Von Hollensteins, Widmers und der Kirche

Es war eine der letzten Veranstaltungen im Jubiläumsjahr der Kirche Mühlrüti: Der öffentliche Vortragsabend. Alex Hollenstein ging ausführlich auf die kirchliche Vorgeschichte ein und Michael Steuer hat im Vorfeld versucht, das Knäuel an Mühlrütner Familiennamen zu entwirren. Was ihm teilweise gelungen ist.

Martina Signer
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MÜHLRÜTI. «Vom Kommen, Gehen und Bleiben der Mühlrütner» hiess der Vortrag von Michael Steuer, Pastoralassistent und Seelsorger in Lütisburg. Seine Passion ist die Ahnenforschung. Keine leichte Aufgabe in Mühlrüti, wenn man Folgendes bedenkt: Allein bei den 40 Mühlrütner Delegierten, die vor über 250 Jahren den Weg in die Fürstabtei St. Gallen auf sich genommen haben, um sich für eine eigene Kirche stark zu machen, begegneten dem Ahnenforscher 16 Hollensteins. Darunter nicht weniger als fünf Johanns und ebenfalls fünf Josefs. Kein Wunder, dass es ihm nicht leicht fiel, dieses «Chrüsimüsi» zu entwirren. Mit den Widmers, den Meiles und den Breitenmosers hatte er es nicht viel einfacher, wie er bemerkte. Dafür erntete er einige Lacher aus dem Publikum, wo ganz viele Personen mit diesen Nachnamen sassen. Insgesamt hatten mehrere Dutzend Leute den Weg ins Schulhaus Mühlrüti gefunden. Vor den beiden Referaten mussten sogar noch ein paar kräftige Männer aus dem Publikum dabei helfen, weitere Stuhlreihen zu bilden.

Leider konnte Michael Steuer keinem im Publikum die vielleicht erhofften Worte sagen: «Dein Vorfahre war einer der 40, die sich für die Kirche eingesetzt haben.» Dazu waren die Angaben aus den Kirchenbüchern, die Michael Steuer als Grundlage für seine Recherchen nahm, zu wenig genau.

Die Rache am untreuen Gatten

Doch um die Leute trotzdem mit einem Schmunzeln im Gesicht zu entlassen, erzählte er zwei, drei witzige Ortsgeschichten. Zum Beispiel von Maria Barbara Lenzlinger, die erfahren hat, dass ihr Verlobter fremd gegangen ist. Das uneheliche Kind aus dieser Affäre kam ganze vier Jahre vor dem ersten Kind Maria Barbaras zur Welt. «Da hat die Frau dem Mann noch gezeigt, dass sie nicht alles mit sich machen lässt», sagt Michael Steuer, der vermutet, Maria Barbara habe ihren untreuen Gatten als Strafe erst lange nach der Hochzeit ins gemeinsame Bett gelassen. Eine weitere spannende Anekdote: Anscheinend haben Vorfahren der Zügers (Züger Frischkäse AG), bevor sie in Oberbüren sesshaft wurden, einen Zwischenhalt in Mühlrüti gemacht. Ein Züger sei sogar ein angesehener Bürger in Mühlrüti und Gemeinderat gewesen.

Wie es zum Bau der Kirche kam

Der Mühlrütner Alex Hollenstein holte in seinem Referat zur Entstehung der Kirche Mühlrüti weit aus. Sowohl das Konzil von Konstanz als auch die folgende Reformation in Teilen der Schweiz und der daraus resultierende Toggenburger Krieg hätten letztlich dazu beigetragen, dass die Mühlrütner eine eigene Pfarrei, losgelöst von der Mutterpfarrei Mosnang, werden wollten. Dazu gehörte natürlich eine eigene Kirche. Die Mühlrütner führten nach einigen Rückschlägen ins Feld, dass auch Libingen eine eigene Kirche habe, die einige Jahre zuvor gebaut worden war. Schliesslich bekamen sie die Bewilligung unter der Bedingung, dass die Bevölkerung selbst für die Pflege der Kirche aufkomme. Das Material der 100 Jahre zuvor erbauten Kapelle wurde nun für den Bau der Kirche verwendet. 100 Jahre nach dem Bau wurde die Kirche um einen Drittel erweitert und 1975 schliesslich renoviert.