Von Motor- auf Leinöl umgestiegen

In Herisau in der Kasernenstrasse 12 ist eine Galerie für zeitgenössische Kunst neu eröffnet worden. Für den Künstler und Galerist Nicolai Schiess ist dies ein gewagter Schritt an einem Ort, mit dem er vieles verbindet.

Lea Sager
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Nicolai Schiess konzentriert sich in seinen Werken auf das Wesentliche.

Nicolai Schiess konzentriert sich in seinen Werken auf das Wesentliche.

Bild: Lea Sager

Seit 2004 ist Nicolai Schiess als unabhängiger Künstler und Galerist tätig. Er ist in Südafrika geboren, wohin seine Eltern aus Herisau ausgewandert sind. Aufgewachsen ist er in Zürich. Dort hat er eine Ausbildung zum Automechaniker gemacht. Ein Job, der ihn, wie es sich herausstellte, nicht wirklich erfüllte. Die Berufsberatung leitete ihn schliesslich zum gestalterischen Vorkurs und dann ins Kunststudium an der Schule für Kunst und Mediendesign F+F in Zürich.

In seinen Werken wie auch in seiner Lebensphilosophie will er sich auf das Wesentliche konzentrieren. Vielfach stehen Personen, nahezu fotorealistisch dargestellt, im Vordergrund. Charakteristisch für seine Kunst sind diese Figuren in irgendeiner Weise angeschnitten und regen den Betrachter an, die Situationen fertig zu denken und in die Geschichten einzutauchen, die sich in den Bildern verbergen. Zudem sind die Personen so dargestellt, dass keine Gesichter zu erkennen sind.

«Ein Betrachter konzentriert sich immer sofort auf Gesichter. Mir ist jedoch das Gesamtbild wichtiger.»

Inspiration findet Nicolai Schiess fast überall, seien es Farbkombination aus Katalogen oder Gegenständen, denen er im Alltag begegnet. Als Hauptquelle dient ihm jedoch die Natur. So ist der Künstler auch oft als Wanderer in den Bergen und im Wald unterwegs, wo er spannende Bilder mit seiner Fotokamera einfängt.

Mit seinen Bildern will der Künstler den Betrachter inspirieren und zum Nachdenken anregen.

Mit seinen Bildern will der Künstler den Betrachter inspirieren und zum Nachdenken anregen.

Bild: Lea Sager

Bislang waren die Bilder von Nicolai Schiess in seiner Galerie in Niederweningen in Zürich und an diversen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Eine Möglichkeit, seine Kunst mitten in Herisau, wo seine Vorfahren lebten und er noch immer Verwandte hat, zu zeigen, war schon immer sein Wunsch gewesen. Es habe ihn zurück in die «Häämet» gezogen, sagt er schmunzelnd. Es sei auch das Ziel, bald in Herisau sesshaft zu werden, meint der Künstler, der im Moment im Kanton Zürich zu Hause ist. Er wolle dazu beitragen, die eher kleine Szene für zeitgenössische Kunst in der Ostschweiz etwas zu beleben. In der momentanen Situation ist daran jedoch kaum zu denken. Eine neue Galerie in der jetzigen Zeit ist gewagt, und neue Kontakte zu knüpfen, erweist sich als schwierig.

«Das Schlimmste sind die ausfallenden Vernissagen, von denen eine Galerie lebt.»

Durch die ausfallenden Ausstellungen entstehen hohe Einbussen. Um trotzdem mit seinen Kunden in Kontakt zu bleiben, lädt Nicolai Schiess diese separat zu sich in die Galerie ein. Das Positive daran sei, dass man mehr Zeit hat und viel persönlicher auf den Kunden eingehen kann. Zum anderen kämen coronabedingt viel weniger Leute vorbei und die Gesamtstimmung sei sehr verhalten. Nicolai Schiess will mit seiner Galerie trotzdem einen Ort der Schönheit und Inspiration bieten. Die Türe steht am Donnerstag von 10 bis 19 Uhr und am Freitag von 10 bis 20 Uhr für Besucher offen, die auch herzlich eingeladen sind, zu verweilen und zu geniessen.

«Als Künstler sehe ich mich wie jeder andere Dienstleister, der den Menschen etwas bieten will, und es ist natürlich eine besondere Freude, wenn sich jemand an meinen Bildern erfreuen kann.»