Von Klassik über Marsch bis Funk

Geige und Klavier waren früher, heute spielt Anita Grob aus Lichtensteig Trompete, Cornet und Flügelhorn in verschiedenen Formationen. Mit der Universal Brass Band aus Wil nahm sie am Schweizer Brass Band Wettbewerb in Montreux teil und gewann den Preis als beste Solistin.

Sabine Schmid
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«Ihre» Instrumente: Die Lichtensteigerin Anita Grob fühlt sich wohl mit dem Flügelhorn, dem Cornet und der Trompete. (Bild: pd)

«Ihre» Instrumente: Die Lichtensteigerin Anita Grob fühlt sich wohl mit dem Flügelhorn, dem Cornet und der Trompete. (Bild: pd)

Lichtensteig. Vielfältigkeit auf hohem Niveau. So lautet das Motto der Wiler Universal Brass Band. Dass ihr damit Ernst ist, zeigte sie einmal mehr am Schweizer Brass Band Wettbewerb in Montreux. Die Gruppe trat in der 1. Stärkeklasse auf und klassierte sich auf dem sechsten Platz. Anita Grob aus Lichtensteig übernahm mit dem Flügelhorn beim Aufgabenstück die Solopartie. Für diese Leistung wurde sie mit dem Solistenpreis belohnt.

Musikalität belohnt

«Am meisten zu diesem Erfolg beigetragen hat, dass ich die Ruhe bewahren konnte», analysiert Anita Grob. Fast ohne Begleitung spielte sie vor den Jurymitgliedern und den Zuhörerinnen und Zuhörern im Auditorium Stravinski in Montreux. Das Wettbewerbsstück «Macabre» von Thomas Trachsel soll die Grenzen der Musik aufzeigen. Der Schweizer Komponist schrieb zwei Flügelhornsoli, die mehrheitlich eine freie Interpretation zulassen. Somit war die Musikalität der Solisten gefordert. «Es gelang mir, der Melodie den Ausdruck zu verleihen, der der Jury am besten gefiel», erklärt Anita Grob. Wem sie den Solistenpreis zusprechen, haben die Jurymitglieder zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst. Anita Grob findet diese verdeckte Jurierung gut, denn so seien die Preisrichter unvoreingenommen und alle Formationen würden die gleiche Chance bekommen.

Ein Solo zu spielen vergleicht Anita Grob mit einer sportlichen Leistung: «Die Konzentration ist in etwa die gleiche und die Tagesform ist schliesslich entscheidend». Um sich nicht zu verwirren, hörte sie vor dem Auftritt keine Vorträge anderer Brass Bands an. Nur denjenigen des letzten Mitbewerbers hat sie gehört. «Ich konnte nicht vergleichen, darum war die Überraschung über meinen Sieg umso grösser», erzählt Anita Grob. Wie überall gilt auch beim Musizieren das Teamwork. So haben die Kolleginnen und Kollegen der Universal Brass Band Anita Grob tatkräftig unterstützt. Sie habe gesehen, wie sie ihr die Daumen gedrückt hätten, erzählt Anita Grob. Darum erstaunt es nicht, dass sie ihren Erfolg mit der Wiler Universal Brass Band teilt.

Trompete ist ihr Instrument

Die Lichtensteigerin ist aber nicht nur im Brass-Genre zu Hause. «Meine musikalische Heimat ist die Musikgesellschaft Lichtensteig». Wie ihr Bruder und ihr Vater – dieser übrigens seit 60 Jahren – spielt Anita Grob bei der «Harmonie» mit. Als Kind lernte sie Geige und Klavier, mit elf Jahren hat sie bei den Jungbläsern zur Trompete gegriffen. «Das war es dann, mein Instrument», erinnert sich Anita Grob. Mit der Zeit hat sie ihr Können auf Cornet und Flügelhorn erweitert. Zudem gibt sie in der «Harmonie» ihr Wissen in Jungbläserkursen an Nachwuchsmusikanten weiter und tritt als Solistin in Szene. Für Anita Grob ist es klar, dass sie die Lichtensteiger Musikgesellschaft unterstützt.

Wechsel zwischen den Stilen

Doch damit nicht genug. Die Musikerin spielt bei Engagements im Orchester Liechtenstein-Werdenberg auch klassische Stücke. Zudem ist sie Mitglied der Funk-Formation Black Cherry. «Zwischen den verschiedenen Stilen zu wechseln macht mir grossen Spass», sagt Anita Grob mit einem Funkeln in den Augen. Während gut zehn Jahren kam noch ein weiteres Genre hinzu, die Leitung der Städtlischränzer. Die Guggenmusik hat Anita Grob inzwischen aufgegeben, obwohl ihr die Verbindung zwischen Musizieren und Gemütlichkeit zugesagt hat. Einen Lieblingsstil habe sie nicht, verrät die Lichtensteigerin. Ihr jährliches Highlight ist aber mit Brass verbunden – die Wallberg Band, eine Schweizer Brass Band mit internationaler Besetzung. Darin sind Vertreter verschiedener Brass Bands vereinigt, die sich während einer Woche im Jahr auf ein Konzert und den Swiss Open Contest in Luzern vorbereiten. «Eine Woche lang auf sehr hohem Niveau zu musizieren und dabei viele Leute kennenzulernen ist für mich das Grösste», schwärmt Anita Grob.

Die Begeisterung für die Musik will sie nun weitergeben. In diesem Jahr beginnt die Musikerin mit der Ausbildung zur Dirigentin und übernimmt die Leitung einer Jugend Brass Band. Ihr wichtigstes Anliegen dabei ist, dass sie den Jugendlichen die Freude an der Musik weitergeben kann.