Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Von Menschen und Maschinen

Brosmete
Karin Erni

Neue Erdenbürger werden in der Regel freudig begrüsst. Kaum ist die Geburtsanzeige verschickt, steht die Verwandtschaft auf der Matte und will den Neuankömmling sehen. Das liegt uns wohl in den Genen, denn auch bei Tieren ist das nicht viel anders. Ob bei Affen, Kühen oder Elefanten – nach der Geburt eines Familienmitglieds eilen Tanten und Onkel herbei und begutachten den Nachwuchs.

Bei Menschen wird vielleicht weniger geschnüffelt, dafür mehr verglichen und georakelt. «Die Kleine hat die gleiche Nase wie Tante Frieda.» «Er hat einen Haarwuchs wie der Grossvater.» «Schau, die langen Finger, der wird sicher mal Pianist.»

Ein ganz ähnliches Verhalten lässt sich in unserem Veloclub beobachten. Kommt jemand mit einem neuen Velo angeradelt, kann er sicher sein, für ein paar Minuten die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gruppe für sich zu haben. Jeder will das neue Rad hochheben, um zu sehen, ob es allenfalls ein paar Gramm leichter ist als das eigene. Genauestens werden alle Komponenten wie Gangschaltung, Federung und Sattelstütze überprüft. Anschliessend kommt eine grössere Debatte auf, was sinnvoll ist und was nicht, und ob der Kauf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist. Das hat mich nie sonderlich gestört bis zu dem Tag, an dem ich im Internet auf den Spruch stiess, der dem Dalai Lama zugeordnet wird: «Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden geschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet, ist, weil Dinge geliebt werden und Menschen benutzt werden.» Das hat mich doch einigermassen nachdenklich gestimmt. Wir wollen immer das Neuste und Beste haben und kaum jemand interessiert sich dafür, unter welchen Bedingungen das Produkt hergestellt wurde. Ob Menschen oder Tiere leiden mussten, um unsere Konsumsucht zu befriedigen. Vielleicht sollten wir hin und wieder – gerade auch im Hinblick auf Weihnachten – unsere Prioritäten mal wieder überprüfen.

Karin Erni

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.