Von Saatgut und guten Saaten

WATTWIL. Die Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg sowie Bioterra Toggenburg trafen mit ihrer ersten öffentlichen Informationsveranstaltung in diesem Jahr ins Schwarze. Das Thema Saatgut mobilisierte an die 80 Interessierte.

Peter Küpfer
Drucken
An den Informationsständen kam es immer wieder zu interessanten Gesprächen zum Thema Saatgut. (Bild: alttoggenburger)

An den Informationsständen kam es immer wieder zu interessanten Gesprächen zum Thema Saatgut. (Bild: alttoggenburger)

Hans Jörg Fehle, Präsident der Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg (VLT), musste am Mittwochabend in der Aula des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg hin und wieder seine Uhr konsultieren und auf Einhalt der Redezeit drängen. Denn die Referentinnen und Referenten hatten zum aktuellen und offensichtlich brisanten Thema «Saatgut – Saat gut?» viel zu sagen.

Sorge um die Vielfalt

Es ging um alte und neue Züchtungsmethoden, die Qualität und Vielfalt des Saatguts und unseren Umgang mit diesem essenziellen Erbgut der Menschheit. Hauptreferentin Barbara Oppliger, diplomierte Agraringenieurin am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez, führte Grundsätzliches zu alten und neuen Züchtungsmethoden aus. Sie rief auch die genetischen Grundgegebenheiten in Erinnerung, an denen weder traditionell vorgehende Nachanbauer und Züchter noch Agromultis vorbeikommen.

Die Referentin zeigte anhand eigener Forschungs- und Wiederbelebungsanstrengungen am Beispiel Ribelmais auf, wie sorgfältig und zeitraubend es ist, alte Sorten wiederzubeleben. Ihre Erfolge gerade an diesem Beispiel seien allerdings ermutigend. Die grossen Agrokonzerne hätten in den letzten Jahrzehnten an Einfluss gewonnen, so dass sie weltweit den Umgang mit dem Saatgut dominieren. Sie verbreiten laut der Agraringenieurin damit eine bestimmte Ausrichtung des Umgangs mit dem kulturellen Welterbe, die nicht von allen Akteuren geteilt wird. Die «Erklärung von Bern», die am Anlass ebenfalls mit einem Informationsstand anwesend war, hat schon früh auf unerwünschte Auswirkungen von Einseitigkeiten hingewiesen. Wie sie machen private Züchter, Biogärtner und alternativ vorgehende Produzenten auf die Risiken einer auf kurzfristigen Ertrag ausgerichteten Saatgutpolitik aufmerksam: Immer weniger Institutionen, darunter immer mehr rein private Monopolunternehmen verfügen über immer einheitlicher werdendes Saatgut (das meiste davon in sterilen Hybridformen), das sie auf immer grösseren Anbauflächen weltweit verteilen. Dies und mehr war an diesem Abend von Barbara Oppliger zu erfahren.

Einigkeit über die Richtung

Vertreter eines sorgfältigen alternativen Umgangs mit dem Saatgut bestätigten die von der Referentin aufgezeigten Befunde. Sie konnten auf langjährige praktische Arbeit hinweisen. Michael Beismann gab einen Überblick über Arbeitsweise und Angebot des Bio-Saatgutherstellers Sativa mit Sitz in der Rheinau, Udo Schilling berichtete über die erfolgreiche Abwehr einer allzu einseitig auf die Interessen der Agromultis ausgerichteten gesamteuropäischen Regelung der EU, bei der Longo Mai eine Vorreiterrolle gespielt hat. Hildegard Schaedler wies auf die vielfältigen Aktivitäten von Bioterra Toggenburg hin.

Alle diese Organisationen waren persönlich und mit Informationsständen vertreten, die im zweiten Teil zu anregenden und vom Publikum rege genutzten Gesprächen führten. Sie wurden ergänzt durch praktische Tips von Lisbeth Vogl und Felix Wyss, die in Krinau auf 800 Metern Höhe seit Jahren biologisch gärtnern, und die Dokumente am vielbeachteten Stand von Pro Specie Rara. Der Wille, «etwas zu tun», wurde auch in der abschliessenden Gesprächsrunde deutlich, wo sich Teilnehmer, Veranstalter und Referenten über die gemeinsame Richtung einig waren.

Referentin Barbara Oppliger präsentiert ihren wiederentdeckten Rheintaler Ribelmais, aus altem Saatgut traditionell selektioniert. (Bilder: Peter Küpfer)

Referentin Barbara Oppliger präsentiert ihren wiederentdeckten Rheintaler Ribelmais, aus altem Saatgut traditionell selektioniert. (Bilder: Peter Küpfer)

Aktuelle Nachrichten