Von Herisau in die Wüsten Afrikas

HERISAU. Mit einem Unimog-Wohnmobil haben Jonas Schneider und seine Familie die Länder Nordafrikas erkundet. In drei Jahren lässt sich der Maschinenmechaniker pensionieren und startet mit seiner Frau zu einer grossen Weltreise mit offenem Ende.

Michael Genova
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In über 2000 Arbeitsstunden hat Jonas Schneider den Unimog-Kleinlastwagen zu einem Wohnmobil für Fernreisen ausgebaut. (Bild: mge)

In über 2000 Arbeitsstunden hat Jonas Schneider den Unimog-Kleinlastwagen zu einem Wohnmobil für Fernreisen ausgebaut. (Bild: mge)

Jonas Schneiders Abenteuer beginnen in einer Garage im Industriezentrum Hölzli in Herisau. Dort steht ein Unimog-Kleinlastwagen, den der 56-Jährige zu einem Wohnmobil umgebaut hat. Schneider steht an der Werkbank und erklärt ein Heizelement für einen Boiler, an dem er gerade arbeitet. Er arbeitet daran, das kompakte Einfamilienhaus auf vier Rädern zu perfektionieren. «Die grosse Reise startet in drei Jahren», sagt er. Dann will er mit seiner Ehefrau in die weite Welt aufbrechen: Dauer unbestimmt.

Immer auf dem Sprung

Jonas Schneider trägt ein blaues Funktionsshirt und graue Wanderhosen, die Füsse stecken in Trekkingschuhen. Er wirkt, als sei er auf dem Sprung: allzeit bereit für die nächste Expedition. Nach seiner Lehre als Maschinenmechaniker beschlossen er und drei Freunde, nach Afrika zu reisen. Im Garten seiner Eltern baute er einen Toyota Landcruiser zu einem Wohnmobil aus. Es war der Auftakt für eine grosse Leidenschaft. Später gab er sie an seine Familie weiter und besuchte mit seiner Frau und seinen beiden Söhne alle nordafrikanischen Länder. «Man muss lernen, abseits der Touristenströme zu reisen», sagt Jonas Schneider über seine Art der Fortbewegung.

Heimat auf acht Quadratmetern

Das zweite Wohnmobil nach dem Landcruiser war ein italienisches Kommunalfahrzeug. Näheres ist Schneider nicht zu entlocken. Nur, dass das Gefährt irgendwann den Geist aufgab. Danach kaufte er sich einen Unimog von Mercedes-Benz. Die Abkürzung steht für «Universal-Motor-Gerät», der Hersteller wirbt mit dem Slogan: «Wo der durchkommt, kommen andere erst gar nicht hin.» Trotzdem wehrt sich Schneider gegen die Bezeichnung Expeditionsfahrzeug. «Das ist übertrieben.» Treffender sei «Allrad-Fernreise-Wohnmobil». Auf acht Quadratmetern hat Schneider alles eingebaut, was es braucht, um sich fernab der Heimat wohl zu fühlen. Bis zu vier Schlafplätze, ein WC mit Dusche und eine Küche. Eine Solaranlage auf dem Dach liefert den Strom, dank einer eigenen Wasseraufbereitungsanlage könnte Schneider sogar in einer Wüstenoase frisches Wasser tanken.

Algerier mit Kalaschnikows

Mit seiner Familie fuhr Jonas Schneider schon am 11. Längengrad entlang durch die Wüste Libyens, er besuchte Tunesien, kennt Marokko und Mauretanien. Gab es brenzlige Situationen, hatte er je Angst? «Weil wir abseits reisen, sind die Gefahren kleiner, als wenn ich den Hauptbahnhof Zürich besuche», ist er überzeugt. Die grösste Herausforderung sei eigentlich ein Defekt am Fahrzeug. Deshalb nimmt er immer genügend Ersatzteile und sogar eine Schweissanlage mit auf seine Reisen. Dann erinnert sich Schneider schmunzelnd an eine Episode in der algerischen Sahara. Mit dem Landcruiser stiess die junge Familie auf einen einsamen Checkpoint der Armee. Die überraschten Soldaten der algerischen Armee begrüssten die Touristen mit Kalaschnikows im Anschlag. «Als der algerische Kommandant unsere Kinder sah, hat er sich gleich mehrfach entschuldigt.»

«Ein Haufen geplatzter Träume»

Mit 59 Jahren wird Jonas Schneider seinen Job als Leiter der technischen Dienste bei der Cilander AG an den Nagel hängen. Er war nie der Typ, der seine Ziele auf später verschob. «Es gibt einen Haufen geplatzter Träume von Menschen, die nach der Pensionierung reisen wollten», weiss er. Schliesslich blieben sie zu Hause. Das wird Jonas Schneider nicht passieren. Er will die Weltreise mit seiner Ehefrau ganz unspektakulär in vertrauter Umgebung starten. «Ich war zum Beispiel noch nie in den Freiburger Alpen oder einen Winter lang Skifahren.» In einem zweiten Schritt wollen die Schneiders eine Umrundung von Afrika in Angriff nehmen – sofern es die politische Lage in den Ländern zulässt. Und zwischendurch zum Ausruhen eine bequeme Pauschalreise? «Ganz sicher nicht», antwortet Jonas Schneider, ohne zu überlegen.

Keine platte Reifen: Der Unimog kann den Reifendruck während der Fahrt flexibel dem Gelände anpassen.

Keine platte Reifen: Der Unimog kann den Reifendruck während der Fahrt flexibel dem Gelände anpassen.