Von Eutern, Zitzen und Wildschäden

Speerspitz

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Stolz auf die erbrachte Leistung (von links): Hans und Monika Stadelmann, mit Hansjürg Bieri, Fabrikationsleiter Betrieb Nesslau. (Bild: PD)

Stolz auf die erbrachte Leistung (von links): Hans und Monika Stadelmann, mit Hansjürg Bieri, Fabrikationsleiter Betrieb Nesslau. (Bild: PD)

Ein trockenes Sprunggelenk bringt gute Noten in der Bewertung. Je trockener, desto besser. An Regentagen oder nach dem Entleeren der Blase kann ein solches Gelenk durchaus trocken und feucht zugleich sein. Der Ausdruck «trocken», den Braunviehexperten gerne und häufig verwenden, bedeutet im Fall des Sprunggelenks nämlich, dass die Ausprägung optimal ist. Wenn dies nicht zutrifft, ist es aber keineswegs feucht. Verstanden? Im Bereich des Sprunggelenks entdeckt man auch als Laie sofort das Euter. Experten wissen, dass es hoch und breit aufgehängt und im Optimalfall gut in die Bauchwand verwachsen ist.

Insgesamt ist es natürlich immer von Vorteil, wenn eine Kuh geschliffen dasteht und tief runtergewachsen ist. Ein breites Becken ist ebenfalls wünschenswert und wenn dann noch die obere Linie schön gerade ist, entscheiden nur noch Nuancen zu Gunsten der einen oder der anderen Kuh.

Rahmen, Becken, Fundament, Euter und Zitzen sind ausschlaggebend. An einer Viehschau outet man sich schnell als Nichtkenner, wenn man die Kuh frontal anschaut, ihren Blumenschmuck lobt und ihre Augen schön findet. Der Kopf der Kuh interessiert weder den Experten noch den Züchter. Eine wirtschaftliche Kuh muss nicht hübsch aussehen, sondern körperlich fit sein. In meinen Anfängen der Viehschauberichterstattung ist es mir einmal passiert, dass ich eine Miss von vorne fotografieren wollte. Die Blicke der Bauern waren unbezahlbar.

Etwas, das mir in all den Jahren der Viehschauberichterstattungen – und glauben Sie mir, es waren viele – nie passiert ist, geschah bei meinem letzten Viehschaueinsatz dieser Saison. Ich war unterwegs zur Schau St. Peterzell, als ich völlig unerwartet auf der Wasserfluh auf eine Kuhherde traf, die unterwegs war zur Schau in Oberhelfenschwil. Der Zusammenstoss war unsanft und hatte Folgen: Ein grosser Kratzer auf meiner Motorhaube zeugt davon, dass eine Schelle darübergeschrammt ist. Und so geschah es, dass ich wieder etwas Neues über Kühe gelernt habe, denn: So ein Vorfall wird bei der Versicherung unter «Wildschaden» abgehandelt.

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch