Von Flöten und Posaunen

Brosmete

Peter Abegglen
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Ich gebe zu, dass ich gerne ein Instrument so spielen könnte, um damit mir und andern Freude bereiten zu können. Die bisherigen Versuche waren nicht von Nachhaltigkeit geprägt. Meine Querflötenkarriere, der ich immerhin das Notenlesen verdanke, nahm nach sieben Aktivjahren in der Knabenmusik St. Gallen ein jähes Ende. Auf sie folgte nahtlos ein autodidaktisches Intermezzo mit der Gitarre zur Anwendung in der Pfadi, wo weniger Virtuosität am Gitarrenhals als viel mehr Lautstärke gefragt war. Mein dadurch erworbenes bescheidenes Selbstbewusstsein in Musik erlaubte es mir aber doch, zeitweilig neben dem Mathematikunterricht auch Chorgesangslektionen zu übernehmen, aufmerksame Brosmeteleserinnen wissen das ja bereits. Etwas später kam dann eine lautstarke, zehnjährige Posaunenkarriere in der legendären St. Galler Gugge «Fruschtbüüle» dazu, bis mir die Puste ausging und ich genug hatte von blutenden Lippen und nachhaltiger Heiserkeit.

Umso mehr freut es mich, dass nun die Enkel mit Instrumentalunterricht beginnen. Einer zeigte schon im Kindergarten an der grossen Handtrommel rhythmisches Talent und nahm folgerichtig Schlagzeugstunden. Er machte zügig Fortschritte und sah sich bereits nach einem zweiten Instrument um: Posaune. Mit sichtlicher Enttäuschung bemerkte seine Mutter: «Ich verstehe nicht, dass du immer ein so lautes Instrument wählen musst!» Schlagfertig gab er zur Antwort: «Aber Mami, was nützt denn ein Instrument, wenn man es nicht hört?» War da nicht einmal die Rede von Generationensprung in der Vererbung? Ich habe volles Verständnis für den Knirps.

Peter Abegglen