Von Wattwil aus mitten durch die Erde

Gedankenspiel

Serge Hediger
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Würde man sich von Wattwil aus durch die Erde graben, käme man mitten im Meer heraus. (Bild: Google)

Würde man sich von Wattwil aus durch die Erde graben, käme man mitten im Meer heraus. (Bild: Google)

Im Umgang mit Tunneln sind wir Toggenburger ja ziemlich vertraut. Seit 1910 führt der Rickentunnel durch 8,6 Kilometer Gestein von Wattwil nach Kaltbrunn. 3,5 Kilometer lang ist der gleichaltrige Wasserfluhtunnel zwischen Lichtensteig und Brunn­adern. Was aber, wenn ein Tunnelbauer für einmal statt waagrecht senkrecht bohren würde? Ein Gedankenspiel: Wo würde er nach 12742 Kilometern, dem durchschnittlichen Erddurchmesser, herauskommen?

Antwort auf diese Frage, die sich wohl jedes Kind schon einmal gestellt hat, gibt eine Website. Auf www.antipodesmap.com brauchen virtuelle Tunnelbauer bloss die geografischen Koordinaten ihres Wohnorts einzugeben, auf dass der Rechner die sogenannte Antipode ermittelt, den Ort auf der anderen Seite der Erdkugel. Würde man nun also in Wattwil mit seinen 47 Grad und 18 Minuten nördlicher Breite sowie 9 Grad und 5 Minuten östlicher Länge zu graben beginnen, so wäre das erste, was man am anderen Ende der Welt zu sehen bekommt – Wasser. Festen Boden unter den Füssen erreichte der Tunnelbauer erst nach rund 500 Kilometern in nordwestlicher Richtung, wenn er auf Chatham Island an Land geht. Die Insel mit ihren paar Hundert Einwohnern gehört zu Neuseeland, ihre Fläche ist 20-mal grösser als die Wattwils, ihre höchste Erhebung steigt auf 294 Meter an, ihr Klima ist ozeanisch: Sommer wie am Europäischen Nordmeer, Winter wie am Schwarzen Meer.

Natürlich, es ist nur ein Gedankenspiel. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich dafür all die Grabungsmühe lohnt.

Serge Hediger

redaktion@toggenburgmedien.ch