfallzahlen eine Verbesserung der Qualität und der Patientensicherheit. «Man erhofft sich auch einen positiven Einfluss auf die Kosten.»

Innerrhoden setzt auf andere Instrumente

«Unser Spital bietet lediglich eine Grundversorgung an, deshalb sind Mindestfallzahlen, wie von der Gesundheitsdirektorenkonferenz empfohlen, für uns nur ein marginales Thema», sagt Antonia Fässler, Vorsteherin des Gesundheits- und Sozialdepartements AI. Mindestfallzahlen sieht sie als Indikatoren, «aber Ergebnisqualität kann man damit nicht messen». In Appenzell wendet man andere Instrumente an, die indirekt einen Qualitätsnachweis erbringen. So ist man Mitglied im «Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken» (ANQ). Der ANQ realisiert einheitliche Qualitätsmessungen in den somatischen Spitälern, der Rehabilitation und Psychiatrie. Die Resultate, zum Beispiel bei der Messung der Patientenzufriedenheit, ermöglichen es den Spitälern, sich national zu vergleichen und gezielte Massnahmen zur Qualitätssteigerung zu entwickeln. Der Verein bietet auch Schulungen an und führt ein Implantat-Register. Laut ANQ führen rund 400 Spitäler und Kliniken in der Schweiz diese Qualitätsmessungen regelmässig durch. «Mindestfallzahlen», sagt die Statthalterin, «sind eher ein Steuerungsinstrument.» Höchste Priorität habe das Verantwortungsgefühl aller im Spital Arbeitenden sowie das Einhalten der fachlichen Grenzen.

Darum geht’s: Kleine müssen sich fügen

Mindestfallzahlen  Der Kanton Zürich hat 2012 als Vorreiter für einzelne spezialisierte medizinische Eingriffe in Spitälern Mindestfallzahlen festgelegt. Das heisst: Bestimmte spezialisierte Eingriffe müssen in einem Spital während eines Jahres zum Beispiel zehn Mal durchgeführt werden. Unterdessen wenden die meisten Kantone dieses Konzept mit den Spitalplanungs-Leistungsgruppen und den Vorgaben zu Mindestfallzahlen an. Denn grundsätzlich gelte: Mit steigender Fallzahl steigen die Qualität der Behandlung und die Patientensicherheit. Angefangen wurde 2012 mit jährlich zehn Fällen pro Spital und Behandlung. Unterdessen wurde die Liste laufend weiterentwickelt und umfasst im Moment 137 Leistungsgruppen. Dieses Prinzip habe sich bewährt: So sank laut einer Studie zwischen 2012 und 2015 die Mortalität bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen mehr als doppelt so stark, und die Fallkosten stiegen bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen rund dreimal weniger stark. Von der ärztlichen Seite wird allerdings darauf hingewiesen, dass die Mindestfallzahlen bezüglich Qualitätssteigerung nur einen Baustein unter vielen darstellen.


Neu gelten im Kanton Zürich für einzelne spezialisierte Eingriffe ab 2019 auch Mindestfallzahlen pro Operateur, da sich dadurch die Behandlungsqualität weiter verbessern lasse. In erster Linie sollen damit «Gelegenheitsoperationen» ausgeschlossen werden. Von den Mindestfallzahlen für Operateure fühlte sich das vergleichsweise kleine Regionalspital Bülach mit tendenziell tiefen Fallzahlen überdurchschnittlich betroffen. Es erhob Einsprache, der Zürcher Regierungsrat wies die Beschwerde ab. In der Folge gelangte das Spital Bülach ans Bundesverwaltungsgericht und erlitt dort kürzlich eine Niederlage. Denn: Die Kantone sind im Rahmen der stationären Spitalplanung und der Festsetzung der Spitallisten befugt, Vorgaben zu Qualität und Mindestfallzahlen zu machen. Das Urteil ist rechtskräftig. (eg)


Hinweis
Quelle: medinside, Portal für die Gesundheitsbranche, www.medinside.ch

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