Voranschlag 2015 mit roten Zahlen

Gemeindepräsident Rolf Züllig legte an der Bürgerversammlung in Wildhaus-Alt St. Johann für 2015 ein Budget mit einem Aufwandüberschuss von rund 567 000 Franken vor. Weitere Themen waren die Dorfplatzgestaltung sowie die Schliessung der Alters- und Pflegewohngruppe Sunnehalb.

Jesko Calderara
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Der Dorfplatz in Wildhaus soll neu gestaltet werden. Der dafür notwendige Projektierungskredit ist in der Investitionsrechnung 2015 enthalten. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Der Dorfplatz in Wildhaus soll neu gestaltet werden. Der dafür notwendige Projektierungskredit ist in der Investitionsrechnung 2015 enthalten. (Bild: Beatrice Bollhalder)

WILDHAUS-ALT ST. JOHANN. Das Budget 2015 der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann warf am Montagabend an der Bürgerversammlung im Mehrzweckgebäude Chuchitobel keine grossen Wellen. Diskussionslos genehmigten die 114 Anwesenden den Voranschlag. Dieser sieht einen Aufwandüberschuss von 567 000 Franken vor. Gleichzeitig sprach sich die Bürgerschaft dafür aus, den Steuerfuss bei 148 Prozent zu belassen. Für das laufende Jahr hatte der Gemeinderat ursprünglich mit einem Defizit von rund 821 000 Franken gerechnet. «Dieses wird nach heutigem Stand aber nur ungefähr 400 000 Franken betragen», wagte Gemeindepräsident Rolf Züllig eine Prognose. Auch Mehreinnahmen würden zum besseren Resultat beitragen.

Zwei zusätzliche Klassen

Der Gemeinderat lasse sich davon allerdings bei aller Zufriedenheit nicht blenden, versicherte Züllig. «Das diesjährige Budget sowie jenes für das nächste Jahr stehen im Zeichen der kantonalen Sparmassnahmen und fehlender Buchgewinne.» Gegenüber dem Vorjahr steigen die Gesamtausgaben im Budget 2015 auf fast 18,3 Millionen Franken an. 29 Prozent oder annähernd 5,3 Millionen Franken davon investiert die Gemeinde in die Bildung, den grössten Ausgabenposten. Dabei steigen insbesondere die Personalkosten an, weil aufgrund steigender Schülerzahlen je eine zusätzliche Kindergarten- und Primarschulklasse eröffnet werden müssen. Zu höheren Kosten führt auch die Ausfinanzierung der Unterdeckung beim Rentner-Deckungskapital oder Mehrausgaben in den Bereichen Verkehr sowie Gesundheit. Auf der Ertragsseite rechnet die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann mit Mehreinnahmen bei den Steuern. Es gebe einige wenige gute Steuerzahler, die das Ergebnis markant beeinflussten, sagte Rolf Züllig. «Es wird aber niemand pauschal besteuert.» Aus dem kantonalen Finanzausgleich dürfte 2015 dagegen weniger Geld in die Gemeindekasse fliessen. Dessen Höhe bemisst sich jeweils nach den vorherigen Abschlüssen. Eingeplant sind knapp 2,6 Millionen Franken.

In der Investitionsrechnung 2015 plant der Gemeinderat mit Nettoinvestitionen von rund 1,5 Millionen Franken. Darunter sind nebst der jährlich anfallenden Sanierung von Abwasserleitungen 115 000 Franken für die Projektierung eines neuen Primarschulhauses Lisighaus vorgesehen. Darüber hinaus werden nächstes Jahr die Detailplanungen zur Umgestaltung des Dorfplatzes Wildhaus in Angriff genommen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 150 000 Franken, wovon der Kanton einen Teil übernehmen wird. Der Finanzplan sieht bei gleichbleibendem Steuerfuss auch für die nächsten Jahre bis 2020 rote Zahlen vor. Diese Defizite sollen wie der diesjährige Aufwandüberschuss durch das Eigenkapital, welches zurzeit über vier Millionen Franken beträgt, aufgefangen werden.

Angst vor Parkplatzverlust

In der anschliessenden Umfrage war der Dorfplatz in Wildhaus ein Thema. Mehrere Votanten befürchteten bei dessen Neugestaltung den Verlust von Parkplätzen. Zudem wurden die hohen Planungskosten bemängelt. Rolf Züllig verteidigte allerdings das Vorhaben. «Ich bin überzeugt, dass eine gute Lösung gefunden wird.» Er verwies insbesondere auf die geplante Sanierung der Kantonsstrasse. Der Kanton habe eine grosszügige finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt, sollte die Gemeinde das Projekt gleichzeitig realisieren, betonte Rolf Züllig.

Kritik gab es zur vorgesehenen Sanierung des Fabiwegs. Die 40 000 Franken, welche für diesen Zweck in der Investitionsrechnung reserviert sind, lohnten sich nicht, meinte eine Rednerin. Der Weg sei im Winter nicht begehbar. Wünschenswert wäre aus ihrer Sicht viel eher ein Wanderweg auf der Sonnenseite zwischen Alt St. Johann und Unterwasser. Eine solche Variante wurde laut Rolf Züllig bereits mehrmals geprüft, liess sich aber bis anhin nicht verwirklichen.

Alternative gesucht

Eine Frage aus dem Publikum kam zur angekündigten Schliessung der Alters- und Pflegewohngruppe Sunnehalb auf April des nächsten Jahres. Dieser Schritt sei auch für ihn überraschend gekommen, sagte Züllig. «Zurzeit laufen Abklärungen, wie und wo die Sunnehalb-Bewohner untergebracht werden könnten.» Der Gemeindepräsident gab zudem den definitiven Kauf der Postliegenschaft bekannt. Die Verträge seien am Montagmorgen unterzeichnet worden, sagte er. «Die Zukunft der Postautohaltestelle ist damit gesichert.» Es handle sich beim erworbenen Objekt um eine Renditeimmobilie, die Geld in die Gemeindekasse bringe.