«Vorderland untervertreten»

Nehmen die Wähler am Sonntag die «Teilrevision des Gesetzes über die politischen Rechte» an, gehen dem Appenzeller Vorderland drei Kantonsratssitze verloren. Ein Stimmungsbericht.

Karin Steffen
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Gemeindepräsidentin Erika Streuli aus Grub befürchtet eine starke Benachteiligung der kleinen Gemeinden. (Bild: Archiv apz)

Gemeindepräsidentin Erika Streuli aus Grub befürchtet eine starke Benachteiligung der kleinen Gemeinden. (Bild: Archiv apz)

VORDERLAND. Die Vorderländer Gemeinden sind sich nicht einig. Unbestritten ist jedoch, dass das Appenzeller Vorderland nach der neuen Sitzverteilung mit 16 Sitzen im Kantonsrat am schlechtesten vertreten sein wird. Das rücke die Vorderländer noch weiter von Herisau weg, bemängeln viele Vorderländer. Dieser Meinung ist auch Norbert Näf, Kantonsrat und Gemeindepräsident aus Heiden. «Es schlagen zwei Seelen in meiner Brust», gesteht Näf. Abgesehen von der Schwächung des Vorderlandes stuft er die Neuverteilung der Kantonsratssitze jedoch als richtig ein. «Wähler aus einwohnerstarken Gemeinden wie Herisau oder Heiden konnten sich bis anhin nicht gleichberechtigt mit Wählern aus Reute fühlen», begründet Näf.

«Nicht rechtmässig»

Ob diese Abstimmung rechtmässig ist, bezweifelt jedoch die Lesegesellschaft Schachen bei Reute. Daniel Mettler, Präsident der Lesegesellschaft Schachen, besteht darauf, dass der Kantonsverfassung bei der Ratszusammensetzung die vereinigte Bundesversammlung zugrunde liege und diese garantiere auch den kleineren Ständen eine stärkere Vertretung. Würde die Kantonsverfassung so ausgelegt, müsste diese, nach Meinung der Lesegesellschaft Schachen, geändert werden, bevor über eine Neuverteilung abgestimmt werden könnte.

«Zwängerei der Parteien»

Heinz Keller, alt Kantonsratspräsident und alt Gemeindepräsident Grub, wie auch Ernst Pletscher, Kantonsrat und Gemeindepräsident Reute, sehen in dieser Abstimmung «eine Zwängerei der Parteien, vor allem aus Herisau». Nachdem Keller jedoch der Überzeugung ist, die Sitzverteilung solle belassen bleiben wie bisher, versteht Pletscher die Begehrlichkeiten der grossen Gemeinden, auch wenn er den Machtkampf der Parteien nicht gutheissen kann. Er ist aber der Meinung, dass die Gemeindepräsidentenkonferenz sowieso den direkteren Draht zur Regierung habe und so die einzelnen Gemeinden gut vertreten seien.

Aufregung hält sich in Grenzen

Unterschiedlicher Meinung sind die Gemeindepräsidenten aus Wald und Grub. Beide würden bei Annahme der Abstimmung einen von je zwei Sitzen verlieren. Erika Streuli aus Grub befürchtet eine starke Benachteiligung der kleinen Gemeinden allgemein. «Manchmal merken die Menschen erst zu spät, dass es falsch war», sagt sie, mit Blick auf die neue Rechnungslegung HRM2. Für Jakob Egli aus Wald hält sich die Aufregung in Grenzen. Er ist davon überzeugt, dass der Kantonsrat die Anliegen des gesamten Kantons nach bestem Wissen und Gewissen behandelt.