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Kein neuer Finanzausgleich für Appenzeller Landeskirche

Emotionale Wortmeldungen begleiteten die gestrige Synode der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell. Der neue Finanzausgleich wird vom Kirchenrat zurückgezogen. Eine Urnäscherin präsidiert künftig die Synode.
Roger Fuchs

Lange kann es mit dem aktuell gültigen Finanzausgleich bei der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell nicht mehr weitergehen. Noch dreimal Nettobezüge aus dem Zentralfonds von gut 100000 Franken wie für das jetzt laufende Jahr und der besagte Fonds ist leer. Und so folgte an der gestrigen Synode, der Sitzung des Kirchenparlaments, die zweite Lesung für ein neues Reglement Finanzausgleich. Inhaltlich sah dieses einen völlig neuen Ansatz vor. Die bisherige finanzielle Grundausstattung auch für Kleinstgemeinden sollte wegfallen. Stattdessen wollte der Kirchenrat einen reinen Finanzausgleich mit Mindestausstattung für Kirchgemeinden mit unterdurchschnittlicher Steuerkraft schaffen.

An der Synode kam es anders. Verschiedentlich hagelte es Kritik. Namens der Geschäftsprüfungskommission (GPK) sagte Präsident Hansueli Nef, dass ein neues Reglement Finanzausgleich die Diskussionen im Hinblick auf eine Totalrevision der Kirchenverfassung zementieren könnte. Auch hätten Voten aus der ersten Lesung kaum Niederschlag gefunden. Der Synodale Martin Breitenmoser aus Appenzell unterstütze die von der GPK beantragte Rückweisung. Er machte klar, dass die Kirche in Innerrhoden anders tickt als in Ausserrhoden. Dienstleistungen, welche für Ausserrhoder Kirchgemeinden wichtig seien, würden in Innerrhoden nicht in Anspruch genommen. Der Synodale und Pfarrer Bernhard Rothen von Hundwil kritisierte, dass der Kirchenrat sich kaum Zeit genommen habe, sich die Überlegungen der Kirchenvorsteherschaft von Hundwil – notabene eine der drei meistbetroffenen Kirchgemeinden – anzuhören. «Das ist eine Geringschätzung der Kivo», so Rothen, der damit eine Reaktion des Kirchenpräsidenten Koni Bruderer provozierte. Sie hätten eine zweistellige Anzahl an Vorschlägen für Treffen gemacht. Die Pfarrerin und Synodale Martina Tapernoux von Heiden analysierte sodann, dass inzwischen wohl auch viele Einzelinteressen die Diskussion rund um den Finanzausgleich mitprägen würden.

Nach einem vom Kirchenrat beantragten Unterbruch zog dieser das Geschäft zurück. Es herrschte minutenlange Konfusion über die Konsequenzen. Bis Kirchenrat und Finanzchef Thomas Gugger klärte: «Der Kirchenrat tut das neue Reglement in eine Schublade und nimmt es nach der Verfassungsrevision wieder nach vorne.» Im Rahmen des Berichts zum Finanzausgleich 2018 zeigte kurz darauf eine Konsultativabstimmung, welche Stossrichtung die Synodalen befürworten würden: Sieben votierten für eine höhere Zentralfondssteuer, 18 für eine Reduktion der Leistungen und 24 sprachen sich für einen Mix aus den ersten zwei Varianten aus.

Lange Debatte um Bezüge aus Projektfonds

Des Weiteren lagen gestern zwei Anträge für Bezüge aus dem Projektfonds vor. Zum einen wollten die Vorderländer Kirchgemeinden 37000 Franken für das Projekt «Zusammenarbeit zwischen den Kirchgemeinden», zum anderen sollten Bezüge von insgesamt 80000 Franken zur Umsetzung des Diakoniekonzepts für die Jahre 2019 bis 2021 genehmigt werden. Beides kam durch, das zweite aber erst nach längerer Diskussion und abgelehntem Rückweisungsantrag. Aus mehreren Kirchgemeinden bemängelten Synodale, dass sie keine Freiwilligen hätten für ein sogenanntes Diakonie-Netzwerk, wie man es aufbauen will. Auch dass nach drei Jahren das Projekt wieder vorbei sein soll, stiess auf Kritik. Das Faktum, dass durch diese Geldentnahme weitere Fondsbezüge stark reduziert würden, gefiel nicht allen.

Ein weiteres Mal Klartext sprach bei der Absegnung des Jahresberichts der bereits genannte Pfarrer Bernhard Rothen. Er wünschte mehr Ehrlichkeit. Keines der Legislaturziele sei bislang erreicht worden. Worauf Kirchenratspräsident Koni Bruderer Einspruch erhob: Die Kommunikation und der Austausch als eines der Ziele würden intensiv gefördert. Die Aktivitäten im Reformationsjubiläum seien hoch gewesen, was ebenfalls eines der Ziele war. Auch würden Kirchgemeinden inhaltlich und fachlich unterstützt.

Weitere Sachgeschäfte und Wahl

Die Jahresrechnung mit einem Gewinn von 70000 Franken passierte zügig. Die Totalrevision der Kirchenverfassung kann angepackt werden. Pfarrer Lars Syring aus Bühler zog seine Motion für ein neues Leitbild zurück. Ein freudiger Höhepunkt war die Wahl der neuen Synodalpräsidentin. Die bisherige Vize Sibylle Blumer aus Urnäsch folgt auf Heidi Steffen, Herisau. Amtswechsel ist am 1. September.

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