Vor 375 Jahren ein Festtag

Am 1. September 1638 wurde die evangelische Kirche in Walzenhausen eingeweiht und feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Die letzte von zahlreichen Renovationen wurde 1999 fertiggestellt.

Peter Eggenberger
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WALZENHAUSEN. Über Jahrhunderte hatte die Bevölkerung von Walzenhausen das Kirchlein am westlichen Dorfeingang von St. Margrethen zu besuchen. Die Bevölkerungszunahme in Walzenhausen, die zunehmend ungenügenden Platzverhältnisse im Kirchlein, die weiten Wege und die Reformation führten zum Wunsch nach einer eigenen Kirche, mit deren Bau am 20. April 1638 begonnen wurde.

Einheimische Bauarbeiter

Die Kirche wurde von einheimischen Bauleuten erstellt. Bartli Künzler war für das Mauerwerk und die Steinmetzarbeiten zuständig, Lienhard und Ulrich Kellenberger sorgten mit ihren Gehilfen für solide Holz- und Zimmermannsarbeit. Der Turm wurde mit drei von Theodosius Ernst in Lindau am Bodensee gegossenen Glocken bestückt. 1783 wurde das Geläute mit einer vierten Glocke erweitert, deren Guss in Berneck erfolgte. 1885 erhielt die Kirche eine Orgel, und 1951 wurde das Geläute auf sechs Glocken erweitert, wobei zwei Glocken aus dem Gründungsjahr erhalten blieben.

Zwei Pfarrhäuser am Kirchplatz

Weitere prägende Bauwerke am Kirchplatz sind die Pfarrhäuser. Das erste, zwischen 1638 und 1654 erbaute Pfarrhaus wurde 1836 verkauft und privatisiert. Grund war der im gleichen Jahr erstellte Pfarrhaus-Neubau (heutiges Pfarrhaus), der nicht zuletzt auf Wunsch von Pfarrer Johann Jakob Iller erfolgte. Er hielt Walzenhausen von 1821 bis 1856 die Treue. Unmittelbar nach der Fertigstellung der Kirche betreute der St. Margrether Pfarrer Hans Jakob Utzinger 16 Jahre lang die Walzenhauser Gemeinde. Erst ab 1654 stand mit Jakob Höhiner aus Gais ein eigener Seelsorger zur Verfügung.

Stattlicher Lindenbaum

Im Verlaufe der 375jährigen Geschichte erlebte die Kirche zahlreiche Renovationen. Im Zuge der 1884 durchgeführten Erneuerung wurde die zum stattlichen Baum gewordene Linde gepflanzt. 1893 wurde das Holzschindeldach des Turms durch Kupferblech ersetzt. Im Kircheninnern erfolgten 1927 und 1962 einschneidende Veränderungen. Die vorläufig letzte Renovation wurde 1998/1999 ausgeführt, nachdem die Einwohner- und die Kirchgemeinde 1997 Baukredite von je 1,39 Millionen Franken bewilligt hatten.