Von Hunden und Haltern

Ich konnte mich noch nie sonderlich für Hunde erwärmen. Wenn es um Haustiere geht, bin ich eher ein Katzenmensch, was vielleicht auch mit schlechten Erfahrungen in meiner Kindheit zusammenhängt.

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Ich konnte mich noch nie sonderlich für Hunde erwärmen. Wenn es um Haustiere geht, bin ich eher ein Katzenmensch, was vielleicht auch mit schlechten Erfahrungen in meiner Kindheit zusammenhängt. Trotzdem finde ich es interessant, Hunde und ihre Halter auf der Strasse, sozusagen in freier Wildbahn, zu beobachten. Dabei wurde mir klar, dass es grundsätzlich zwei Typen von Hundehaltern gibt.

Die eine Gruppe mag den Hund als Statussymbol. Da gibt es junge Damen, die sich wohl aus der Überlegung einen Hund angeschafft haben, dass er so gut zur Handtasche (oder Hundetasche) passt. Sie tragen das Tier auf ihren Armen oder in besagter Designertasche spazieren, und jedesmal wenn das Tier durch seinen Stoffwechsel beweist, dass es ein Lebewesen ist, wird ihnen unangenehm bewusst, dass ein Hund nicht ein beliebiges Accessoire ist. Seine «Lebenszeichen» sind eklig und werden diskret liegengelassen.

Wenn das «Schätzeli» dann einmal auf eigenen Beinen stehen und gehen darf, bringt es die Halterin auf ihren Absätzen mit zartem Zug fast schon aus dem Gleichgewicht. Die Männer in dieser Gruppe hingegen wollen nicht süsse Hündchen, sondern stämmige Kampfhunde, die mit ihrer Kraft und Bedrohlichkeit die Wildheit und Stärke ihrer Besitzer zum Ausdruck bringen sollen.

Auch diese «Herrchen» haben ihre Hunde trotz der wuchtigen, nietenbesetzten Halsketten oft nicht im Griff.

Die andere Gruppe hat ihre wohlerzogenen Lieblinge stets unter Kontrolle. Selbst ältere Halterinnen und Halter bringen es fertig, regelrechte «Mondkälber» sicher zu leiten, und ihnen klarzumachen, wo es langgeht.

Hunde spüren halt, wenn einer mehr oder weniger als sie selbst auf dem Kasten hat. Von den einen werden sie an der Leine geführt – die anderen führen sie selbst an der Leine.

Johannes Wey