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Vor 175 Jahren hat Heiden gebrannt

Die bislang grösste Feuersbrunst in der Geschichte Heidens hat am 7. September 1838 das Dorf in Schutt und Asche gelegt. 129 Firste brannten nieder. «Ein tiefer Schmerz wühlt im Herzen eines jeden», schrieb die «Appenzeller Zeitung». Selbst aus Lindau und Bregenz eilte Hilfe herbei.
Roger Fuchs

HEIDEN. In einer Schmiede am Kohlplatz in Heiden ist am 7. September 1838 der grosse Dorfbrand ausgebrochen. Es war nachmittags um halb drei. Der Eigentümer der Schmiede hatte die nötigen Brandschutzmassnahmen vernachlässigt und entsprechende Anordnungen der Feuerpolizei missachtet. Das Dach bestand ganz aus Schindeln und entbehrte sogar des «Ziegelmantels» um den Kamin herum. Sturmwind und unglückliche Umstände, die ein schnelles Eintreffen der Löschgeräte hinderten, gaben dem Feuer die Möglichkeit, sich zügig auszubreiten. Bald war nicht nur die Schmiede verloren, sondern weit entfernte Häuser hatten ebenfalls Feuer gefangen. Das Unglück nahm seinen Lauf. 403 Personen verloren ihr Obdach, doch es war kein Todesopfer zu beklagen.

Verstummte Glocken

Andres Stehli, Leiter des Museums in Heiden, ist bis heute gut mit Texten und Bildern aus der damaligen Zeit dokumentiert. «Traurig und düster sieht es gegenwärtig im Kanton Appenzell Ausserrhoden aus», heisst es in einem damals in der «Appenzeller Zeitung» erschienenen Text. Und mit Fokus auf den Kirchturm kann man nachlesen: «Man sehnt sich nach den feinen harmonischen Glockentönen, aber sie sind verstummt und die Glocken liegen in der Tiefe des Turmes begraben.»

Historiker Stefan Sonderegger aus Heiden hat schon mehrfach über den einstigen Brand geschrieben. Seinen Recherchen zufolge eilten von allen Seiten Spritzen und helfende Scharen herbei. Ungeachtet der Wut der Flammen erreichte die Hilfe an mehreren Orten ihren Zweck. Davon zeugen an diversen Stellen gerettete Häuser. Im Dorf selbst blieb nebst dem Schützenhaus einzig das Haus zur Harmonie vom schönen Marktflecken Heiden übrig.

Laut dem «Appenzellischen Monatsblatt» kam die «merkwürdigste Hülfe» aus Lindau, Bregenz und Goldach. Wörtlich heisst es im «Monatsblatt»: «Die Lindauer eilten so schnell herbei, dass sie mit ihren Nachbaren von Bregenz, ungefähr um halb sieben Uhr mit ihren Spritzen schon in Thal eintrafen; weiter gingen die Spritzen nicht, weil zu dieser Zeit Heiden schon verloren, hingegen viel für Thal zu fürchten war.» Wie in Thal, so musste man sich auch in Wolfhalden gegen die drohende Gefahr rüsten. Dass die Mühle am Kohlplatz gerettet wurde, verdankt der Besitzer den Bemühungen der Feuerspritze von Goldach, die dort der Flammen Herr wurden.

Einige Zeitgenossen nutzten den Brand, um auf Diebestour zu gehen. Davon zeuge die Ertappung von Dieben auf frischer Tat.

Schneller Wiederaufbau

Auch wenn es fast zynisch tönt, so «verdankt» Heiden dem verheerenden Dorfbrand in der Folge seinen Wiederaufbau im einheitlich klassizistischen Stil und seine Anziehungskraft als bedeutender Kurort. Als Grundlage diente ein Überbauungsplan im Sinne eines Rastersystems mit rechtwinklig sich schneidenden Strassenzügen. Bereits zwei Jahre nach der Katastrophe waren 58 Häuser erstellt und 41 davon bewohnbar. Auch die Vollendung des wichtigsten Bauwerks – der reformierten Kirche – liess nicht auf sich warten. Am 20. Dezember 1840 zog die Gemeinde in ihr neues Gotteshaus ein, das von einem der führenden Schweizer Architekten des Klassizismus, von Felix Wilhelm Kubly, geplant worden war.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte Heiden zu den bekanntesten Kurorten bei vornehmen Gästen aus ganz Europa. Das Dorf erlebte einen richtigen Boom. 1877 zählte der Ort 16 Hotels und Gasthäuser, bis 1913 stieg die Zahl auf 23. Der Erste Weltkrieg führte schliesslich zum Zusammenbruch des Fremdenverkehrs.

Im Historischen Museum am Dorfplatz lebt die Geschichte von Heiden in Bild und Text weiter.

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