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Von Urnäsch nach Leutschenbach

Die Appenzellerin Irene Dörig war die erste Fernsehköchin der Schweiz. Auch sonst hat sie die eine oder andere Vorreiterrolle eingenommen. Die Inhaberin einer Kochschule sagt von sich, sie habe viel Glück gehabt im Leben.
Karin Erni
Die Urnäscherin Irene Dörig war die Protagonistin der ersten Kochsendung des Schweizer Fernsehens. (Bild: srf)

Die Urnäscherin Irene Dörig war die Protagonistin der ersten Kochsendung des Schweizer Fernsehens. (Bild: srf)

URNÄSCH. Drehorgelmusik ertönt, auf dem Bildschirm erscheint eine witzig gezeichnete Frauenfigur, die mit einer Armbrust in der Pfanne rührt. Der Kochtopf trägt die Aufschrift «Schwiizer Chuchi». Dann rückt eine dampfend-lächelnde Suppenterrine mit Sennenchäppi ins Bild. Auf der Etikette, die am Henkel baumelt, steht: «mit Irene Dörig». Das waren die Zutaten, aus denen in den 1980er-Jahren im Schweizer Fernsehen eine Kochsendung «gebraut» wurde.

Nun zoomt die Kamera gemächlich durch das grell grün-gelb gestaltete Studio auf eine Frau mit stramm umgebundener Schürze, wallender Föhnfrisur und riesen Brille. Irene Dörig. Es ist ihre erste Sendung und sie bereitet heute ein «Appenzeller Filet» zu. Die Protagonistin stammt aus Urnäsch, wo ihre Familie im «Kreuz» wirtete. Die junge Appenzellerin absolvierte eine Kochlehre im St. Galler Hotel Hecht, damals dem ersten Haus am Platz. «Ich war die einzige Frau im Kanton, die Koch lernen wollte und war daher mit lauter Buben in der Klasse. Das hat mir gefallen», erinnert sich die 67-Jährige. Sie lernte zusätzlich Diätköchin und fand auf diesem Weg eine Stelle im Park-Hotel Gstaad. Dort schaffte sie es innert Kürze zum Entremetier. «Doch die Zeit war noch nicht reif für eine Frau in der gehobenen Küche», so Dörig. Also verlegte sie sich aufs Kurse erteilen und fand eine Stelle bei Agnes Amberg, der Grande Dame der Zürcher Kochszene.

Mutter und selbständig

Bei Agnes Amberg wurde Irene Dörig von der Frauenzeitschrift «Annabelle» entdeckt. Deren Verlag beabsichtigte, ebenfalls eine Kochschule zu gründen und engagierte die rührige Appenzellerin dafür. Sie durfte in eigener Regie «La Cuisine» aufbauen. Dörigs Erfolgsrezept war, Spitzenköche für Kurse zu engagieren. Sie hatte erkannt, dass die Leute gerne mit bekannten Persönlichkeiten gemeinsam am Herd stehen wollen. «Ich habe bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Köche, die ich angefragt habe, für meine Kurse gewinnen können», erzählt sie stolz. Die Kochschule besteht heute noch. Dörig machte sich nach der Geburt ihrer Tochter mit einer eigenen Kochschule selbständig, um die Zeit flexibler gestalten zu können. Kochkurse geben ist noch immer ihr Beruf, wenn auch seit der Pensionierung nur noch in reduzierter Form. Die Kurse von «Irene's Cuisine» finden in ihrem Haus im Piemont oder im dörflichen Friedlisberg, auf dem Rücken des Mutschellen im Aargau, statt, wo die Appenzellerin heute zu Hause ist.

Vom Fernsehen entdeckt

Kurz nach der Gründung der eigenen Kochschule wurde Irene Dörig vom Schweizer Fernsehen für eine Kochsendung angefragt. Der Auftrag lautete: Für jeden Kanton ein spezielles Gericht zu kreieren und vor der Kamera zu kochen. «Ich habe mich hingesetzt und mir aus den Spezialitäten jedes Kantons etwas einfallen lassen», so Dörig. So entstanden Gerichte wie «St. Galler Brätstrudel», «Schweinskoteletten an Schabzigersauce», «Waadtländer Saucisson im Teig» oder «Basler Chriesi im Rotwein mit Läckerli-Glace». «Es waren glatte Rezepte. Ich habe kürzlich einige davon wieder in die Hand bekommen und habe sie nachgekocht – sie funktionieren und schmecken noch immer», freut sich Dörig. Kochen heisst für sie, die eigene Kreativität zu leben. Für das Genfersee-Rezept hat sie «Schwänli» aus Blätterteig gebacken, die dann dekorativ auf der Weissweinsuppe im Teller schwammen.

Menu als TV-Hit

Auch heute, 30 Jahre nach der Sendung, ist sie noch vielen Leuten ein Begriff und einige ihrer Rezepte haben Kultstatus. Wie das berühmte Filet aus der ersten «Schwiizer Chuchi»-Sendung. «Schade, dass ich das Appenzeller-Filet nicht patentieren konnte. Landauf, landab verkaufen Metzger es noch immer und auch in zahlreichen Restaurants wird es angeboten.»

Die Sendungen von Irene Dörig sind noch im Archiv von SRF zu finden: www.srf.ch

Heute führt die Pensionärin noch immer ihre eigene Kochschule. (Bild: pd)

Heute führt die Pensionärin noch immer ihre eigene Kochschule. (Bild: pd)

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