Von gestohlenen Diamanten

Zum 30-Jahr-Jubiläum hat Kultur in Mogelsberg auch ein Bühnenstück ins Programm genommen. Am Samstag hiess es «Der grosse Coup» mit dem Cargo-Theater aus Deutschland.

Michael Hug
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Das Duo arbeitete mit ganz wenigen Requisiten.

Das Duo arbeitete mit ganz wenigen Requisiten.

MOGELSBERG. Zufälle gibt's: Es spielte das Cargo-Theater aus Freiburg im Breisgau, das im dortigen Kulturtempel E-Werk seine Heimbühne hat, am Samstag im Toggenburg. Derweil gibt der ehemalige Toggenburger Michael Finger mit seinem Cirque de Loin die zweitletzte Vorstellung des aktuellen Stücks «Strada» auf der E-Werk-Bühne in Freiburg. Zufälle sind manchmal eine Randbemerkung wert, ebenso wert ist es, auf die Premiere von «Strada» in der St. Galler Lokremise am 8. Dezember hinzuweisen (vier Vorstellungen).

Der grosse Coup

«Der grosse Coup» war in der Tat grosses Theater. Grosse Theaterkunst des kleinen Cargo-Theaters mit nur zwei Schauspielern auf der Bühne. Doch die zwei Akteure, Samuel Kübler und Stefan Wiemers, legten ein fulminantes Räuberstück um einen Diamantenklau – den grössten Diamanten aller Zeiten – hin. Die brillante Vorbereitung des Coups, die waghalsige Durchführung, die desaströse Verfolgungsjagd – eine phantasieanregende Mischung von Olsen-Bande und Disneys Panzerknacker John Cleese und Hercule Poirot. Und das alles auf einer einzigen Bühne, mit nur wenigen schlichten, aber äusserst geschickt eingesetzten Requisiten. Cargo selbst bezeichnet seinen Krimi als «Comic-Theaterstück», worunter sich die meisten Zuschauenden zunächst keine Vorstellung machen konnten.

Gespielter Comic-Strip

Doch im Laufe des Spiels wurde es klar: Comic-Theater ist Schauspiel, das dem gezeichneten Comic-Strip nachempfunden ist. Beherrscht durch Handlung mit Vorwärtsdrang, durch kurze, schnelle Schnitte, stehende Bewegungen, rasante Perspektivenwechsel wie auch unkommentierte Überleitungen und frappante Rollenwechsel. Auf das Nötigste, Aussagekräftigste reduziert und dennoch mehr als eine Stunde brillante Unterhaltung.

«Comic» meint aber auch Komik, das bedeutet Witz, Unter- und Übertreibung, Slapstick und Parodie. Ausserdem, trotz gesprochener Dialoge, auch Pantomime, was Kübler und Wiemers bis zur Perfektion beherrschen. Dazu geschickt gesetzte akustische Playbacks, Strassenlärm, Musik und raffiniert gesteuerte Szene- und Hintergrundbeleuchtung.

Ein grossartig gelungener Coup eines grossartig agierenden Ensembles um einem dreisten Diamantenraub. Ein reales, aber umso mehr auch ein virtuelles Theaterstück, das durch die Illusion und Phantasie der Zuschauenden erst richtig zu leben beginnt – Kino im Kopf.

Perfekt inszeniertes Kino im Kopf: Das Cargo-Theater mit Samuel Kübler und Stefan Wiemers (von links). (Bilder: Michael Hug)

Perfekt inszeniertes Kino im Kopf: Das Cargo-Theater mit Samuel Kübler und Stefan Wiemers (von links). (Bilder: Michael Hug)