«Vor vier Uhr geht keiner nach Hause»

KRINAU. «Echo vom Rütiberg», «Trio Murbach», «Forrer-Dütschler». Namen die man kennt in der Szene. Junge Musikantinnen und Musikanten, Handörgeler die meisten, Kontrabassspieler die zweitmeisten.

Drucken
Teilen
Auf der Bühne «Forrer-Dütschler», es riecht nach Pommes frites und der Krüger-Ofen bläst warme Luft ins volle Zelt: Gruebefescht 2013. (Bild: Michael Hug)

Auf der Bühne «Forrer-Dütschler», es riecht nach Pommes frites und der Krüger-Ofen bläst warme Luft ins volle Zelt: Gruebefescht 2013. (Bild: Michael Hug)

KRINAU. «Echo vom Rütiberg», «Trio Murbach», «Forrer-Dütschler». Namen die man kennt in der Szene. Junge Musikantinnen und Musikanten, Handörgeler die meisten, Kontrabassspieler die zweitmeisten. Jede Viertelstunde eine neue Formation, begrüsst von Moderator Frowin Neff mit der Aufforderung ans Publikum für einen herzlichen Applaus. Frowin Neff ist eine Frohnatur, da kommt Stimmung auf, kaum dass er den Mund aufmacht. Auch er ist Teil der Tradition «Gruebefescht», seit mehr als zehn Jahren dabei, sei's als Moderator oder als Musizierender, am Fest, das nun auch schon ins 27. Jahr geht.

Es geht Schlag auf Schlag

«Trio Chüeisgruess», «Echo vom Wäldli», «Trio Älplergmüet». Es geht Schlag auf Schlag. Drei «Stückli», dann ein Glas Wein, vom Veranstalter Hans Brunner gespendet, noch ein letztes «Stückli», dann die nächsten. «Duo Heidi und Andreas», «Trio Chnüsperlibuebe», «Trio Waldhöttli». Gegen 21.30 Uhr ist das Zelt voll, ein paar Hundert Menschen sind nun da, junge Leute vorwiegend, draussen stehen nochmals so viele an der Bar. Günstiger ist das, weil es dort keinen Eintritt kostet. Die, die drinnen sind, sind nicht nur wegen der Musik drinnen, sondern auch, weil es drinnen geheizt ist und man sitzen kann.

Behauptungen böser Zungen

«Wilketgruess», «Moos am Rogge», «Echo vom Äelpli». Vor vier Uhr geht man nicht nach Hause beim «Gruebefescht», sagen Habitués. Bösere Zungen behaupten, das jährliche Fest am letzten Juniwochenende sei ein Balzplatz für den Bauernnachwuchs. Etwas ungleich verteilt sind dabei die Chancen, weil viel mehr Söhne als Töchter in die Grueben hinauf strömen. Bisweilen habe das Ungleichgewicht auch schon zu handfesten Reibereien geführt, hört man. Doch alles in allem ist das «Gruebefescht» ein gesitteter Anlass, an dem die Freude und der Tanz und die Lebenslust im Vordergrund stehen. Hedonismus in fast allen seinen Ausprägungen: Trinken, Essen, Rauchen, Schnupfen, Tanzen und eben Balzen.

Je länger der Abend

«Echo vom Forstberg», «Trio Gantegruess», «Turbo-Örgeler». Je länger der Abend, desto mehr tritt die Musik in den Hintergrund, obwohl die Musikanten stets vorne auf der Bühne sitzen, im Sicht- und Hörfeld aller.

Und obwohl der Moderator Frowin Neff die Vorträge jede Viertelstunde unterbricht und dabei Fröhlichkeit verbreitet mit seinem breiten Innerrhoder Dialekt. Diesem Mann würde man unbesehen einen ganzen Lastwagen voll Bier abkaufen. Als Aussendienstmitarbeiter einer Innerrhoder Brauerei ist er darum exakt am richtigen Ort. Hauptberuflich. Nebenberuflich macht er Musik, ist der wahrscheinlich beste «Bödeler» weit und breit und vielleicht auch der beste Moderator.

Es riecht nach Pommes frites

«Ländlerquartett Tanzboden», «Chäli-Beeler», «Berglergmüet». Es riecht nach Pommes frites und gebratenen Schweinssteaks. Es bläst der Tischnachbar den Rauch seiner «Krummen» in die Luft und der Krüger-Ofen seine warme Luft von hinten zwischen die Beine. Es wird warm im Zelt. Und ums Herz. Volksmusik verbindet.

Auf der Bühne stehen Frowin und Roman. Derweil karren draussen die beiden Shuttlebusse immer noch minütlich Festwillige auf die Grueben und zurück. Unten auf der Strasse stehen die Autos nun bereits bis weit zum Gurtberg hinunter. Morgens um vier Uhr werden aber alle wieder weg sein.

Und heute abend wiederkommen, denn heute geht es weiter mit dem «Ländlerobig». »Trio Wildbach», «Ächt Bodeständig», «Trio Trychlergruess», «Trio Chnüsperlibuebe». Nur vier Formationen, dafür mehr Bühnen-Zeit für jede. Zeit hat man ja bis vier Uhr. Michael Hug