Von der Stube in die Post

Die Sparkasse Trogen ist laut der Schweizerischen Nationalbank die kleinste Bank des Landes. Seit über 190 Jahren gibt es sie, doch nun ist Schluss. Ab 2013 übernimmt die Acrevis Bank St. Gallen sämtliche Kundenbeziehungen der Sparkasse. Auslöser ist eine Kündigung der Post.

Timo Züst
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Noch ist die Sparkasse Trogen die kleinste Bank der Schweiz. 1821 gegründet, wird sie nun von der Acrevis Bank St. Gallen übernommen. (Bild: Timo Züst)

Noch ist die Sparkasse Trogen die kleinste Bank der Schweiz. 1821 gegründet, wird sie nun von der Acrevis Bank St. Gallen übernommen. (Bild: Timo Züst)

TROGEN. Sparen und Bildung sind das Fundament für eine wohlhabende und damit gesunde Gesellschaft. Davon war alt Landammann Johann Caspar Zellweger überzeugt. Er gründete deshalb 1821 in Trogen eine höhere Privatschule – die heutige Kantonsschule – und die Sparkasse. Beide Institutionen haben sich in den 191 Jahren ihres Bestehens weiterentwickelt, eine von ihnen wird den Anbruch des dritten Jahrhunderts aber nicht mehr feiern können. Die kleinste Bank der Schweiz, die Sparkasse Trogen, ist bald das, was ihr Gründer geschrieben hat: Geschichte.

Acrevis übernimmt Kunden

Letzte Woche wurde bekannt, dass die Acrevis Bank St. Gallen auf Ende Dezember das gesamte Kundengeschäft der Sparkasse Trogen übernehmen wird. Anders gesagt, die Genossenschaft verabschiedet sich. «Kleinste Bank der Schweiz gibt Geschäft auf», hatte die NZZ getitelt. Auslöser für diesen Schritt waren nicht die Finanzen – in den letzten Jahren bilanzierte die Bank regelmässig einen Gewinn von rund 100 000 Franken. Nein, der Sparkasse Trogen wurde ihre Abhängigkeit von der Schweizerischen Post zum Verhängnis. Die rund 900 Kunden der Bank tätigten ihre Finanzgeschäfte bisher am Schalter der Poststelle Trogen. Für einen vertraglich festgesetzten Betrag stellte der gelbe Riese seine Infrastruktur zur Verfügung. «Eine klassische Win-win-Situation», sagt der Präsident der Sparkasse Trogen, Peter Baer. Doch mit der Pensionierung des ehemaligen Poststellenleiters Kurt Erni wurde dieser Vertrag von der Post gekündigt (siehe Kasten), Ende Jahr läuft die Frist aus.

Zukunftsgerichtete Lösung

Als «Stubenbank» hatte die Geschichte der Sparkasse Trogen begonnen. «Das Geld war in einer Kasse im Haus ständig wechselnder Trogener aufbewahrt worden», erklärt Geschäftsführerin Helen Preisig. Seit damals hat sich viel verändert. Der Tresor, die Beträge und die Anzahl Kunden sind gewachsen, aber auch neuen Herausforderungen musste sich die Genossenschaft ständig stellen. «Die Vorschriften der Finma zu erfüllen, ist für kleine Banken nicht immer einfach», sagt Peter Baer. Die vorgegebenen Berechnungsmethoden diverser Kennzahlen setzen ein aufwendiges IT-System voraus. Bisher war die Sparkasse Trogen aber immer in der Lage gewesen, die Vorschriften zu erfüllen. Allerdings nur dank der vorhandenen Infrastruktur der Post, mit deren Hilfe sie auch die Sicherheit garantieren konnte. Als sich eine Projektgruppe Anfang dieses Jahres mit der Möglichkeit einer eigenen Filiale befasste, war schnell klar: Das ist unrealistisch. «Die Kosten wären zu hoch», so Peter Baer. Der Verkauf liess sich nicht vermeiden. Für die Acrevis Bank St. Gallen habe man sich aber bewusst entschieden. «Eine Bank mit viel Regionalbezug, die auch Hausbesuche macht», betont Helen Preisig.

Emotionale Übergangsphase

Die Reaktionen der Kunden kamen nicht unerwartet. Viele sind traurig, enttäuscht, einige gar wütend. Doch das Gros, so Peter Baer, zeige Verständnis für den Entscheid der Sparkasse Trogen. Natürlich hat der Verkauf einschneidende Folgen: Ein Bankbesuch ist in Zukunft nur noch in St. Gallen möglich, und die Kunden werden wohl nicht mehr mit Namen begrüsst. Zahlenmässig überwiegen aber die Vorteile: «E-Banking, Festhypotheken, bessere Konditionen – kurz gesagt, das ganze Bankenspektrum», zählt Baer auf. Der Liquidationserlös soll in eine neu zu gründende gemeinnützige Stiftung namens «Stiftung der Sparkasse Trogen 1821» fliessen.

Das letzte Kapitel der Sparkasse Trogen wird derzeit geschrieben. Bewegend? Ja, sagen Peter Baer und Helen Preisig. Doch trauern wollen sie nicht, denn die Zukunft sei ebenfalls verlockend.

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