Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Von Hof zu Hof

Magische Momente haben Einheimische und Touristen am Mittwoch im Appenzeller Hinterland erlebt. Zum alten Silvester brachten mehrere Dutzend Chlausen-Schuppel das frisch verschneite Tal am Fuss des Säntis zum Klingen.
Silvesterchläuse unterwegs in Waldstatt. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Silvesterchläuse unterwegs in Waldstatt. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Die Bewohner im Urnäschtal feiern den Jahreswechsel nach dem julianischen Kalender erst am 13. Januar mit dem Silvesterchlausen. Von früh bis spät ziehen Einheimische in Gruppen (Schuppel) von Hof zu Hof und wünschen den Bewohnern schellend und singend ein gutes neues Jahr. Der faszinierende Brauch gilt als Protest der protestantischen Einheimischen, die sich trotz Kalenderreform nicht befehlen liessen, wann sie ihre Feste zu feiern hatten.

Nomen est omen: Chläus Hörler, OK-Präsident Schwägalp-Schwinget, war beim Silvesterchlausen dabei. (Bild: Patrik Kobler)
Die Silvesterchläuse waren im Schneetreiben unterwegs. (Bild: Patrik Kobler)
Der Ausserrhoder Landammann Matthias Weishaupt (links) mit dem Solothurner Landammann Roland Fürst. (Bild: Patrik Kobler)
Von Haus zu Haus... (Bild: Patrik Kobler)
Urchiges Silvesterchlausen. (Bild: Patrik Kobler)
Eine Aufnahme für die Ewigkeit? (Bild: Patrik Kobler)
Die Silvesterchläuse unterwegs auf den verschneiten Strassen und Wegen. (Bild: Patrik Kobler)
Im Schneegestöber sind die Silvesterchläuse unterwegs. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Der Schuppel (Gruppe) zieht von Hof zu Hof. Sie jodeln ihre mehrstimmigen Zäuerli und wünschen ein gutes Neues Jahr. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
«Hier stimmts noch nicht ganz» – Mario Hasler (links) hilft Ernst Alder beim Anziehen. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Ein Chlaus – so gilt der Grundsatz – hilft dem andern. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Gleich gilts ernst: Jetzt wird noch die Haube aufgesetzt. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
«Oese Schuppel» zäuerlen bei einem Bauern in Waldstatt. Traditionell werden die Chläuse mit Weiss- oder Glühwein belohnt. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Mitglieder eines "Wueschten" Chlausschuppels sind so wüst auch wieder nicht. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Die Silvesterchläuse sind in Waldstatt unterwegs. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Die Silvesterchläuse stapfen durch die Landschaft. Und das den ganzen Tag lang. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Voilà – Der Schöne Silvesterchlaus ist bereit. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
Mitglieder des Schönen Chlausschuppel (Die Schönen – im Gegensatz zu Wüsten Silvesterchläusen) "Öse Schuppel" kleiden sich in ihre Gewänder. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)
18 Bilder

Silvesterchläuse von Urnäsch sind unterwegs

Viel Freizeit investiert
Dieses Jahr waren wegen des anhaltenden Schneetreibens mehrheitlich Wald− und Naturchläuse unterwegs. Die kunstvollen Hauben der "schönen Chläuse", welche die Männergruppen in Hunderten Freizeitstunden basteln, hätten bei dem garstigen Wetter am Mittwoch Schaden genommen.

Deshalb liessen die meisten Schuppel in Urnäsch ihre schöne "Groscht" (Gewand) zu Hause und zogen als "Schöwüeschti" (Wald− oder Naturkläuse) mit furchterregende Masken und Gewändern aus Tannenzweigen durchs Tal. "Anders als in den umliegenden Dörfern, wo der Brauch noch keine allzulange Tradition hat, würde sich einer von uns nie mit einem Plastikschutz über der Haube zeigen", sagte ein Silvesterchlaus aus Urnäsch.

Ein Zäuerli
Ob schöne oder furchterregende Chläuse − das Ritual ist immer dasselbe. Jedes Schuppel folgt seiner eigenen Route, die niemandem bekannt gegeben wird. Schön geordnet marschieren die Männer− oder Kindergruppen von Hof zu Hof und Haus zu Haus. Der "Vorrolli" kündigt die Gruppe an, die Bewohner versammeln sich. Wenn auch der "Noerolli" angekommen ist, schellen und rollen die Männer und machen einen "heiden" Lärm.

Nach und nach verklingt das ohrenbetäubende Schellen. Es wird ruhig, und die Chläuse stimmen ein Zäuerli an, einen wortlosen Appenzeller Jodel. Eine andächtige Stimmung verbreitet sich. Dann tanzen und springen die mit Rollen oder Schellen bepackten Chläuse wieder, dass sich manche am liebsten die Ohren zuhalten würden. Das Ritual wiederholt sich üblicherweise drei Mal.

Neujahrswünsche
Zwischendurch halten die Männer einen Schwatz, bekommen ab und zu von der Hausherrin mit Hilfe eines Trinkhalms einen kräftigen Schluck Glühwein eingeflösst. Dann wünschen die Chläuse dem Hausherrn und seiner Familie mit einem kräftigen Händedruck ein gutes neues Jahr, bekommen einen üppigen "Batzen" und marschieren zum nächsten Hof.

Ist es Zeit für eine Pause, werden die Männer in die guten Stube gebeten und mit hausgemachten Leckereien verwöhnt. Der Hausherr schenkt reichlich Wein oder selbst gebrannten Schnaps aus. Es wird geplaudert und gelacht und zwischendurch gesungen. Manch einer ist froh, ohne die Maske wieder mal tief durchatmen oder eine Zigarette rauchen zu können.

Aus dem Spätmittelalter
Manche Chläuse stellen Frauenfiguren dar. Doch unter der Verkleidung verbergen sich ausschliesslich Männer. Das Silvesterchlausen ist extrem anstrengend: Ein "Schelli" trägt 20 bis 30 Kilogramm mit sich herum, ist von früh bis spät auf den Beinen und legt eine Strecke von bis zu 20 Kilometern zurück.

Die Ursprünge des Silvesterchlausens gehen wahrscheinlich auf den spätmittelalterlichen St.Nikolausfeiertag der Klosterschüler zurück, der immer fasnachtsähnlicher wurde. Die kirchlichen Behörden wehrten sich gegen das "in der Nacht herumlaufen mit Schellen und Polderen in Form des Niclausens". Vermutlich deshalb sei das Silvesterchlausen auf die Zeit nach Weihnachten verschoben worden, vermuten Experten. (sda)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.