Von St. Moritz nach Trogen: Pestalozzi Schulcamp empfängt Herisauer Klasse

Wissenschaft und Kunst lassen sich bestens vereinen. Das wird Schulkindern während einer Woche im Kinderdorf in Trogen anhand von Workshops vermittelt. Kreatives Ausleben steht auf dem Programm.

Smilla Bühler
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Im ersten Moment erscheinen die beiden Themen recht gegensätzlich. Was haben Kunst und Wissenschaft gemeinsam? Eine ganze Menge, weiss Kamilla Schatz. Die Baslerin ist als Tochter des Biochemikers Gottfried Schatz in einem von Wissenschaft geprägten Haushalt gross geworden. Bis 2017 verfolgte sie jahrelang eine internationale Karriere als Violinistin. Jetzt ist Schatz Gründerin und Direktorin der Pestalozzi Schulcamps, die seit Ende August in Trogen stattfinden. Im September nimmt ausserdem zum ersten Mal eine Appenzeller Klasse teil. Schatz sagt:

Gründerin Kamilla Schatz.

Gründerin Kamilla Schatz.

Bild: PD
«Jede wissenschaftliche Entdeckung ist auch ein künstlerischer Prozess. Bei beidem ist kreative Originalität gefragt.»

Während einer Woche können Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Primarstufe forschen, experimentieren und Neues lernen. Unterrichtet werden sie von renommierten Wissenschaftern, wie dem Prionenforscher Adriano Aguzzi oder Marcel Tanner, der für seine Forschung auf dem Gebiet der Epidemiologie berühmt ist. Daneben stehen Tanz und andere sportliche Aktivitäten auf dem Programm. Die Tanzlektionen, geleitet von Béatrice Goetz der MIR Compagnie, finden zu klassischer Musik statt, die live gespielt wird. In einem anderen Workshop werden Kinderrechte thematisiert, ein Hauptanliegen des Kinderdorfs.

Pro Jahr sind neun bis zwölf solcher Camps geplant, bisher durften über 900 Kinder teilnehmen. Durchgeführt wird das Bildungsprogramm von der Stiftung Pestalozzi Schulcamps Basel in Zusammenarbeit mit dem Pestalozzi Kinderdorf Trogen. Das erste Schulcamp fand 2018 in St. Moritz statt. Es verzeichnete eine grosse Nachfrage und die Camps siedelten nach Trogen um. Der neue Austragungsort lockt mit ländlicher Abgeschiedenheit und scheint bisher nur Vorteile zu bieten. Schatz sagt: «Für die Kinder ist das Kinderdorf ein richtiger Kraftort. Nach dem Forschen können sie draussen im Grünen herumtoben.» Hirn lüften soll ja bekanntlich helfen, das Gelernte zu verarbeiten.

Die Schulcamps sind keine Ferienangebote, sondern finden während des regulären Schulsemesters statt. Die Kontaktaufnahme erfolgt durch die Stiftung, welche sich an die kantonalen Erziehungsdepartemente wendet. Diese schlagen dann passende Schulklassen vor. Im Falle der Herisauer Klasse, die im September im Camp war, setzte sich die Heilpädagogin Andrea Galli für eine Teilnahme der Klasse ein. Schatz sagt: «Wir möchten vermehrt Klassen aus Quartieren einladen, die sonst gerne vergessen werden.» Das Lager soll kein exklusives Privileg sein. Die Schulcamps sind für die Teilnehmer kostenlos und werden von namhaften Stiftungen und grosszügigen Privatgönnern finanziert. Schatz hofft in Zukunft auf grössere Unterstützung der beteiligten Kantone.

Am Ende der Woche findet eine öffentliche Abschlussaufführung statt, wo die Kinder präsentieren, was sie in Kunst und Wissenschaft erfahren und gelernt haben. Am 19. September findet die nächste Präsentation im Kinderdorf Trogen von 11 bis 12 Uhr statt.

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